"Gude Mainz, du Stadt voll Herz un Lebenslust - mit Dom un Rhoi, wo jeder Meenzer stolz drauf is - hier lacht mer gern, hier lebt mer gut un fein - Mainz bleibt die Schönste - Helau, so muss es sein!"
So klingt eine Büttenrede aus der Feder von ChatGPT - erstellt mit dem Auftrag, eine Lobeshymne auf die Stadt Mainz zu schreiben.
Mainzer Fastnachter eher KI-skeptisch
Ob das schon ausreicht, um auf der großen Fastnachtsbühne zu bestehen, etwa bei der Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz"? Viele der bekannten Büttenredner und -rednerinnen der Mainzer Fastnacht sagen: Nein.
"Die Büttenrede ist so eine spezielle Kunstform - diesen Witz und dieses Subtile kriegt KI nicht hin", meint etwa der Kokolores-Redner Frank Brunswig, neuer Sitzungspräsident vom Carnevalverein "Eiskalte Brüder" Gonsenheim.
Büttenrede von künstlicher Intelligenz "nur Mist"
Er habe selbst mal aus Spaß ausprobiert, eine Büttenrede mit künstlicher Intelligenz zu schreiben. "Da kommt nur Mist raus", lacht er. Er hoffe, dass KI da niemals hinkommen werde.
Außerdem würden wohl die wenigsten Kolleginnen und Kollegen in der Bütt in Betracht ziehen, KI für ihre Reden zu verwenden. "Ich glaube, da gibt es schon einen gewissen Ehrenkodex, das nicht zu machen", sagt Brunswig.
"KI hat keine Seele"
Auch die langjährige Mainzer Fastnachterin Hildegard Bachmann vom Mombacher Carneval Verein "Die Bohnebeitel" hält wenig von künstlicher Intelligenz: "KI hat keine Seele - was weiß die von Humor?"
Sie könne sich nicht vorstellen, dass man Leute mit einer KI-generierten Rede wirklich zusammenbringen und begeistern könne.
KI hinter Mainzer Fastnachtsbühnen noch kein Thema
Hinter den Kulissen der Mainzer Fastnachtsbühnen scheint der Einsatz von künstlicher Intelligenz auch noch kein großes Thema zu sein, berichten etwa Adi Guckelsberger vom Mainzer Carneval-Verein und Martin Heininger vom Gonsenheimer Carneval-Verein.
Heininger sagt, er habe sich darüber bisher gar keine Gedanken gemacht und auch mit Kolleginnen und Kollegen noch nicht darüber gesprochen. "Ich nutze KI höchstens mal zur Themenrecherche oder um ein paar klassische Übergangswitze rauszusuchen."
Premieren, Abschiede und bekannte Gesichter Das war die Fastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz"
Am Freitagabend war im ZDF die Fastnachtssendung "Mainz bleibt Mainz" zu sehen. In diesem Jahr erwartete die Zuschauer ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten.
Büttenrede nicht komplett KI-frei
Das Geistreiche, das gewisse Etwas einer Büttenrede, das fehle den Produkten von künstlicher Intelligenz, sind sich viele Mainzer Rednerinnen und Redner einig.
"Insbesondere den Meenzer Anstrich einer Rede wird die KI sicherlich nicht so herausarbeiten können, dass sie auch niemanden beleidigt", sagt Florian Sitte vom Mainzer Carneval Club. Er wird dieses Jahr wieder als Till Eulenspiegel bei "Mainz bleibt Mainz" auftreten.
Allerdings sei seine Büttenrede nicht komplett KI-frei: "Hier verwende ich für die ein oder andere Szene durchaus KI-generierte Bilder." Diese sollen seinen Vortrag untermalen.
KI-generierte Fastnachtsmusik
Ein Bereich, in dem künstliche Intelligenz in den nächsten Jahren durchaus schneller Einzug in die Mainzer Fastnacht erhalten könnte, ist dagegen die Musik. "Da funktioniert das gut", findet etwa Frank Brunswig.
Und auch Martin Heininger gibt zu: "Ich habe von KI aus Spaß auch schonmal ein Schlagerlied erstellen lassen - das klang gar nicht schlecht."
Während KI also bei der Büttenrede noch versagt, könnte sie womöglich für die eine oder andere künftige Mainzer Fastnachtshymne sorgen.