Das geht aus dem neuen "Krankenhaus Rating Report" des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Der Studie zufolge war die wirtschaftliche Lage der Kliniken 2023 nur noch in Baden-Württemberg schlechter. Dort waren sogar 38 Prozent der Krankenhäuser akut von einer Insolvenz bedroht.
Bundesweit lag die Zahl der akut insolvenzbedrohten Kliniken bei 16 Prozent. "Die wirtschaftliche Lange der Krankenhäuser war noch nie so angespannt", sagt Boris Augurzky, einer der Autoren der Studie.
40 Prozent der Kliniken machten 2023 Verluste
Der Grund für diese Entwicklung: Die Ausgaben der Krankenhäuser sind höher als ihre Einnahmen. In der Folge machen die Häuser Verluste. Je häufiger sie Verluste machen, desto größer die Gefahr einer Insolvenz. Hinzu kommt laut Studie, dass viele Klinken kein finanzielles Polster haben, um die Verluste auszugleichen.
2023 haben der Studie zufolge 40 Prozent der Kliniken Verlust gemacht. Für das abgelaufene Jahr 2024 rechnen die Experten sogar mit 56 Prozent. In Rheinland-Pfalz rechnen die meisten Kliniken selbst für dieses Jahr, also 2025, mit einem Minus, wie die Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz dem SWR mitteilte.
Kleine Krankenhäuser in RLP haben häufiger Finanzprobleme
Dass es den Krankenhäusern finanziell schlecht geht, ist also ein bundesweites Problem. Aber warum liegt die Zahl der akut insolvenzbedrohten Kliniken in Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit 29 Prozent weit über dem Bundesschnitt von 16 Prozent? Das liegt nach Auskunft des RWI-Leibnitz-Instituts daran, dass es in Rheinland-Pfalz und dem Saarland so viele kleine Kliniken gibt.
Vor allem denen machten deutlich gestiegene Behandlungskosten aufgrund der Inflation und gestiegener Lohnkosten zu schaffen, heißt es. Allein in Rheinland-Pfalz sind von den rund 90 Kliniken nach Mitteilung der Krankenhausgesellschaft rund 60 Kliniken kleine Häuser mit weniger als 200 Betten.
Der "Insolvenz-Tsunami" in der Krankenhauslandschaft
Wie real die prognostizierte Insolvenzgefahr der Studie sein kann, hat sich in Rheinland-Pfalz Ende 2024 gezeigt. Nachdem sich das Deutsche Rote Kreuz als Klinikbetreiber zurückgezogen hatte, waren rund elf Prozent der Krankenhäuser tatsächlich in einer Insolvenz. Die Landes-Krankenhausgesellschaft sprach von einem "Insolvenz-Tsunami".
Es geht um die Krankenhäuser in Kirchen, Altenkirchen, Hachenburg, Neuwied und Alzey. Außerdem die Tageskliniken Bad Kreuznach und Worms, die Fachklinik in Bad Neuenahr, das DRK Schmerzzentrum Mainz, sowie die DRK Kamillus Klinik Asbach. Die gute Nachricht: Für die meisten Häuser wurde schon ein neuer Träger gefunden, bei den anderen laufen die Verhandlungen. Bedeutet: Die Krankenhäuser bleiben erhalten.
Krankenhausreform soll Lage der Kliniken verbessern
Für die Finanzierung der Krankenhäuser ist im Wesentlichen der Bund verantwortlich. Er hat Ende vergangenen Jahres eine Krankenhausreform verabschiedet. Diese führt der Studie zufolge dazu, dass die Einnahmen der Krankenhäuser allmählich wieder steigen.
Die Experten rechnen damit, dass die Zahl der Kliniken mit einem Jahresverlust von 56 Prozent im Jahr 2024 wieder sinkt. Und zwar bis zum Jahr 2030 auf unter 30 Prozent. Studienautor Augurzky sagt, "der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung bietet zwar erste Ansatzpunkte für Verbesserungen, doch reicht er bei Weitem nicht aus. Wollen wir die Finanzierung des Gesundheitswesens nachhaltig sichern, muss die Bundesregierung mutiger sein."
Krankenhausreform ist beschlossen FAQ: Das wird sich auch für die Kliniken in RLP ändern
Die umstrittene Krankenhausreform wird kommen. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat zugestimmt. Die Reform sieht auch für die Krankenhäuser in RLP viele Änderungen vor.
Experten: Unterstützung der RLP-Regierung nicht ausreichend
Kritik gib es auch an die Adresse der Bundesländer und damit auch an die rheinland-pfälzische Landesregierung. Die Länder sind für Investitionsausgaben der Krankenhäuser verantwortlich. Etwa für Neubauten, Anbauten, Sanierungen oder neue medizinische Geräte. In der Studie heißt es, das Geld der Länder reiche "nach wie vor nicht aus", um die Unternehmenssubstanz zu erhalten.