Die Krankenhäuser in der Region stehen nach wie vor vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Wie stark diese sind, zeigt das Beispiel Heilig-Geist-Hospital in Bingen, das zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren Insolvenz angemeldet hat.
Aber es gibt auch andere Beispiele: Das Kreiskrankenhaus in Alzey scheint finanziell auf stabilen Beinen zu stehen. Wo gibt es Gemeinsamkeiten? Wo liegen die Unterschiede?
Gemeinsam ist beiden Krankenhäusern, dass sich eins in öffentlicher Hand befindet und das andere es zwei Jahre lang war. Der Kreis Alzey-Worms hat im Juli 2025 das Krankenhaus in Alzey übernommen, nachdem das Deutsche Rote Kreuz als Träger ausgestiegen war.
Binger Krankenhaus war für öffentliche Hand zu teuer
Das Heilig-Geist-Hospital in Bingen lag seit zwei Jahren in der Trägerschaft der Stadt Bingen und des Kreises Mainz-Bingen – bis diese vor zwei Wochen Insolvenz für das Binger Krankenhaus angemeldet haben.
Stadt und Kreis konnten die Kosten nicht mehr stemmen. Innerhalb von zwei Jahren flossen aus den öffentlichen Kassen fast 16 Millionen Euro in das Krankenhaus. Damit war das Budget, das eigentlich bis 2028 reichen sollte, bereits 2026 ausgeschöpft.
Viel Geld floss in die Infrastruktur. Die war vom vorherigen Träger aufgebaut und nicht hinterlassen worden. Insolvenzverwalter Jens Lieser: "Als wir das Krankenhaus übernommen haben, hatten wir Ärzte, aber keine Administration, Medizintechnik und Sterilisation." All das neu zu organisieren habe enorme personelle Ressourcen und Geld gekostet.
Für komplexe Eingriffe bevorzugen viele Binger die Mainzer Uniklinik
Ein weiterer Punkt: Das Krankenhaus in Bingen versteht sich als medizinische Versorger im Nahbereich. Das heißt: Wenn sich in Bingen ein Mensch ein Bein bricht oder nach einem Herzinfarkt akut ein Krankenhaus benötigt, kommt er mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Heilig-Geist-Hospital.
Für komplexere und planbare Eingriffe wie Transplantationen und Operationen am Herzen ist das Krankenhaus nicht gedacht. Dafür suchen selbst viele Binger die Universitätsmedizin in Mainz auf.
Das dürfte mit dazu beitragen, dass in Bingen nur etwa 60 Prozent der Betten belegt sind. Um ein Krankenhaus wirtschaftlich betreiben zu können, braucht es eine Quote von 70 bis 75 Prozent.
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Krankenhaus in Alzey steigerte Belegungsquote
Als der Landkreis Alzey-Worms das Krankenhaus in Alzey übernommen hatte, fand Verwaltungsdirektor Frank Müller ähnliche Bedingungen vor: Die Infrastruktur für die Dienstleistungen musste seiner Aussage nach neu aufgebaut werden. Dazu zählten unter anderem die IT, die Finanzbuchhaltung und das Gebäudemanagement.
Die Belegungsquote lag in den Jahren 2024 und 2025 ebenfalls bei nur etwa 60 Prozent. Mit der Rekommunalisierung sei diese plötzlich gestiegen. Im ersten Quartal lag sie demnach bei 71 Prozent. Was ist passiert?
Neues Image: Wieder Vertrauen in Alzeyer Krankenhaus
Frank Müller glaubt: "Mit der Rekommunalisierung haben die Menschen wieder Vertrauen in das Krankenhaus gewonnen. In der Phase der Insolvenz haben manche befürchtet, das Krankenhaus könne schließen, während sie drin liegen und behandelt werden."
Wir müssen das Krankenhaus neu erzählen.
Außerdem sorgen Müller und sein Team dafür, dass das Image wieder aufpoliert wird. In der Kreiszeitung, die einmal im Quartal erscheint, gibt es in jeder Ausgabe eine Beilage, "in der wir das Krankenhaus neu erzählen."
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Auf dem Alzeyer Marktfrühstück stehen jedes Mal Ärztinnen und Ärzte an einem Infostand, um niedrigschwellig mit Menschen in Kontakt zu kommen. "Das letzte Mal kamen einige und haben sich Informationen geholt, weil sie Knieprobleme haben."
Dem Alzeyer Kreiskrankenhaus spielt ein weiterer Faktor in die Karten: die geografische Lage. Das Krankenhaus liegt an den Autobahnen 61 und 63, ist folglich von vielen Autobahnkilometern umgeben. Nach Unfällen in der Region landen Verletzte in Alzey.
Rahmenbedingungen in Bingen und Alzey unterscheiden sich
"Die Notfallversorgung spielt bei uns eine wichtige Rolle. Wir haben hier einen Notarzt stationiert, eine zentrale Notaufnahme und die ärztliche Notdienstzentrale." Zudem, so Müller, wachse die Region stark.
Die Ansiedlung des Pharmaunternehmens Lilly ist nur ein Beispiel. Die Rahmenbedingungen sind damit andere als in Bingen. Ob das Kreiskrankenhaus deshalb die wirtschaftliche Gefahrenzone verlassen hat, kann Müller nicht sagen.
Belegungszahlen in Alzey sind gutes Zeichen
Der Jahresabschluss für das vergangene Jahr liegt erst im zweiten Halbjahr 2026 vor. Auch der sagt noch wenig aus – schließlich ist das Krankenhaus erst zum Juli 2025 in die Trägerschaft des Kreises übergegangen.
"Wie das Schiff im Wasser liegt, wissen wir erst, wenn wir den Jahresabschluss für 2026 vorliegen haben", so Müller – also in mehr als einem Jahr. Dennoch ist er optimistisch: "Wir hatten eine Belegung von 60 Prozent. Deshalb haben wir finanziell sehr vorsichtig geplant. Dass wir jetzt bei 71 Prozent liegen, haben wir nicht erwartet. Das ist ein gutes Zeichen."