Überflutete Straßen und schwimmende Weinfässer

Unwetter in Wachenheim: "So viel Regen wie seit 30 Jahren nicht!"

Gewitter und Starkregen sind am Sonntagmittag über Wachenheim und Flörsheim-Dalsheim gezogen: 60 Liter Regen pro Quadratmeter kamen herunter und verwandelten die Straßen in Bäche.

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Stand

Von Autor/in Karin Pezold, Vanessa Siemers

Es war gegen 12 Uhr mittags, als sich die Schleusen über Rheinhessen öffneten. Mitten im Zentrum des Unwetters: die Weindörfer Wachenheim und Flörsheim-Dalsheim (beide Kreis Alzey-Worms).

Keller, Höfe und B47 von Regenmassen überschwemmt

Höfe, Straßen und Keller liefen in Wachenheim voll Wasser. Schlamm und Stroh, die von den angrenzenden Feldern kamen, verstopften die Straßengullys. Die Bundesstraße 47 musste wegen heruntergerutschten Gerölls kurzzeitig gesperrt werden.

Nach Angaben des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Monsheim, Ralph Bothe, wurde die Feuerwehr zu etwa 30 Einsätzen gerufen und bekam auch Hilfe von den Feuerwehren aus der VG Wonnegau.

So einen Starkregen hat es meines Wissens in den letzten 30 Jahren in Wachenheim nicht gegeben.

Fast 60 Liter Wasser pro Quadratmeter regnete es den Tag über in Wachenheim. Bothe sagte im SWR-Interview, so etwas habe es dort seines Wissens nach seit 30 Jahren nicht gegeben.

Bäche aus Schlamm flossen nach dem Unwetter durch Innenhöfe und kleine Gassen in Wachenheim und Flörsheim-Dalsheim.
Bäche aus Schlamm flossen nach dem Unwetter durch Innenhöfe und kleine Gassen in Wachenheim und Flörsheim-Dalsheim. Feuerwehr VG Monsheim

Wachenheim und Flörsheim-Dalsheim im Zentrum des Unwetters

Erst in der vergangenen Woche hatte ein Unwetter für große Schäden in Rheinhessen gesorgt, da allerdings fast in der gesamten Region. Landwirte und Winzer verloren große Teile ihrer Erträge.

Ober-Flörsheim

"So viel Zerstörung wie noch nie" Unwetter in Rheinhessen: große Schäden an Wein, Obst und Getreide

Das Unwetter am Montag hat in Teilen Rheinhessens so viele Weintrauben, Obst und Getreide zerstört, wie vermutlich nie zuvor. Das hat die Vereinigte Hagelversicherung mitgeteilt.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Es sei ungewöhnlich, dass das Unwetter im Kreis Alzey-Worms diesmal so örtlich begrenzt gewütet habe: Schäden habe es vor allem in Wachenheim und Flörsheim-Dalsheim gegeben. In Monsheim beispielsweise, das nur vier Kilometer von Wachenheim liege, sei gar nichts passiert, so Bothe.

Schwimmende Weinfässer in Weingut in Flörsheim-Dalsheim

Im Weingut Engel in Flörsheim-Dalsheim setzte der Starkregen einen Keller mit Weinfässern unter Wasser. Mehrere Fässer mit Barrique-Wein schwammen umher. Zum Glück, sagt Ulrike Engel, seien die Fässer dicht geblieben. Sonst hätte der Schaden schnell mehrere Tausend Euro betragen können.

Im Weingut Engel in Flörsheim-Dalsheim setzte der Starkregen einen Keller mit Weinfässern unter Wasser.
Im Weingut Engel in Flörsheim-Dalsheim setzte der Starkregen einen Keller mit Weinfässern unter Wasser. Ulrike Engel, Weingut Engel in Flörsheim-Dalsheim

Unwetter trifft auch Kreis Bad Kreuznach

Wegen des Starkregens standen auch in Bad Kreuznach Keller, Straßen und auch eine Garage unter Wasser. Außerdem wurden zahlreiche Gully-Deckel herausgedrückt. Der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kreuznach nimmt das aktuelle Unwetter zum Anlass für einen Appell an Bürgerinnen und Bürger, sich bei kleineren Überschwemmungen erst einmal selbst zu helfen.

Feuerwehr Bad Kreuznach: Gullys sauber halten

Es komme immer häufiger vor, dass die Feuerwehr zu Einsätzen gerufen werde, die keine Notfälle sind. Auch am vergangenen Wochenende rückten die Einsatzkräfte mehrere Male aus, um dann vor Ort festzustellen, dass die betroffenen Keller nur ein paar Zentimeter unter Wasser standen. Für so wenig Wasser habe die Feuerwehr gar keine Pumpen, sagt Jodeleit. Oft lasse sich das Wasser einfach mit einem Lappen aufwischen.

Gerade in der jetzigen Zeit, in der sich Starkregenereignisse häufen, sollten sich die Bürgerinnen und Bürger um das rechtzeitige Entfernen von Laub und die Reinigung ihrer Kanaleinläufe kümmern.

Auch bittet er alle Menschen, die Abflüsse ihrer Straßen im Auge zu behalten und sie bei Bedarf selbst freizuräumen oder den Bauhof zu informieren. Viele Überschwemmungen und damit verbundene Feuerwehr-Einsätze könnten vermieden werden, wenn rechtzeitig das Laub entfernt würde, das beispielsweise bei Starkregen Gullys verstopft.

"Es soll sich keiner in Gefahr begeben, das ist klar", so Jodeleit. "Aber wenn sich jeder zuerst die Frage stellt: Kann ich das selbst in den Griff bekommen und kann man diese Frage dann mit 'Ja' beantworten, dann sollte man es auch selbst machen".