Heike Lörcher-Denne hat heute eine grüne Decke mitgebracht und eine Kanne Tee. Denn im Januar ist es auf der Plauderbank auf dem Alzeyer Friedhof noch kalt.
Die Plauderbank steht an einem Weg. Rechts und links sind Sträucher. Vergangenes Jahr Ende November hat die Gemeindeschwester Plus die Bank zur Plauderbank gemacht. Seitdem ist sie jeden ersten Donnerstag im Monat da.
Gemeindeschwester hört auf der Plauderbank zu
Kaum hat die Gemeindeschwester die Decke ausgebreitet, kommt Erwin Bernhardt vorbei. Der 89-Jährige war gerade am Grab seiner Frau Gisela. Seit fünf Jahren ist sie jetzt tot.
"Wir waren 65 Jahre verheiratet. Wenn ich jetzt an ihrem Baumgrab stehe, da denke ich an all die schönen Momente mir ihr", erzählt er.
"Ich fühle mich danach erlöst"
Erwin Bernhardt redet am Grab mit seiner Frau. Aber er möchte die Erinnerungen an sie mit jemandem teilen. Deshalb kommt er zur Plauderbank und setzt sich zu Heike Lörcher-Denne.
Heike redet mir dann zu, das macht es leichter, das erlöst mich und dann fühle ich mich gut.
Sie gibt ihm eine Tasse Tee und dann erzählt Erwin Bernhardt, wie das war, als er seine Frau beim Tanzen kennengelernt hat. Aber auch wie schwer die acht Jahre waren, in denen er seine Gisela gepflegt hat. Darauf ist er stolz, aber die Erinnerung schmerzt auch.
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Auf der Plauderbank wird gelacht und geweint
Auch Gudrun Becht geht das so. Die 73-jährige kommt jetzt auch zur Plauderbank. Sie war gerade am Grab ihres Mannes. Sie spricht auch immer zu ihrem Edgar.
Aber dann ist sie froh, dass Heike Lörcher-Denne da ist. Zu ihr geht sie danach und setzt sich zu ihr auf die Plauderbank.
Sie bekommt heute auch eine Tasse Tee und fängt an, der Gemeindeschwester zu erzählen, was sie gerade am Grab gefühlt hat.
Wenn ich ihr alles erzähle, wird es leichter. Dann kommt auch mal ein Tränchen, aber dann ist es wieder gut.
Dabei weine sie auch mal, aber danach sei sie wie befreit. Dann fühle sie sich wieder gut.
Plauderbank soll gegen die Einsamkeit helfen
Heike Lörcher-Denne freut sich, dass die beiden zu ihr gekommen sind. Sie will mit der Plauderbank etwas gegen die Einsamkeit tun. Niemand soll alleine mit seinen Erinnerungen auf dem Friedhof sein.
Die Plauderbank soll aus der Einsamkeit heraushelfen und sie soll ein Treffpunkt werden.
Sie will die Plauderbank zu einem Treffpunkt machen, wo über Gefühle geredet wird, aber auch mal gelacht werden kann. Jetzt kommt noch Helmut Magin dazu. Der 87-Jährige kennt die Gemeindeschwester vom Lauftreff.
"Helmut wie schön, dass du da bist, wir sehen uns die Woche noch beim Lauftreff", sagt Heike Lörcher-Denne zu ihm. Dann verabschiedet sie sich von allen.
Jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 11 Uhr wird sie auf der Plauderbank sitzen. "Ich hoffe, dass wenn es bald wärmer wird, die Plauderbank zum Treffpunkt wird, zum Erzählen und zum Lachen."