Üben an Patienten-Avataren

Virtuelles Krankenzimmer in Worms: Pflegeausbildung mit VR-Brillen

Pflegeschülerinnen und -schülern im Klinikum Worms öffnet sich eine neue Welt: Mit sogenannten VR-Brillen können sie nun virtuell alles üben, was in der Pflege notwendig ist.

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Von Autor/in Wolfgang Seligmann

Erika Hausmann sieht nicht gesund aus und atmet schwer. Ihr besorgniserregendes Aussehen liegt sicher auch daran, dass sie extra für diesen Einsatz als virtuelle Patientin erschaffen wurde.

Pflegeschülerin Luna Striegel vergisst aber sehr schnell, dass es sich nicht um eine echte Patientin handelt. Kaum hat sie das virtuelle Krankenzimmer betreten, muss sie handeln.

Pflegeschülerin läuft im virtuellen Krankenzimmer herum

Mit Hilfe der VR-Brille bewegt sie sich virtuell in dem Zimmer und nimmt sich, was notwendig ist. "Ich nehme mir jetzt die Blutdruckmanschette und lege sie der Patientin an", erklärt Luna Striegel, was sie gerade macht. "Oh - der Blutdruck ist sehr niedrig, ihr geht es nicht gut. Der Monitor gibt auch Alarm."

Ein Bildschrim zeigt eine virtuelle Patientin in einem virtuellen Krankenzimmer.
So sieht die Simulation einer Patientin in einem Krankenhauszimmer aus.

Was die Pflegeauszubildende über die Virtual-Reality-Brille sieht, können die Ausbilder an einem externen Monitor erkennen - also, das komplette Krankenzimmer mit Monitoren, der Patientin bis zum Mülleimer neben dem Bett.

Man ist sofort mittendrin in dem Krankenzimmer und vergisst völlig, dass man eigentlich woanders ist.

Dinge greifen kann Luna Striegel über zwei Handsteuerungen. Während sie sich in ihrer Welt bewegt, läuft sie tatsächlich auch durch den Raum, streckt den Arm nach Dingen aus, die nur in ihrer Welt existieren. Denn man vergesse sofort, dass man eigentlich woanders ist und nicht in einem Krankenzimmer, sagt Luna.

Auch Notfallsituationen kann die VR-Brille erzeugen

Der Ausbildungsleiter an der "Zentralen Ausbildungsstätte für Pflegeberufe" (ZAfP) am Klinikum Worms, Johannes Alter, kann die unterschiedlichsten Übungsszenarien für die Azubis programmieren. "Eine Patientin oder ein Patient oder auch ein Kind sind möglich. Das Zimmer kann am Tag oder in der Nacht dargestellt werden. Wir können Blutzucker messen lassen, aber auch komplexe Notfallsituationen simulieren."

Die Pflegeschülerinnen und -schüler sollen lernen, was jeweils zu tun ist. "Das ist ein weiterer Baustein in unserer Ausbildung. Die VR-Brillen ersetzen aber nicht die Pflege am echten Patienten", erklärt Johannes Alter.

VR-Brillen sollen Pflegeausbildung attraktiver machen

Das Klinikum Worms hat erstmal drei dieser VR-Brillen angeschafft, eine vierte soll demnächst kommen. Finanziert wurden die Brillen und das entsprechende Programm zum großen Teil über den DigitalPakt des Landes für Schulen.

Knut Heinrichs, der Schulleiter an der ZAfP, glaubt, dass diese Digitalisierung die Pflegeausbildung attraktiver macht. "Wie fast überall brauchen wir auch in der Pflege Nachwuchskräfte", so Heinrichs. "Es ist erstaunlich, wie viel Dynamik sich in den Ausbildungsklassen bei unseren Testdurchläufen entwickelt hat." Im Herbst, wenn der nächste Jahrgang in die Ausbildung einsteigt, gehen die VR-Brillen in den Regelbetrieb.

Eine globige weiße VR-Brille
Eine der Virtuel-Reality-Brillen, die im Klinikum Worms in der Pflegeausbildung eingesetzt werden.

Todesfälle gibt es in der VR-Simulation nicht

Der Vorteil liegt auf der Hand: Alles kann geübt werden, ohne wirklich am Patienten zu sein. "Und die Situationen sind zum Teil wirklich stressig. Da vergisst man völlig, dass man nur im Klassenzimmer steht", sagt Ausbildungsleiter Johannes Alter.

Nur eines passiert nicht: "Die Patienten können in der Simulation nicht sterben. Wir wollen ja, dass man Erfolgserlebnisse hat. Die Auszubildenden können jederzeit aus der Simulation aussteigen, wenn etwas ganz schief läuft. Wir besprechen dann danach, wie man besser hätte reagieren können. Aber grundsätzlich überlebt diese Simulation jeder."

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Wolfgang Seligmann