"Generationen unter Druck - Krise oder Chance für die Gesellschaft?" war das Thema von Boomer und SWR Demokratieforum-Moderator Michel Friedman. Mit ihm auf dem Podium: der Kabarettist Florian Schroeder, die Generationenforscherin Steffi Burkhart und Ann-Cathrin Simon, stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union.
Vier Generationen, und alle stehen unter Druck: Die Älteren wünschen sich eine sichere Rente, die Jüngeren bezahlbaren Wohnraum und eine Umwelt, die nicht krank macht.
Friedman: "Demokratie ist kein Selbstläufer"
Gemeinsame große Wünsche sind ein Leben in Frieden und Sicherheit. Aber unsere Welt verändert sich gerade radikal: Lügen werden zur Wahrheit, Kriegsbedrohungen sind real, Schuldenberge türmen sich auf und die Demokratie ist bedroht. "Demokratie ist kein Selbstläufer, sie braucht Menschen, die sie leben und gestalten. Menschen aus unterschiedlichen Generationen", sagt Michel Friedman.
In einer Demokratie müssen die Generationen Lösungen finden, die für alle gerecht sind. Doch diskutiert wird zunehmend nicht gemeinsam. Diskurse verlagern sich immer mehr in die sozialen Medien. Alterskohorten bleiben dort dabei weitgehend in eigenen Blasen unter sich. Für die GenZ ist TikTok längst Nummer Eins – ein No Go für viele Ältere, doch Florian Schroeder plädiert für eine "digitale Generationenbrücke": Die Alten sollen lieber mitmischen, statt die Meinungsmache im Digitalen den Populisten zu überlassen.
Das Leistungsversprechen der Gesellschaft gilt nicht mehr
Die Generation Z ist geboren zwischen 1996 und 2010. Das Leben war sorglos, dann kam die soziale Isolation während der Coronapandemie, gefolgt vom Krieg in Europa. Das hat bei den jüngsten Erwachsenen Spuren hinterlassen. Die Shell-Jugendstudie und die Trendstudie "Jugend in Deutschland" kommen zu dem Ergebnis: Die GenZ hat neben der Kriegsangst die Befürchtung, dass das Einkommen kaum zum Leben reichen wird. Die Generationenforscherin Steffi Burkhart ist überzeugt, dass für jüngere Generationen das Leistungsversprechen der Gesellschaft nicht mehr gelte: Arbeit zahle sich nicht mehr aus.
Die Unionspolitikerin Ann-Cathrin Simon, GenerationZ, kennt die Stimmungslage Gleichaltriger: "Junge Menschen sagen: Ich weiß nicht, was mich jetzt noch antreibt für die nächsten Jahrzehnte. Weil: Ich wollte mir eigentlich ein Eigenheim finanzieren, ist faktisch nicht möglich, ich will auf 'ne gute Rente hinarbeiten. Da sagt mir eigentlich jeder schon, kann ich direkt lassen, unser umlagenbasiertes Rentensystem ist dem Bankrott verschrieben."
Friedman: Wo bleibt der Protest?
Die Politik hat 30 Jahre lang Probleme vor sich hergeschoben, so Michel Friedman, von der Rentenproblematik über Versäumnisse beim Umweltschutz, bis hin zum Zustand der Bundeswehr. Viele Gründe, wütend zu sein auf die Politik der Alten - so Michel Friedman. Was er vermisst: Lauten Protest der Jugend. Mit Blick auf Ann-Cathrin Simon und die GenZ sagt er: "Ehrlich gesagt, Sie stören doch eigentlich niemanden. Nicht mal ihre Mutterparteien stören Sie richtig!"