Falsch entsorgt

Brandgefahr durch Akkus: Mülldeponien schlagen Alarm

In Mülldeponien kommt es immer häufiger zu Bränden. Grund sind falsch entsorgte Akkus. Die Entsorgungsbranche in Rheinland-Pfalz schlägt Alarm - und fordert Konsequenzen.

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Von Autor/in Sarah Mauer, Tanja Maurer, Martin Schmitt, Jürgen Wolff, Lars-Henrik Wacker

Erst vor wenigen Wochen hat es bei einer Entsorgungsfirma in Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz) gebrannt. Die Polizei geht davon aus, dass ein falsch entsorgter Akku die Ursache war. Betreiberin der Anlage ist die bundesweit tätige Firma Veolia Umweltservice. Eine Pressesprecherin von Veolia sagt, solche Brände kämen leider häufig vor - nicht nur an Standorten ihres Unternehmens, sondern auch bei anderen Abfallwirtschaftsbetrieben, auf Deponien und in Müllfahrzeugen.

Sind Vapes Schuld an Bränden auf Mülldeponien?

Der Brand in Ochtendung ist laut Veolia vergleichsweise glimpflich ausgegangen, da er in einer Lagerungsbox ausgebrochen war. Dadurch hielten sich die finanziellen Schäden in Grenzen. Aber erst im vergangenen Jahr sei dem Unternehmen durch den Brand einer Lagerhalle in Backnang ein Millionenschaden entstanden. 

Gelbe Tonnen: 130 falsch entsorgte Akkus innerhalb einer Stunde gezählt

Über ähnliche Verluste berichtet auch das Unternehmen Prezero, das sich in vielen Landkreisen in Rheinland-Pfalz auch um die Leerung der gelben Tonnen kümmert. In diese Tonnen geraten oft Akkus und Batterien, weil sie häufig in Produkten aus Plastik vorkommen. 

Prezero hat nach eigenen Angaben getestet, wie viel auf diese Weise falsch entsorgt wird. Dabei zählte das Unternehmen an einem seiner Standorte während einer Stunde 130 Akkus und Batterien, die fälschlicherweise in die fünf großen Sortieranlagen geraten waren.

Trier

Wenn kleine Akkus einen Großbrand auslösen E-Zigaretten: Die unterschätzte Gefahr auf Mülldeponien in der Region

Falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus, etwa in E-Zigaretten, stellen Entsorgungsbetriebe vor große Probleme. Der Abfallverband A.R.T. warnt vor einem enormen Brandrisiko.

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Millionen Euro für den Brandschutz bei Entsorgung

Diese Anlagen kosten laut Prezero etwa 80 bis 85 Millionen Euro. Etwa zehn Prozent des Preises machten inzwischen Brandschutzeinrichtungen und Sicherungsmaßnahmen aus, so ein Sprecher. Denn: "Eine E-Zigarette oder eine Musikkarte mit Knopfzelle können so eine teure Anlage in Schutt und Asche legen." 

Gefahr für Mitarbeitende wegen falsch entsorgter Akkus

Denn viel zu oft landen solche Gegenstände fälschlicherweise im Haus- oder Biomüll bzw. in der gelben Tonne. Dabei stellen gerade Lithium-Ionen-Akkus ein großes Problem dar: Beim Transport im Müllauto können sie leicht beschädigt werden, zum Beispiel durch die Müllpresse. Dabei kann eine Stichflamme entstehen und den restlichen Müll in Brand setzen - für die Mitarbeiter der Müllabfuhr kann das lebensgefährlich werden. 

Veolia berichtet, das sei in Bayern innerhalb von drei Wochen gleich zwei Mal passiert, einmal mitten in einem Wohngebiet. Der brennende Abfall musste auf die Straße gekippt werden, um Schlimmeres zu verhindern. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Aber durch den Ausfall des Fahrzeugs verzögerten sich Abfuhrtermine. Auch wegen solcher Vorfälle testet das Unternehmen inzwischen KI-Lösungen in den Fahrzeugen, die erkennen sollen, ob sich sogenannte Störstoffe im Müll befinden. 

Moderne Recyclinganlagen mit KI

Vereinzelt gibt es auch bereits Sortieranlagen, die mithilfe von KI Akkus und Batterien erkennen. In Ginsheim-Gustavsburg ist vor einigen Wochen eine hochmoderne Recyclinganlage entstanden. Sie recycelt Batterien und trennt die verschiedenen Typen automatisiert voneinander. So auch die potenziell gefährlichen Lithium-Ionen-Akkus, wie sie etwa in E-Zigaretten, Akkuschraubern oder anderen Elektrogeräten im Einsatz sind.

