Urnen im Weinberg

"Schorlegräber" in Mainz: Beerdigung zwischen Weinreben

Wer den Wein und die Weinberge im Leben geliebt hat, muss sie in Mainz auch im Tod nicht missen. Hier gibt es nun die Möglichkeit, sich zwischen Rebstöcken beisetzen zu lassen - in sogenannten "Schorlegräbern".

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Die Idee ist so einleuchtend, dass es einen wundert, warum es das nicht schon längst in Rheinhessen gibt: Im größten Weinanbaugebiet Deutschlands können Menschen ihre letzte Ruhe jetzt in einem kleinen Weinberg finden - in Gräbern zwischen Rebstöcken. Und der zuständige Mainzer Wirtschaftsbetrieb hat dem Ganzen auch schon einen liebevollen meenzerischen Namen gegeben: "Schorlegräber".

Beerdigung in einem kleinen Weinberg auf dem Friedhof

Für diese Bestattungsmöglichkeit hat der Wirtschaftsbetrieb an einem Hang auf dem Stadtteilfriedhof in Laubenheim in fünf Reihen Rebstöcke gepflanzt. Mehr als 100 Urnen finden hier Platz. Bei den Rebstöcken handelt es sich um die Rebsorte Sauvignon Gris. Die Trauben werden aber nicht zu Wein verarbeitet.

Ein Schild mit der Aufschrift "Wingertsgräber, Reihe 21": Auf dem Friedhof in Mainz-Laubenheim wurde ein kleiner Weinberg geschaffen, in dem Weinfreunde ihre letzte Ruhe finden können.
Mehr als 100 Urnengräber haben auf dem kleinen Weinberg Platz. Wirtschaftsbetrieb Mainz / Christian Schulze

Friedhöfe erinnern an das Leben der Verstorbenen

"Friedhöfe sind in erster Linie Orte der Trauer, der Stille und der Erinnerung - der Erinnerung an die Menschen, die dort ihre letzte Ruhe gefunden haben. Und damit natürlich auch an das Leben dieser Menschen", sagt Jeanette Wetterling vom Wirtschaftsbetrieb Mainz.

Viele Mainzerinnen und Mainzer seien in den Weinbergen aufgewachsen und mit ihnen emotional sehr verbunden. Und auch mit Weinfrühstück, Weinmarkt, Weinufer und weiteren Festen in Mainz drehe sich im Leben der Rheinhessen viel um Wein. "Und genau deshalb möchten wir eine Möglichkeit schaffen, die dem Wunsch der Menschen vor Ort gerecht wird. Mit regionalem Bezug und einem Thema, das sie zu Lebzeiten verbunden hat", so Wetterling.

Viele Mainzerinnen und Mainzer sind in den Weinbergen aufgewachsen und mit ihnen emotional sehr verbunden.

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Wirtschaftsbetrieb ist offen für neue Ideen für Beerdigungen

Ronny Pietsch ist der zuständige Abteilungsleiter Friedhof und Bestattungen. Er sagt: "Da wir in Mainz auch bei diesem sehr sensiblen Thema immer ein offenes Ohr für neue Ideen haben und auch dafür bekannt sind, diese - wenn es passt - zeitnah umzusetzen, sind hier jetzt die Wingertsgräber entstanden." In dieser Woche finden bereits die ersten Bestattungen zwischen den Reben statt.

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Wunsch nach "Schorlegrab" bei Bestattungsinstitut angeben

Wer sich eine letzte Ruhestätte zwischen den Weinreben wünscht, muss das Bestattungsinstitut darüber in Kenntnis setzen. Das kann noch zu Lebzeiten geregelt werden oder man lässt es seine Angehörigen wissen. Auch im Testament kann dieses Ansinnen vermerkt werden. Das Bestattungsinstitut wird dann klären, ob es möglich ist, diesen Wunsch zu erfüllen.

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