Opfer um 300.000 Euro betrogen

Lange Haft für Betrüger im "Love Scamming"-Prozess in Wiesbaden

Drei Frauen hatten geglaubt, im Internet eine neue Liebe gefunden zu haben. Stattdessen wurden sie Opfer eines Betrügers. Der muss jetzt für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis.

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Von Autor/in Vanessa Siemers, Sabine Steinbrecher, Golo Schlenk

"Ich muss reinen Tisch machen, so geht es nicht weiter", hatte der Angeklagte selbst im Prozess vor dem Wiesbadener Landgericht gesagt und sämtliche Taten gestanden. Insgesamt ging es um rund 325.000 Euro. Um so viel Geld hatte der 46-Jährige die drei Frauen betrogen.

Der Angeklagte bezeichnete sich selbst als notorischen Lügner. Er habe aber seit seiner Verhaftung im August 2024 beschlossen, sein Leben zu ändern.

Angeklagter gab sich als Anlageberater für Krypto-Währungen aus

Dutzende Male hatte der 46-Jährige nach eigenem Geständnis die Frauen überredet, ihm Geld zu geben. Dabei gab er sich als Experte für Krypto-Währung aus und machte seinen Opfern scheinbar verlockende Anlageangebote. Renditen von mindestens 16 Prozent habe er den Frauen versprochen.

So hätten diese in gutem Glauben mehrfach hohe Summen auf ausländische Konten des Mannes überwiesen. Allein im Juni 2024 überwies ein Opfer zehnmal Geldsummen zwischen 250 und 24.000 Euro.

Kontakt zu Opfern über Soziale Medien

Den Ermittlungen zufolge kontaktierte er die Frauen auf Facebook oder Tinder und spielte ihnen Interesse vor. Er soll mit ihnen gechattet und so eine vermeintliche Liebesbeziehung aufgebaut haben. Dabei soll er den Frauen auch kostspielige gemeinsame Urlaube versprochen haben.

Sie war wie ein Bargeldautomat.

Allein die Hauptgeschädigte, eine Frau aus Wiesbaden, hatte dem Angeklagten fast 300.000 Euro gegeben und sich dabei offenbar selbst in finanzielle Not gebracht. "Ich musste nichts machen. Sie war wie ein Bargeldautomat", beschrieb der Angeklagte im Prozess die Beziehung. Die Wiesbadenerin leidet nach Angaben der Staatsanwaltschaft heute noch unter den Taten.

Richterin: Opfern wurden schwere psychische Schäden zugefügt

Im August vergangenen Jahres war der 46-jährige Betrüger dann festgenommen worden. Laut Anklage war der Mann bereits zwölfmal wegen Betrugs vorbestraft. Die Vorstrafen waren ein Grund dafür, dass das Gericht jetzt die hohe Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verhängte.

Schwer wog für das Gericht außerdem, dass der Gesamtschaden so hoch war und der Mann den Opfern "große psychische Schäden" zugefügt hatte. Bei ihren Aussagen hätten sich die Frauen geschämt und geweint, so die Richterin. Abschließend sagte sie zu dem Verurteilten: "Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich in der Haft darauf vorbereiten, anschließend ein straffreies Leben zu führen."

Kriminalpolizei warnt vor Betrugsmaschen

Die Kriminalpolizei warnt immer wieder vor den Gefahren des sogenannten Love Scammings. Dabei bauen die Täter mit verschiedenen abgewandelten Maschen über Monate oder gar Jahre ein Vertrauensverhältnis zu ihren Opfern auf und gaukeln diesen die große Liebe vor.

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