Die Brandschutzanlage im Batterie-Recyclingwerk in Ginsheim-Gustavsburg. Sie überwacht mit Infrarot-Sensoren die Temperaturen in der Halle.
Die Brandschutzanlage im Batterie-Recyclingwerk in Ginsheim-Gustavsburg überwacht mit Infrarot-Sensoren konstant die Temperaturen in der Halle. Saubermacher Recycling GmbH

Das Werk nutzt auch Röntgentechnik, um die Batterien genau zu durchleuchten. Mit einer aufwändigen Brandschutzanlage erkennen die Mitarbeiter in Sekundenschnelle, wenn ein Akku sich erhitzt und zu brennen oder gar zu explodieren droht. "Es ist nicht die Frage, ob es brennt. Es ist die Frage, wann es brennt", so Marco Hastenteufel von der Batterie-Recyclinganlage Ginsheim-Gustavsburg.

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Vapes - "Pest des 21. Jahrhunderts"?

Besonders Einweg-E-Zigaretten sind der Entsorgungsbranche ein Dorn im Auge, weil sie als "Wegwerfprodukte" konzipiert sind, aber einen fest verbauten Lithium-Ionen-Akku haben. Ein Entsorgungsberater des Recycling-Unternehmens Zeller aus dem pfälzischen Schifferstadt spricht sogar von der "Pest des 21. Jahrhunderts". Auch hier brennt es oft, Brandmeldesensoren helfen regelmäßig, Schlimmeres zu verhindern.

Aus Sicht vieler Entsorger fehlt der Anreiz für die Kunden, E-Zigaretten richtig zu entsorgen oder beim Verkäufer zurückzugeben. Ähnlich äußert sich auch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Eine Sprecherin sagte dem SWR, es sei zwar ein guter Schritt, dass die Verkäufer elektrische Einweg-Zigaretten von Juli an wieder zurücknehmen müssten. Dennoch würden auch dann noch viele Vapes im Restmüll landen. Sie wünsche sich daher ein Pfandsystem.

Entsorgungsunternehmer: Am Ende zahlen alle dafür

Das Entsorgungsunternehmen Jakob Becker geht sogar noch weiter: Es fordert ein sofortiges Ende der Einweg-E-Zigaretten - wie in Belgien, Frankreich und Großbritannien. "Man muss sich die langfristigen Folgen anschauen", so Dirk Kehrer vom Entsorgungsunternehmen Jakob Becker. "Am Ende muss es irgendjemand zahlen. Die Umwelt zum Einen, aber auch die wirtschaftlichen Kosten."

Dazu gehört auch, dass die Versicherungsprämien durch die häufigen Brände steigen - gerade für kleinere Unternehmen ein enormes Problem. Woher soll das Geld also kommen? "Entweder über Müllgebühren, die steigen, oder im Betrieb, wenn das Unternehmen am Geld für seine Mitarbeiter sparen muss, um die Kosten nach den Bränden und Investitionen stemmen zu können", befürchtet Dirk Kehrer.

Handel sieht das Problem eher beim Schwarzmarkt

Der Verband des E-Zigarettenhandels weist die Kritik in Teilen zurück. Mehr als die Hälfte der Einweg-Vapes würden auf dem Schwarzmarkt verkauft. Wie der zweite Vorsitzende Michal Dobrajc schildert, gibt es tausende von Verkaufsstellen, die sich schon jetzt nicht an die geltenden Regeln halten. Die Verbandsmitglieder hingegen verkauften diese Produkte ohnehin kaum noch: "Wir versuchen jetzt schon, Raucher von der nachhaltigeren nachfüllbaren E-Zigarette zu überzeugen."

Beim Verkauf von Einweg-Vapes werde zudem stets auf die Abgabe im Laden hingewiesen. Aus seiner Sicht sei es notwendig, den Schwarzmarkt stärker zu bekämpfen, um das Problem zu lösen.

Wird es bald ein Verbot von Vapes geben?

Immerhin: Die Bundesregierung arbeitet gerade an einem Verbot von Einweg-E-Zigaretten, sagt das Bundesumweltministerium. Zu weiteren Details wollte das Ministerium aber noch keine Auskunft geben. Klar ist aber, dass die Bundesregierung handeln muss, denn ab 2027 wird die EU-Batterieverordnung verschärft: Dann dürfen in der ganzen EU nur noch Geräte verkauft werden, deren Akku leicht entfernt oder ausgetauscht werden kann. Ob das dazu führen wird, dass Verbraucher die Geräte richtig entsorgen - bleibt abzuwarten.

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Nach dem Brand bei einer Recyclingfirma in Lustadt mit hohem Schaden vermuten Ermittler, dass eine defekte Batterie oder ein Akku die Ursache war. Es gibt keine Hinweise auf Brandstiftung.

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Bei einem Abfallrecyclingunternehmen in Schifferstadt (Rhein-Pfalz-Kreis) hat am Samstag ein großer Müllberg gebrannt. Wie das Unternehmen mitteilt, könnten beschädigte Lithium-Ionen-Akkus den Brand verursacht haben.

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Autor/in
Sarah Mauer
Foto von Multimediareporterin Sarah Mauer
Tanja Maurer
Tanja Maurer
Martin Schmitt
Martin Schmitt am Mikrofon
Jürgen Wolff
Lars-Henrik Wacker
Multimediareporter Lars Henrik Wacker

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