Illegaler Müll auf Rekordniveau:

Städte in Rheinland-Pfalz versinken in Abfall

Immer mehr Straßen und Grünflächen in Rheinland-Pfalz werden zugemüllt. Die Städte versinken in Abfall und die Kosten für die Entsorgung steigen. Trotzdem gibt es kaum Lösungen.

Teilen

Stand

Alte Kleidungsstücke, leere Verpackungen und ganze Säcke mit Hausmüll, die Leute achtlos wegwerfen - das ist die Situation in zahlreichen Städten in Rheinland-Pfalz. Einer, der sich daran stört ist Karlheinz Weber aus Bad Dürkheim.

Jeden Morgen dreht er seine Müllrunde. Weber hat dem Abfall auf der Straße den Kampf angesagt. Nicht, weil es sein Beruf wäre. Sondern, weil er den Anblick von Dreck und Unrat auf seinem Weg durch die Stadt einfach nicht mehr ausgehalten hat.

Wir alle leben auf diesem Planeten und der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seinen Lebensraum selbst zerstört. Und da will ich gegenwirken.

Weil ihm das Müllsammeln alleine nicht mehr reicht, hat Weber ein Sammel-Team aufgestellt. Vier Personen, die zusammen gegen den Unrat in der Natur und auf den Straßen angehen. Ab Januar wollen sie regelmäßig "Müllwandern" gehen. Dafür treffen sie sich auf einem Waldparkplatz, gehen gemeinsam einen Wanderweg ab und befreien die Wege vom Müll und kehren danach in eine Hütte ein.

So will Weber laut eigener Aussage seinen dazu Teil beitragen, um den Müll in seiner Stadt und der Umgebung zu reduzieren. Die Leute müssten aufhören zu resignieren, wenn es um den Müll geht, und aktiv dazu beitragen, dass das Problem bekämpft werden kann.

Ich will einfach jetzt, bevor der Sargdeckel draufgeht, in 15 Jahren, dass es hier sauber ist [...]. Mehr brauche ich nicht mehr im Leben.

Kommunen schlagen Alarm

So wie in Bad Dürkheim sieht es vielerorts aus. Zahlreiche rheinland-pfälzische Städte schlagen inzwischen Alarm: Der Anstieg von illegaler Müllentsorgung ist teils dramatisch. In Kaiserslautern haben sich die Ablagerungen von Abfall auf der Straße laut einer Sprecherin in den letzten beiden Jahren mehr als verdreifacht.

Über 4.100 Fälle - mit rund 80 Tonnen illegalem Müll - verzeichnete die Stadt alleine in diesem Jahr. In Neuwied gab es in diesem Jahr bislang 100 Tonnen illegal entsorgte Abfälle. Auch in anderen Städten wie etwa Speyer oder Trier steigen die Zahlen rasant.

Kaum Handhabe auf Seiten der Kommunen

In Trier blickt man mit Sorge auf das wachsende Problem. Alleine in 2025 wurden rund 1.000 Fälle illegaler Müllentsorgung verzeichnet. Tendenz: Jährlich bis zu zehn Prozent Anstieg - ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Stadt führt die Entwicklung laut einem Sprecher darauf zurück, dass "Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein in Teilen der Bevölkerung abnehmen und die Hemmschwelle für illegale Entsorgung weiter sinkt".

Illegal entsorgter wilder Müll
Illegal entsorgter wilder Müll A.R.T. - Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier

Viel Dreck, wenig Personal

Wie begegnet man also der Vermüllung unserer Straßen? Die Entsorgungsbetriebe laufen in jedem Fall heiß. Die Entsorgung der außerplanmäßigen Müllhalden ist arbeitsintensiv und verursacht große Personalkosten. In Kaiserslautern gibt es inzwischen Vollzeit-Angestellte, die sich täglich um den illegalen Müll kümmern.

Und trotzdem ist man nicht überall personell entsprechend aufgestellt. In Speyer konnte man laut Angaben der Stadt in diesem Jahr etwa noch keine Bußgelder gegen Müll-Delinquenten verhängen, da dafür zunächst Stellen in der Verwaltung neu besetzt werden müssten.

Finanzieller Schaden ist immens

Die finanzielle Belastung für die Kommunen ist erheblich: Bad Kreuznach, Speyer, Trier, Neuwied und Kaiserslautern melden allesamt jährliche Kosten im sechsstelligen Bereich. Die Entsorgung ist zeit- und arbeitsintensiv. Arbeit, die an anderer Stelle oft eingespart werden muss. Zu den Personalkosten kommen Mittel für die Geräte, Fahrzeuge und Transport.

Chancen auf Besserung?

Die möglichen Täter sind häufig nicht belangbar. Zu oft finden sich keine Hinweise auf die Verursacher. Theoretisch können empfindliche Bußgelder von bis zu mehreren Tausend Euro verhängt werden. Die Aufklärungsquote ist allerdings gering.

Viele Städte setzten deswegen auf regelmäßige Kontrollen und Prävention durch Öffentlichkeitsarbeit mit verschiedenen Kampagnen. Die Stadt Speyer geht einen anderen Weg. Hier setzt man laut einer Sprecherin auf eine enge Zusammenarbeit mit zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen.

Dazu gehören die Umweltpaten, RhineCleanUp, der Dreck-weg-Tag sowie verschiedenen Stadtteilinitiativen, Angelvereine und Speyerer Unternehmen. Diese tragen aktiv zur Sauberkeit bei und setzen sich intensiv für die Beseitigung von Abfällen ein. Ein Konzept, welches wohl auch in anderen Kommunen einer der wenigen Hoffnungsschimmer im Kampf gegen illegalen Müll zu sein scheint.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!