Die Werkfeuerwehr von Boehringer Ingelheim ist keine gewöhnliche Feuerwehr. Ihre Aufgabe geht weit über das Löschen von Bränden hinaus. Als Spezialisten in einem pharmazeutischen Unternehmen sind die Feuerwehrleute für den Umgang mit chemischen und biologischen Stoffen geschult. Das geht meist weit über die Fähigkeiten einer kommunalen Feuerwehr hinaus.
Werkfeuerwehr besteht aus Haupt-und Ehrenamtlichen
Johannes Fachinger ist seit 2017 dabei und inzwischen Wehrleiter der Werkfeuerwehr. "Ähnlich wie jenseits des Werkzaunes, gibt es bei uns auch hauptberufliche Feuerwehrleute und Ehrenamtliche."
15 Kollegen machen laut Fachinger derzeit den Einsatzdienst. In wechselnden Schichten ist dieser Dienst rund um die Uhr die ganze Woche über besetzt. Ziel ist es aber, den hauptberuflichen Anteil in den kommenden Jahren weiter aufzustocken. Er soll mehr als verdoppelt werden.
Dazu kommen dann noch 65 Beschäftigte, die eigentlich in anderen Abteilungen bei Boehringer arbeiten. Sie unterstützen bei Einsätzen und werden im Zweifel dafür abgestellt. Ähnlich wie bei "normalen" frewilligen Feuerwehren, können sie aber auch aus dem Feierabend gerufen werden.
Einsätze innerhalb des Werkgeländes von Boehringer Ingelheim
Die Hauptaufgaben liegen naturgemäß auf dem Werkgelände von Boehringer, erklärt Wehrleiter Fachinger. "Wir bereiten uns grundsätlich auf alle Szenarien vor. Das bedeutet Brandeinsätze, aber auch technische Hilfeleistungen, zum Beispiel Menschen aus Aufzügen zu befreien. Aber auch wilde Tiere, die sich auf das Gelände verirren, werden gerettet. Und Ölspuren von Fahrzeugen müssen beseitigt werden."
Wir machen alles, vom Brandeinsatz bis zur Ölspurbeseitigung
Besonders geschult sind die Einsatzkräfte aber natürlich durch das Einsatzgebiet in einem pharmazeutischen Unternehmen. "Die Themen Gefahrgut und Chemikalien-Einsätze spielen eine wichtige Rolle. Wir haben spezielle Fahrzeuge, die zum Beispiel über modernste Messgeräte verfügen. Außerdem können wir im Zweifel auch auf spezielle Fachberater im Bereich Chemie zurückgreifen. An einen größeren Einsatz auf dem Werksgelände in den vergangenen Jahren, kann sich der Wehrleiter aber nicht erinnern. "Zum Glück!", wie er sagt.
Werkfeuerwehr hilft auch umliegenden Gemeinden
Aber auch außerhalb des Boehringer-Geländes helfen die Feuerwehrleute, wenn sie gebraucht werden. "Vor allem im Stadtgebiet von Ingelheim helfen wir häufig aus", sagt Fachinger. Zum Beispiel beim Löschen von Bränden oder bei Verkehrsunfällen.
Auch der Gefahrstoffzug rückt im Zweifel mit aus. Der letzte größere Einsatz liegt laut Fachinger ein paar Jahre zurück. Das war der Brand der Rheingoldhalle 2019 in Mainz. Dort unterstützten die Boehringer-Feuerwehrleute den ganzen Tag die Mainzer Kollegen beim Löschen.
Insgesamt war die Werkfeuerwehr zum Beispiel 2024 rund 320 mal im Einsatz, erklärt Fachinger. Davon war etwa ein Viertel außerhalb des Werksgeländes.
Nachwuchssorgen bei der Feuerwehr
In einem Punkt unterscheidet sich die Werkfeuerwehr aber überhaupt nicht von öffentlichen Wehren. "Auch für uns ist es schwierig, Personal an uns zu binden oder Nachwuchs, sprich Freiwillige, zu rekrutieren", erzählt Fachinger.
Der Personalmarkt ist leer gefegt!
Vor allem im Bereich der hauptberuflichen Feuerwehrleute ist der Arbeitsmarkt laut Wehrleiter Fachinger leer gefegt. Es sei schwierig, an Personal mit der nötigen Qualifikation zu kommen. Und die sei unbedingt nötig.
Deshalb versucht die Werkfeuerwehr Boehringer auch mit Werbekampagnen und der Präsenz auf anderen Veranstaltungen, wie Tage der offenen Tür für sich zu werben.