Erst sind es die großen Gefühle, dann ist es die Liebe des Lebens und zuletzt kommt das große Erwachen: Für Liebesbetrügerinnen und -betrüger, sogenannte Romance Scammer oder Love Scammer, sind Online-Partnerbörsen und Dating-Apps das Eldorado. Auf der Suche nach neuen Opfern sind sie aber auch in den sozialen Medien unterwegs.
Romance Scamming: Liebesbetrug im Internet
Der perfide Betrug mit den Gefühlen, mit der Sehnsucht nach Liebe und Zweisamkeit hat viele Gesichter und Profile. Doch immer geht es um das Eine: das Vertrauen einer Person durch Aufmerksamkeit und Liebesbekundungen zu gewinnen und sie um Geld oder Wertsachen zu bringen. "Auch ausländische Ausweispapiere und Einladungen nach Deutschland als Unterstützung für einen Visumsantrag" seien bei Betrügerinnen und Betrügern vor allem aus dem Ausland beliebt, informiert die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes auf ihrer Seite.
Anfallende Krankenhauskosten, Geld für die Flugtickets oder Visa, um den Liebsten oder die Liebste endlich persönlich kennenzulernen oder die Pflege einer nahestehenden Person - eine Masche, auf die ein Mann im Rems-Murr-Kreis hereingefallen ist. Insgesamt 2,3 Millionen Euro hat er an eine vermeintliche Notärztin im Jemen für die Pflege ihrer kranken Mutter überwiesen. Das Geld ist weg.
Kapitalanlagebetrug über Krypto-Apps
In einem anderen Fall forderte ein Liebesbetrüger, Geld auf einer App für Kryptowährung einzuzahlen - ein Liebesbetrug, der letztlich zu einem Kapitalanlagebetrug führen sollte. Dabei sollte Geld auf eine der Kryptowährung-Apps einbezahlt werden. "Das Geld befindet sich dann anschließend auf einer Krypto-Wallet, eine Art Konto für Kryptowährung und von diesem Konto aus geht das Geld dann meistens weiter irgendwo ins Ausland", erklärt Marcel Ferraro, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz.
Den Opfern würden dann Gewinne versprochen, die nie ausbezahlt werden. "Es gab auch schon Fälle, in denen sie hinterher Zugang zu Online-Plattformen bekommen haben, auf denen ihnen dann Kursgewinne vorgetäuscht werden. Die gibt es aber nicht, das ist fake. Und dann wird den Menschen so lange Geld abgenommen, wie sie bezahlen." Im schlimmsten Fall kommen die Betrüger an die Zugangsdaten des Krypto-Wallets, das mit dem eigenen Konto verknüpft ist und können dann so lange Geld abgreifen, bis nichts mehr geht.
Erst das Herz, dann das Geld Romance Scamming über Dating-Apps: Meine "Liaison" mit einem Liebesbetrüger im Internet
Große Gefühle und noch größere Summen: SWR-Reporterin Samantha Happ gerät online ins Visier eines Liebesbetrügers. Sie lässt sich darauf ein und versucht ihm auf die Schliche zu kommen.
Recovery Scam: Der Betrug nach dem Betrug
Doch damit nicht genug: Sobald die Opfer die Zahlungen einstellen und die Betrugsmasche durchschaut haben, werde manchmal noch ein sogenannter Recovery Scam, also ein Rückforderungsbetrug versucht. "Da ruft dann unter Umständen ein Beschäftigter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) oder einer anderen Behörde an und gibt vor, dass die Gelder der Opfer im Rahmen eines Verfahrens sichergestellt worden sind und wenn sie eine gewisse Gebühr bezahlen, kommen sie ihr Geld wieder zurück. Auch das stimmt natürlich nicht", warnt der Polizist aus Konstanz, Marcel Ferraro.
Muss für eine Betrugsanzeige Geld fließen?
Von einem Betrug kann tatsächlich erst dann gesprochen werden, wenn tatsächlich ein Schaden eingetreten ist - also etwa Geld überwiesen wurde. Doch bereits der Versuch ist strafbar: "Wenn eine Geldforderung gestellt wird und es ist davon auszugehen, dass es sich um eine Betrugsmasche handelt, haben wir einen Betrugsversuch. Ab diesem Zeitpunkt ist es eine Straftat", klärt der Experte auf.
Wenn jemand merkt, dass er Opfer eines Betrugs ist oder werden könnte, ist es wichtig, dass die Person das sofort zur Anzeige bringt.
Dazu seien alle Daten und Informationen wichtig, die man zu einer Person liefern kann. Denn die Ermittlungen in solchen Fällen sind nicht immer einfach. In den meisten Fällen befinden sich die Täter im Ausland, für die Ermittlungsarbeit ist die Polizei daher auf die Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden angewiesen. "Das funktioniert in vielen Fällen. Was aber oft nicht funktioniert, ist, dass wir das Geld, das sich bereits im Ausland befindet, noch sicherstellen können."
