Der Spaziergängerin hatte sich erstmals am vergangenen Donnerstag auf einem Feld zwischen Ingelheim und Gau-Algesheim (Kreis Mainz-Bingen) das grausige Bild geboten: Zwei Dohlen hingen an Schnüren an einer Stange über einem Obstfeld, stundenlang ungeschützt Sonne und Hitze ausgeliefert.
Ein Vogel tot, einer verletzt
Einer der Vögel war tot, der andere lebte noch - allerdings schwer geschwächt. Die Spaziergängerin alarmierte die "Wildtierhilfe Rhein-Nahe e.V." und erreichte dort Petra Heinen. Die Tierschützerin fuhr zu den Obstfeldern in der Nähe des Schwimmbades "Rheinwelle" und befreite den überlebenden Vogel, band ihn los und nahm ihn mit in die Station.
Noch ein paar Stunden länger, das hätte die Dohle sicher nicht überlebt.
Für den Vogel war das vermutlich Rettung in letzter Minute. Er hatte seit Stunden ohne Wasser und Nahrung in der Sonne gehangen. Das Bein, an dem er festgebunden war, war verletzt. Vermutlich, weil er stundenlang versucht hatte, sich von der Schnur zu befreien, so Petra Heinen. Hätte er weiter dort gehangen, hätte er die Nacht nicht überlebt, ist die Tierschützerin überzeugt.
Am nächsten Tag noch mehr tote Dohlen im gleichen Obstfeld
Am Tag darauf dann der erneute Schock: Dieselbe Spaziergängerin meldete sich wieder bei Petra Heinen. Wieder waren an gleichen Stelle Dohlen aufgehängt worden, diesmal fünf bis sechs Vögel, und diesmal kam jede Hilfe zu spät. Alle Tiere waren bereits tot.
Dass man bei so einer Hitze einen Vogel an einer glühend heißen Eisenstange festbindet - da fehlen einem wirklich die Worte.
Petra Heinen hat in der Wildtierhilfe schon viel erlebt. Aber diese Tat macht auch sie sprachlos.
Rabenvögel sorgen für Ärger in der Landwirtschaft
Bislang ist völlig unklar, wer die Vögel an den Stangen aufgehängt hat. "So eine Dohle müssen Sie ja auch erstmal einfangen", sagt Petra Heinen. Auch sie kann sich nicht erklären, was oder wer hinter diesem mutmaßlichen Akt von Tierquälerei steckt.
Zwar höre man immer wieder von Landwirten, die von Vögeln wie Saatkrähen genervt sind, weil die ihnen die Ernte wegfressen, sagt Heinen. Und sie habe auch schon gehört, dass manche von ihnen tatsächlich abgeschossene Saatkrähen zur Abschreckung in ihren Feldern aufhängen.
Besitzer des Feldes bei Ingelheim weiß nichts von toten Dohlen
Doch in diesem Fall waren eben keine Saatkrähen aufgehängt, sondern Dohlen. Die haben einen deutlich besseren Ruf und dürfen auch in Rheinhessen weder gejagt noch in ihren Nestern gestört werden.
Petra Heinen hat zur Sicherheit bei dem Besitzer der Felder nachgefragt, aber der habe von nichts gewusst. Bislang deutet auch nichts darauf hin, dass auf den Feldern dort legal versucht werden sollte, Vögel zu "vergrämen", also zu vertreiben.
Vogel gefunden – Was tun?
Sie haben einen kleinen Vogel auf dem Boden entdeckt und fragen sich: Was tun? Wo anrufen? Wir sagen Ihnen, wie Sie dem Jungvogel oder verletzten Tier helfen können.
Anzeige wegen Tierquälerei - Polizei Ingelheim ermittelt
Die Tierschützerin hat Anzeige bei der Polizei Ingelheim erstattet und den Fall von sich aus öffentlich gemacht: Um rechtzeitig helfen zu können, wenn an anderer Stelle ebenfalls Tiere gequält werden, oder im besten Fall weitere Taten zu verhindern.
Verletzte Dohle überlebt dank Spaziergängerin und Wildtierhilfe
Immerhin: Die überlebende Dohle hat sich so gut erholt, dass Petra Heinen sie nach ein paar Tagen wieder freilassen konnte. Und Heinen erzählt: "Viele Vögel, die wir retten, kommen noch ein paar Tage immer wieder zurück. Ich sag dann immer: Die wollen sich nochmal bedanken."
Die Allgemeine Zeitung hatte zuerst über diesen Fall berichtet.