Auf Platz drei folgt die Linkspartei mit einem Plus von 18,2 Prozent. Alle anderen in der Studie berücksichtigten Parteien haben Mitglieder verloren. Am deutlichsten die FDP mit einem Minus von 5,8 Prozent, gefolgt von der SPD mit einem Minus von 3 Prozent und der CDU mit einem Minus von 0,4 Prozent.
Die Freien Wähler, die seit 2021 im rheinland-pfälzischen Landtag vertreten sind, fehlen in der Studie, da diese nur Parteien berücksichtigt, die auch im Bundestag vertreten sind. Wie die Landesgeschäftsstelle der Partei dem SWR mitgeteilt hat, ist der Mitgliederbestand der Freien Wähler in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr um 19,2 Prozent gewachsen.
Fazit: Es bestätigt sich der Trend, dass kleinere Parteien bei der Entwicklung der Mitgliederzahlen Zuwächse verzeichnen, während die großen Volksparteien CDU und SPD Mitglieder verlieren.
CDU hat weiterhin die meisten Mitglieder in RLP
Dennoch: Die mitgliederstärkste Partei in Rheinland-Pfalz bleibt trotz jahrelang anhaltender Verluste weiterhin die CDU. Sie kam zum Stichtag 31.12.2024 auf 33.094 Mitglieder. Gefolgt von der SPD mit 27.929 Mitgliedern. Die Grünen sind mit 6.725 Mitgliedern weiterhin die drittgrößte Partei in Rheinland-Pfalz.
Dahinter folgt die FDP mit 4.292 Mitgliedern. Die AfD erreicht mit 3.266 Mitgliedern ihren bislang höchsten Stand. Die Linke hat 1.552 Mitglieder. Die Freien Wähler hatten nach eigenen Angaben zum Stichtag 31.12.24 insgesamt 1.161 Mitglieder.
Entwicklung im RLP liegt im Bundestrend
Die Entwicklung in Rheinland-Pfalz entspricht im Wesentlichen der im Bund. Sprich: Auch bundesweit ist es so, dass die AfD die meisten Mitglieder gewonnen hat (+29 Prozent), gefolgt von den Grünen (+23,3 Prozent) und der Linkspartei (+16,5 Prozent). Die FDP hat bundesweit 6,1 Prozent ihrer Mitglieder verloren, die SPD 2,2 Prozent. Der CDU ist es bundesweit dagegen gelungen, erstmals seit 1999 Mitglieder zu gewinnen (+0,3 Prozent).
AfD legt als einzige Partei in allen Ländern zu
Die Zahlen stammen aus der jährlichen Erhebung des Berliner Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer. Er erhebt sie seit Jahrzehnten und wertet sie wissenschaftlich aus. Demnach war die AfD auch im Jahr 2024 erneut die einzige Partei, die in allen Bundesländern gewachsen ist. Im Vergleich zum Vorjahr 2023 hat sich das Mitgliederwachstum allerdings etwas abgeschwächt: Bundesweit von 36 auf 29,6 Prozent, landesweit von 43,7 auf 33,1 Prozent.
Entwicklung der Mitgliedszahlen der Parteien FW und AfD in RLP gewinnen prozentual die meisten Mitglieder
In Rheinland-Pfalz haben 2023 von den im Landtag vertretenen Parteien (SPD, FDP, Grüne, CDU, AfD, Freie Wähler) nur die Freien Wähler und die AfD deutlich Mitglieder gewonnen.
Sarcinelli: AfD ist Staubsauger für Unzufriedene
Der Politikwissenschaftler Ulrich Sarcinelli aus Landau sagte dem SWR: "Es ist sehr beunruhigend, dass eine Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einschätzt, sich im Parteiensystem mehr und mehr festsetzt und damit zum Normalzustand wird."
Als eine Ursache für das stetige Mitgliederwachstum sieht Sarcinelli den Frust gegenüber den anderen Parteien. Er spricht von der AfD als "Staubsauger für Unzufriedene". Es gebe den Eindruck, dass die etablierten Parteien unfähig seien, Probleme zu identifizieren und zu lösen. Die AfD benenne, was nicht funktioniere und erzeuge so den Eindruck, die Probleme auch lösen zu können.
Um das zu ändern, müssten die anderen Parteien Probleme offen ansprechen und über Lösungen diskutieren, ohne sich gegenseitig in die linke oder rechte Ecke zu stellen. Dazu gehört für Sarcinelli auch, sich auch dann mit den Problemen zu beschäftigen, wenn sie von der AfD thematisiert werden. Anstatt reflexartig in eine Abwehrhaltung zu verfallen, wenn die AfD ein Problem anspricht.
Bürger engagieren sich weniger in Parteien, Vereinen und Kirchen
Zurück zur Studie. Den Trend, dass sich immer weniger Menschen in Parteien, aber auch in Kirchen, Gewerkschaften oder Vereinen engagieren, gibt es schon seit Jahrzehnten. Der Grund ist laut Politikwissenschaftler Niedermayer der gesellschaftliche Wandel. Früher hätten Menschen viel mehr Wert darauf gelegt, den Alltag in der Gemeinschaft zu organisieren, etwa in Vereinen oder Parteien. Weil vielen mittlerweile die Zeit dafür fehle, mache man das oft allein, sagte Niedermayer dem SWR.
Niedermayer hat dazu in seiner Studie festgestellt: 1980, nach der Gründung der Grünen, seien in der alten Bundesrepublik knapp 4 Prozent der Bürger (ab Eintrittsalter 14 bzw. 16 Jahre) Mitglied einer Partei gewesen. Ende 1989, nach der Wiedervereinigung und dem Hinzukommen der PDS (heute Linke), seien es noch 3,7 Prozent gewesen. Ende 2023 seien trotz des zwischenzeitlichen Hinzukommens der AfD nur noch 1,6 Prozent der Bürger Mitglied einer Partei gewesen. Eine Wende dieses Trends sei nicht in Sicht, so Niedermayer.
Die vollständige Dokumentation der Parteimitgliedschaften im Jahr 2024 vom Politikwissenschaftler Niedermayer wird demnächst in der Zeitschrift für Parlamentsfragen veröffentlicht.