Immer mehr Fälle von Romance Scamming und Love Scamming
Laut Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA BW) nehmen die Vorfälle im Bereich des Romance Scammings in den vergangenen Jahren stetig zu. "Die Fallzahlen stiegen vom mittleren dreistelligen Bereich auf einen hohen dreistelligen Bereich an", so die Polizeiliche Kriminalstatistik. Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch einmal deutlich höher sein. Denn aus Scham bringen nicht alle Opfer von Liebesbetrug die Tat zur Anzeige.
Weisser Ring kritisiert Überheblichkeit Die Scham der Opfer - warum das Umfeld so wichtig ist
Ob Betrug, Gewalt oder Missbrauch, viele Opfer gehen aus Scham nicht zur Polizei. Dabei spielt nicht selten das direkte Umfeld eine zentrale Rolle, mahnt der Weisse Ring Heilbronn.
Dabei wird auch zwischen Fällen im Inland und jenen im Ausland unterschieden. Unter die Fälle in der Rubrik "Ausland" fallen "Straftaten, bei denen der Ort der Handlung (Tatort) im Ausland liegt oder nicht auf Deutschland konkretisiert ist, ein Erfolg der Handlung aber zumindest teilweise in Deutschland eingetreten ist", so das LKA BW. Nicht selten handele es sich dabei um organisierte Kriminalität: "Das kann man sich vorstellen, wie in einem Callcenter, nur mit Menschen, die vor einem oder mehreren PCs sitzen."
Immerhin 734 Auslandsfälle mit einer Schadenshöhe von rund 16,7 Millionen Euro werde in der Polizeilichen Kriminalstatistik allein für das Jahr 2024 in Baden-Württemberg angeführt. In der Rubrik Inland, also bei Betrug, der von Betrügern in Deutschland begangen wurde, waren es 67 Fälle mit einer Schadenshöhe von rund 2,1 Millionen Euro, so die Zahlen des LKA BW.
Hinweise auf Romance Scamming
Auch wenn in Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) die Betrugsmaschen immer ausgefeilter werden, gibt es in vielen Fällen doch Hinweise darauf, dass man es mit einem Betrüger oder einer Betrügerin auf der anderen Seite des Chatfensters zutun hat. Ein klassisches Indiz kann das sogenannte Love Bombing sein - eine psychischen Manipulation, bei der eine Person mit Liebe überhäuft wird: "Wenn der Chatpartner oder die Chatpartnerin sich relativ schnell verliebt oder vorgibt, verliebt zu haben", so Polizist Ferraro.
Beträge werden immer höher Plüderhausen/Böblingen: Wieder Frauen Opfer von Love Scamming
Gleich zwei Fälle von Love Scamming - Betrug durch Vortäuschen einer Liebesbeziehung - wurden diese Woche in der Region Stuttgart bekannt. In dem einen Fall verlor eine Frau eine halbe Million Euro.
Grundsätzlich gilt: "Niemals Geld überweisen, Kontodaten oder Zugangsdaten zu Krypto-Wallets preisgeben", mahnt der Pressesprecher der Konstanzer Polizei. Bei Geldforderungen im Netz sollte man immer skeptisch werden, auch wenn man schon länger mit einer Person in Kontakt ist. Das Perfide am Betrug mit der Liebe sei nämlich oft die Zeit, die sich Täterinnen und Täter nehmen. In ein paar Fällen seien erst nach sieben oder acht Monaten Geldforderungen gekommen.
Liebesbetrug übers Internet: Wie kann man sich schützen?
Wer Menschen über Online-Portale oder über Dating-Apps kennenlernt, soll die Personen ruhig mal online zu überprüfen. Durch Bildersuchen und Suchmaschinen hat man viele Möglichkeiten, beispielsweise ein Profil von einer Dating-App zu überprüfen.
Recherche also statt purer Romantik? Der letzte Auftritt mit dem Chor, das ehrenamtliche Engagement im Sportverein, die Webseite des Arbeitgebers oder Social Media Plattformen - über viele Menschen lässt sich heute im Internet einiges herausfinden. "Vor allem bei Online-Bekanntschaften sollte ein gewisses Misstrauen immer da sein", empfiehlt der Experte und verweist auch auf eine weitere Masche, nämlich die Erpressungen mit intimen Fotos.
Umfeld von Online-Bekanntschaft erzählen
Bei Personen, die angeben in der Nähe zu wohnen, könne es zudem helfen, nach einer gewissen Zeit ein persönliches Treffen vorzuschlagen. "Wenn jemand zwei- oder dreimal nicht zu einem Treffen erscheint oder immer absagt, kann das eben auch ein Hinweis sein." Außerdem rät der Polizeibeamte dazu, im Umfeld mit Freunden oder Familie über die Online-Bekanntschaften zu sprechen. Die seien meist nicht emotional involviert und hätten noch mal einen anderen Blick darauf.
Ein anderer Tipp kann auch sein, sich immer zu fragen: Wenn mich eine unbekannte Person auf der Straße nach so viel Geld fragt, würde ich es ihr geben?