Es gab eine Premiere im Kurfürstlichen Schloss bei der ersten politischen Rede: Zum ersten Mal in der Geschichte von "Mainz bleibt Mainz" war nämlich eine Frau die Chefin des Protokolls. Christina Grom hat das Amt von ihrem Vater Erhard Grom übernommen. "Eine Sensation, eine neue Ära hat begonnen", leitete der Sitzungspräsident gleich zu Beginn Grom ins Amt ein. "Ich stelle ihnen nun herzlich gerne vor, nicht den Chef, sondern die Chefin des Protokolls!"
Neben ihr waren wieder bekannte Größen der Mainzer Fastnacht dabei: Johannes Bersch als "Moguntia" und Florian Sitte, der als "Till" der Politik den Spiegel vorhielt. Thomas Becker warf als "Zeitgeist" einen Blick auf die schnelllebigen Entwicklungen des aktuellen Weltgeschehens.
Politiker und Prominente feiern mit
Natürlich war - wie auch den vergangenen Jahren - Julia Klöckner (CDU) mit im Saal, die direkt von der Dienstreise aus Israel kam. Zum harten Kontrastprogramm sagte sie: "Ich musste den Schalter schon ein bisschen umlegen." Weil es aber auch in der Fastnacht um den politischen Zustand gehe, könne man stolz auf die Mainzer Fastnacht sein.
Im Schlepptau hatte Klöckner erstmals ihren 33 Jahre alten Parteikollegen Philipp Amthor, der sich auch von der Moguntia ob seines Alters direkt einen Seitenhieb einfing.
Schweitzer trotz Dauerfeuer zufrieden
Viel einstecken musste die SPD, die von den verschiedenen Fastnachtsgrößen aufs Korn genommen wurde. RLP-Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) war trotzdem glücklich mit der Sitzung: "So schön, so kurzweilig, so nachdenklich". Und zur satirischen Kritik meinte Schweitzer: "Aber hallo, das gehört zur Fastnacht dazu."
Stargast Jürgen Klopp muss ab und an aufs Handy schauen
Während die Mainzer Fußballer eine 0:4-Auswärtspleite bei Borussia Dortmund hinnehmen mussten, befand sich der ehemaliger Trainer beider Mannschaften in Mainz - ab und an habe er aber den Spielstand auf dem Handy nachverfolgt. Im Anschluss zum Ausgang des Spiels gefragt, sage Klopp: "Besser einmal richtig verlieren, als vier mal ein bisschen." Auch wenn er der Ansicht war, dass die Mainzer die Punkte dringender benötigt hätten. In der Rede des Till wurde Klopp prompt als neuer Kanzler, sozusagen als Merz-Ersatz vorgeschlagen, "Jürgen, Jürgen"-Rufe hallten durchs Schloss und brachten den ehemaligen Mainz-Trainer in Verlegenheit.
Andreas Schmitt zurück als Sitzungspräsident
Nach einer Pause aus gesundheitlichen Gründen im vergangenen Jahr führte Andreas Schmitt wieder als Sitzungspräsident durch das Programm, er trat auch wieder in seiner Paraderolle als "Obermessdiener vom Mainzer Dom" auf.
Neben der politisch-literarischen Fastnacht gab es natürlich auch Meenzer Kokolores. Jürgen Wiesmann alias "Ernst Lustig" feierte ein Jubiläum - seinen 25. Auftritt in der Fernsehsitzung. In seiner Nummer berichtete der Künstler unter anderem von seinen Erlebnissen bei einem Life-Coach, dem er sein Leben dargelegt habe - deutlich detaillierter als nötig. Und vom neuen Trend Hobby-Dogging, dem Laufen mit einer Leine, aber ohne Hund.
Hobby-Dogging kam auch in der Büttenrede der Moguntia noch einmal vor, sie zog den Vergleich zum "Hobby-Taxing" bei Reichen, "die tun dann nur so, als wenn sie wirklich Steuern bezahlen", erklärte Johannes Bersch, alias Moguntia.
Zum letzten Mal sah das Publikum den als "Hobbes" bekannten Hansi Greb. Er verabschiedete sich nach Jahrzehnten von der Bühne. Mit Beobachtungen aus dem Alltag und den Freuden seiner langjährigen Ehe brachte er das Publikum zum Lachen und Applaudieren. Mit einem gereimten Abschied und unter Standing Ovations wurde Hansi Greb nach 45 Bühnenjahren in den Fastnachtsruhestand verabschiedet.
Frauen-Quartett auf der Bühne
Mit im Programm waren vier Frauen: Katharina Greule, die als Influencerin im Museum gemeinsam mit Laura Heinz, Teresa Betz und Marie Döngi ein bildstarkes Bühnenspektakel lieferte. Markus Schönberg berichtete von seinen Erlebnissen auf dem Mainzer Marktfrühstück, die er am Klavier in seinem Lied "Wann ist des Frühstück wieder richtig" verarbeitete.
Für musikalische Stimmung sorgten bekannte Größen und ein Newcomer: Oliver Mager, DobbelBock und Shootingstar Marvin Hollederer rockten den Saal mit einem Medley. Für Hollederer alias "Hollebutz" war es seine TV-Premiere als Solist. Neue Musik gab es auch von der Band "Handkäs un sei Mussig".
Mit dabei waren auch wieder Thomas Neger und die HUMBAS mit der Hymne "Im Schatten des Doms", die Schnorreswackler und natürlich die Mainzer Hofsänger. Mit ihrem Potpourri aus der 100-jährigen Geschichte des wohl bekanntesten deutschen Fastnachts-Chores ging es dann ins große Finale, unterstützt vom MCV-Hofballett und den Mainzer Garden.