Die Idee ist so einleuchtend, dass es einen wundert, warum es das nicht schon längst in Rheinhessen gibt: Im größten Weinanbaugebiet Deutschlands können Menschen ihre letzte Ruhe jetzt in einem kleinen Weinberg finden - in Gräbern zwischen Rebstöcken. Und der zuständige Mainzer Wirtschaftsbetrieb hat dem Ganzen auch schon einen liebevollen meenzerischen Namen gegeben: "Schorlegräber".
Beerdigung in einem kleinen Weinberg auf dem Friedhof
Für diese Bestattungsmöglichkeit hat der Wirtschaftsbetrieb an einem Hang auf dem Stadtteilfriedhof in Laubenheim in fünf Reihen Rebstöcke gepflanzt. Mehr als 100 Urnen finden hier Platz. Bei den Rebstöcken handelt es sich um die Rebsorte Sauvignon Gris. Die Trauben werden aber nicht zu Wein verarbeitet.
Friedhöfe erinnern an das Leben der Verstorbenen
"Friedhöfe sind in erster Linie Orte der Trauer, der Stille und der Erinnerung - der Erinnerung an die Menschen, die dort ihre letzte Ruhe gefunden haben. Und damit natürlich auch an das Leben dieser Menschen", sagt Jeanette Wetterling vom Wirtschaftsbetrieb Mainz.
Viele Mainzerinnen und Mainzer seien in den Weinbergen aufgewachsen und mit ihnen emotional sehr verbunden. Und auch mit Weinfrühstück, Weinmarkt, Weinufer und weiteren Festen in Mainz drehe sich im Leben der Rheinhessen viel um Wein. "Und genau deshalb möchten wir eine Möglichkeit schaffen, die dem Wunsch der Menschen vor Ort gerecht wird. Mit regionalem Bezug und einem Thema, das sie zu Lebzeiten verbunden hat", so Wetterling.
Viele Mainzerinnen und Mainzer sind in den Weinbergen aufgewachsen und mit ihnen emotional sehr verbunden.
Gesellschaft Bestattungskultur – Neue Rituale im Umgang mit dem Tod
Beisetzungen verstorbener Personen werden individueller.
Neben Erd- oder Feuerbestattung treten Bäume oder "Re-Erdigungen", die den Abschied und das Trauern erleichtern wollen.
Wirtschaftsbetrieb ist offen für neue Ideen für Beerdigungen
Ronny Pietsch ist der zuständige Abteilungsleiter Friedhof und Bestattungen. Er sagt: "Da wir in Mainz auch bei diesem sehr sensiblen Thema immer ein offenes Ohr für neue Ideen haben und auch dafür bekannt sind, diese - wenn es passt - zeitnah umzusetzen, sind hier jetzt die Wingertsgräber entstanden." In dieser Woche finden bereits die ersten Bestattungen zwischen den Reben statt.
Wunsch nach "Schorlegrab" bei Bestattungsinstitut angeben
Wer sich eine letzte Ruhestätte zwischen den Weinreben wünscht, muss das Bestattungsinstitut darüber in Kenntnis setzen. Das kann noch zu Lebzeiten geregelt werden oder man lässt es seine Angehörigen wissen. Auch im Testament kann dieses Ansinnen vermerkt werden. Das Bestattungsinstitut wird dann klären, ob es möglich ist, diesen Wunsch zu erfüllen.