"Die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Messungen sind ein Tiefpunkt und ein mehr als deutlicher Auftrag", sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin in Mainz.
Vor dem Hintergrund der immer weiter abnehmenden Kompetenzen und der international vergleichbaren Herausforderungen betonte die Ministerin, sie sei umso mehr davon überzeugt, dass Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz vor einer überbordenden und ungesunden Einwirkung digitaler Medien geschützt werden müssten.
Medienkompetenz bleibe wichtig, aber ein Verbot der privaten Handynutzung während der Schulzeit, wie es in Rheinland-Pfalz zeitnah angestrebt werde, sei für eine gute und sichere Entwicklung der Kinder unerlässlich, betonte Eiling-Hütig.
Schulleiter begrüßt Handyverbot
Manuel Hortian, Schulleiter an der Puricelli Realschule plus in Rheinböllen, begrüßt die Pläne der Landesregierung. "Das war ein Gamechanger, was das Thema Ablenkung angeht. Und das heißt nicht, dass wir digitale Medien verbannen. Wir haben trotzdem die Möglichkeit, auf Tablets und Laptops zuzugreifen. Und wir versuchen das so zu dosieren, dass Schülerinnen und Schüler das gut nutzen können", sagte Hortian im SWR.
An der Schule im Hunsrück ist das bereits Alltag. Handys werden dort während des Unterrichts weggesperrt, damit die Schülerinnen und Schüler nicht abgelenkt werden durch Inhalte in den Sozialen Medien.
Schüler schneiden so schlecht ab wie nie
Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften: In der neuen Bildungsstudie PISA schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Die getesteten 15-Jährigen hätten "die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt", berichtete Studienleiter Samuel Greiff.
Jedem dritten Jugendlichen fehle grundlegende Kompetenz in Lesen und Mathematik, jedem vierten in Naturwissenschaften. Gut jeder Fünfte habe in keinem der drei Felder "ausreichende Basiskompetenzen", warnte Greiff.
Schüler verlieren den Glauben daran, dass sich Bildung lohnt
Insgesamt erreichten die in Deutschland getesteten Schüler 2025 in Naturwissenschaften im Durchschnitt 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. 2022 waren es 492 in Naturwissenschaften, 480 im Lesen und 475 in Mathematik. "Erneut haben sich die Pisa-Ergebnisse in Deutschland verschlechtert", sagte Co-Autor Francesco Avvisati im Team der PISA-Studie. Immer mehr junge Leute würden mit 15 Jahren noch unter dem Grundkompetenzniveau liegen.
Sie verlieren die Neugier und zunehmend auch den Glauben daran, dass sich Bildung lohnt.
Die Pisa-Studie im Jahr 2000 hatte für Deutschland so schlechte Ergebnisse gezeigt, dass intensive Bildungsreformen begannen - der sogenannte Pisa-Schock. Nach einem Zwischenhoch in den Nullerjahren liegen die Werte jetzt noch niedriger.
PISA-Studie Deutsche Schüler so schlecht wie nie
Die neue PISA-Studie zeigt die schlechtesten Leistungen für Deutschland seit Beginn der Erhebung. Jeder dritte Jugendliche hat Probleme beim Rechnen und Lesen. Gerade die Lesefähi…
PISA-Studie: Zu starke Abhängigkeit vom Elternhaus
Die Pisa-Studie 2025 bestätigt die Erkenntnis, dass in Deutschland der schulische Erfolg stärker als in anderen Ländern vom Elternhaus abhängt. Seit 2015 nimmt diese Kluft sogar wieder zu. "Der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Bildungserfolg ist in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada", sagte Greiff. "In Deutschland sind nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülern leistungsstark. Unter sozial Privilegierten sind es 25 von 100."
Auch die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) möchte schnell in frühkindliche Bildung und Sprache investieren.
Insbesondere die zurückgehende Chancengleichheit je nach sozialer Herkunft empfinde ich als alarmierendes Signal.
Rheinland-Pfalz wolle dies mit einer stärkeren frühkindlichen Bildung, frühen Sprachstandserhebungen, mehr Sprachförderung sowie einem Ausbau der Naturwissenschaften und der Informatik angehen, so Eiling-Hütig.
Kommt das Schulsystem mit?
Zugleich sei die Schülerschaft in den vergangenen Jahren unterschiedlicher geworden, fügte Studienleiter Greiff hinzu. Grund sei nicht nur Zuwanderung. Es gebe stärkere soziale Unterschiede und immer mehr psychosoziale Problemlagen. "Die Trennlinie läuft nicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund, sondern zwischen Jugendlichen aus sozial privilegierten und sozial benachteiligten Familien", sagte der Experte. Viele Staaten schafften es besser als Deutschland, im Bildungswesen "unterschiedliche Voraussetzungen in eine Stärke der Vielfalt umzuwandeln".