Ängste, Depressionen, Sucht - immer mehr Menschen suchen psychotherapeutische Hilfe. Aber einen Therapieplatz zu finden, gleicht einem Glücksfall. Denn die Lage ist prekär: In Rheinland-Pfalz müssen Menschen etwa vier Monate auf einen Therapieplatz warten, gibt die Bundespsychotherapeutenkammer an. Laut kassenärztlicher Vereinigung in Rheinland-Pfalz gebe es zwar genug Psychotherapeuten, aber es fehlten rund 200 psychotherapeutische Sitze in Rheinland-Pfalz. In anderen Bundesländern ist die Lage ähnlich.
Gesetzliche Krankenkassen wollen Honorar der Psychotherapeuten kürzen
In dieser Gemengelage soll es nun weniger Geld für Psychotherapeutinnen und -therapeuten geben. Vor allem die gesetzlichen Krankenkassen haben sich für die Kürzung um 4,5 Prozent ausgesprochen. Sie argumentieren, die Honorare für Psychotherapeuten seien in den vorangegangenen Jahren über Verhältnis stark gestiegen, verglichen mit anderen Arztgruppen. Deshalb müssten sie nun gekürzt werden.
Demonstration der Psychotherapeuten vor dem Mainzer Hauptbahnhof
Dagegen hatte der Deutsche Psychotherapeutenverband für Donnerstagnachmittag zu einer Demonstration auf dem Mainzer Bahnhofsvorplatz aufgerufen. Das Motto lautet: "Wir helfen, ihr kürzt." Erwartet wurden etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Eine nachhaltige Gesundheitspolitik muss den steigenden Bedarf an Psychotherapeuten anerkennen.
Unterstützung bekommen sie von der Stadt Mainz. Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) sagte, eine nachhaltige Gesundheitspolitik müsse den steigenden Bedarf an Therapeutinnen und Therapeuten anerkennen und die Rahmenbedingungen verbessern statt verschlechtern.
"Psychotherapeuten müssen ihre Kosten decken können"
Kritiker befürchten, dass der Beruf durch die Honorarkürzung unattraktiver wird. Weniger Gehalt sei schwierig für approbierte Psychotherapeuten, sagt auch Katharina Epstein. Die Landessprecherin der Psychotherapeuten in Ausbildung hat die Demonstration mitorganisiert. "Der Schlüssel, der für die Vollversorgung einer Praxis angelegt wird, übersteigt jetzt schon das Maß, was man als einzelner Mensch leisten kann", so Epstein. "Am Ende des Monats müssen sie ihre Kosten decken können."
Weniger Gehalt könnte bedeuten, dass die Psychotherapeuten mehr Privatpatienten nehmen statt Kassenpatienten.
Weniger Psychotherapieplätze für Kassenpatienten?
Eine Konsequenz der Gehaltskürzung werde sich deswegen direkt auf die Patienten auswirken: Es könne sein, dass Psychotherapeutinnen und -therapeuten deswegen mehr Privatpatienten aufnehmen müssen, so Katharina Epstein. Das mache die Versorgung in Deutschland noch schlechter. "Wir sind wütend, dass in einem Beruf, der so systemtragend ist, Einsparungen passieren."