Krankenhausreformgesetz fordert Spezialisierungen

Kreiskrankenhaus Alzey: Notfallmedizin und Chirurgie sollen bleiben

Das Kreiskrankenhaus in Alzey hat seine Hausaufgaben bereits erledigt: Die Verwaltung hat dem Land die medizinischen Abteilungen genannt, die im Krankenhaus nach einer Spezialisierung bleiben sollen.

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Von Autor/in Wolfgang Seligmann

Bundesweit wird über das Reformgesetz für die Krankenhauslandschaft diskutiert. Krankenhäuser sollen nicht mehr alles anbieten, sondern sich spezialisieren. In Alzey sieht man diese im Gesetz geforderte Spezialisierung als Chance.

Nicht nur, weil man als einziges Krankenhaus im Kreis in hohem Maße verantwortlich für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sei, heißt es von der Klinikleitung. Sondern auch, weil nach der Übernahme des ehemaligen DRK-Krankenhauses durch den Kreis, die Patientenzahlen und die Zahl der Fachärzte gestiegen sei.

Wir können das am besten, wo wir die meiste Erfahrung haben.

"Der Gesetzgeber sagt ja, die Krankenhäuser sollen das tun, was sie am besten können", erklärt Frank Müller, der Verwaltungsdirektor des Kreiskrankenhauses. "Wir können das am besten, wo wir die meiste Erfahrung haben." Da die Klinik in bestimmten Fachgebieten viele Patienten mit der gleichen Diagnose und auch eine entsprechende Zahl an Fachärzten habe, sei das eine gute Voraussetzung dafür, diese Gebiete auch zu bekommen.

Konzentration auf fünf medizinische Spezialgebiete

Beworben hat sich das Kreiskrankenhaus bei der Landesregierung für folgende sogenannten Leistungsgebiete: Notfallmedizin, Unfallchirurgie, allgemeine Chirurgie, Innere Medizin und Geriatrie.

"Beispiel Notfallmedizin: wir liegen zwischen zwei Autobahnen, nämlich der A61 und der A63. Bei schweren Unfällen werden die Verletzten zu uns gebracht. Deshalb ist die Notfallmedizin hier am Kreiskrankenhaus so wichtig", sagt Frank Müller.

Mund-Kiefer-Chirurgie und HNO weiter in Alzey?

Zwei weitere Abteilungen stehen auf der Liste, die an die Landesregierung ging: die Mund-Kiefer-Chirurgie und die HNO-Abteilung. "Hier haben wir deutlich weniger Patienten und Ärzte. Aber wir wollen den Menschen weiter diese Leistungen anbieten, damit sie nicht kilometerweit nach Mainz oder Worms fahren müssen", so Müller weiter. Ob die Landesregierung dazu Ja sagt, ist noch nicht entschieden.

Bewerbung als Integriertes Notfallzentrum

Und noch für einen weiteren Aufgabenbereich hat sich das Kreiskrankenhaus Alzey beim Land beworben: dort soll das neue Intergrierte Notfallzentrum entstehen. Eine solche Zentrale soll einen Notarztstandort und eine ärztliche Bereitschaftspraxis zusammenfassen. Beides gibt es bereits im Alzeyer Kreiskrankenhaus.

"Durch eine engere Verzahnung beider Einrichtungen könnten wir schneller und besser entscheiden, wie und wo Patienten am besten betreut werden können. Ein solches Integriertes Notfallzentrum wäre ein wichtiger Grundstein unserer Arbeit hier", sagt Verwaltungsdirektor Müller. Auch hier muss das Land entscheiden.

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Kreiskrankenhaus Alzey: Positive Bilanz seit der Übernahme

Im Kreis und der Klinikverwaltung rechnet man damit, dass eine neue Landesregierung im Sommer entscheidet, welche Abteilungen im Kreiskrankenhaus Alzey verbleiben. Die Bilanz seit der Umwandlung des Alzeyer Krankenhauses in eine kommunale Klinik ist positiv.

Nach der Pleite der Trägergesellschaft, dem DRK, vor rund acht Monaten sind die Fallzahlen deutlich gestiegen - auf fast 7.200 Patienten bis Ende 2025. Die Auslastung der Betten stieg von 60 Prozent auf über 70 Prozent, was knapp über der durchschnittlichen Auslastung der rheinland-pfälzischen Kliniken liegt. Die Zahl der Mitarbeiter im ärztlichen und pflegerischen Bereich stieg auf über 420. Die Aussichten für das Alzeyer Krankenhaus sind also nicht schlecht.

Binger Heilig-Geist-Hospital will sieben Fachbereiche

Das zweite rekommunalisierte Krankenhaus in der Region ist in Bingen. Das Binger Heilig-Geist-Hospital hat beim Land Rheinland-Pfalz sieben medizinische Bereiche beantragt, auf die sich die Klinik künftig spezialisieren möchte.

Zu den sogenannten Leistungsgruppen, die im Binger Hospital weiter angeboten werden sollen, gehören unter anderem die allgemeine innere Medizin, die allgemeine Chirurgie und auch die Geriatrie.

Bereich Geriatrie sehr begehrt

Gerade bei der Geriatrie sieht der neue Geschäftsführer des Binger Hospitals, Gutendorf, viel Konkurrenz, da sich fast jedes Krankenhaus auf diese Altersmedizin als Spezialgebiet bewerbe. Zurzeit liefen die detalierten Prüfungen der Leistungsgruppenanträge, mit einer Entscheidung des Landes rechnet Gutendorf im dritten Quartal dieses Jahres.

Das Binger Krankenhaus kommt aus einer Insolvenz - seit September 24 sind der Landkreis und die Stadt Bingen Träger der Klinik.

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