Die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen: Ende April 2025 kam es in einem Recyclingbetrieb im Trierer Hafen zu einem Großbrand. Die Löscharbeiten zogen sich über zwölf Stunden hin. Inzwischen steht fest: Ursache für das Feuer waren mehrere falsch entsorgte Lithium‑Ionen‑Akkus.
Immer wieder kommt es auch in den Sortier‑ und Aufbereitungsanlagen des kommunalen Abfallverbandes A.R.T. zu Bränden durch falsch entsorgte Akkus. Zuletzt im Januar in der Sortieranlage für Restabfälle in Mertesdorf sowie Anfang April im Entsorgungszentrum in Sehlem.
Die Dinger sind überall drin und man sieht sie nicht.
Die Zahl falsch entsorgter Akkus steigt seit Jahren - und damit auch das Brandrisiko, teilte der Zweckverband dem SWR mit. Problematisch sind häufig fest verbaute Akkus, etwa in E‑Zigaretten oder kleineren Elektrogeräten. "Die Dinger sind überall drin und man sieht sie nicht", sagt A.R.T.‑Chef Maximilian Monzel.
Falsch entsorgt Brandgefahr durch Akkus: Mülldeponien schlagen Alarm
In Mülldeponien kommt es immer häufiger zu Bränden. Grund sind falsch entsorgte Akkus. Die Entsorgungsbranche in Rheinland-Pfalz schlägt Alarm - und fordert Konsequenzen.
Versteckte Akkus im Alltag
Als Beispiel nennt Monzel Geburtstagskarten, die beim Aufklappen ein Lied abspielen und anschließend im Restmüll oder sogar in der Papiertonne landen - obwohl sich darin eine kleine Batterie befindet. Ein weiteres wachsendes Problem seien Einweg‑E‑Zigaretten, sogenannte Vapes.
Einweg‑Vapes als Brandbeschleuniger
Millionenfach gehen die Einweg‑E‑Zigaretten deutschlandweit über die Ladentheke und danach in den Müll - samt eingebauter Lithium‑Ionen‑Batterie. Wird ein solcher Akku etwa in der Sortieranlage in Mertesdorf durch eine Walze beschädigt oder zerkleinert, kann es zur Selbstentzündung kommen. "Da entstehen schnell mal 1.000 Grad", so A.R.T.-Abteilungsleiter Tobias Elsen. Im schlimmsten Fall könne ein Brand zum Totalverlust einer gesamten Sortieranlage führen.
Kurz davor gab es einen ähnlichen Brand in der Westpfalz Lithium-Ionen-Akkus möglicherweise Grund für Großbrand in Schifferstadt
Bei einem Abfallrecyclingunternehmen in Schifferstadt (Rhein-Pfalz-Kreis) hat am Samstag ein großer Müllberg gebrannt. Wie das Unternehmen mitteilt, könnten beschädigte Lithium-Ionen-Akkus den Brand verursacht haben.
Um Brände möglichst früh zu erkennen, kommen in der Sortieranlage in Mertesdorf Wärmbildkameras zum Einsatz. Sie schlagen bei bestimmten Temperaturen Alarm. "Ab 90 Grad wird jeder Mitarbeiter informiert und wir können schnell reagieren", sagt Abteilungsleiter Elsen.
Akkus lassen sich kaum aussortieren
Mehrere hundert Tonnen Restmüll aus der Region Trier werden im Entsorgungs‑ und Verwertungszentrum Mertesdorf sortiert. Möglichkeiten, Lithium‑Ionen‑Akkus bereits in der Vorsortierung zuverlässig zu erkennen, gibt es derzeit nicht. "Nach dem aktuellen Stand der Technik existieren keine Systeme, die alle Akkus erfassen und aussortieren können. Ziel muss es sein, dass solche Akkus gar nicht erst in der Restmülltonne landen", so Elsen.
Rücknahmepflicht für E-Zigaretten ab Juli
An den Wertstoffhöfen werden kostenfreie Batteriesammelboxen ausgegeben. Dort können die Batterien auch kostenlos abgegeben werden. Ab Juli sind zudem Kioske und Tankstellen verpflichtet, E‑Zigaretten zurückzunehmen.
Einige Experten fordern ein Pfandsystem auf Geräte mit Akkus. Grundsätzlich sei das sinnvoll, betont der A.R.T. - vorausgesetzt, es gebe einen spürbaren finanziellen Anreiz. Sprich: Das Pfand müsste hoch genug sein, damit es sich lohnt, die alte E‑Zigarette zurückzugeben.
Händler begrüßen Rücknahmepflicht
Und was sagen die Händler von E-Zigaretten dazu? Michal Dobrajc betreibt in der Trierer Gartenfeldstraße einen Fachgeschäft für E‑Zigaretten. Er ist zudem 2. Vorsitzender des Verbands des eZigarettenhandels. Die Rücknahmeregelung ab dem 1. Juli begrüßt er. In seinem Laden nehme er schon jetzt gebrauchte E‑Zigaretten zurück und weise seine Kunden darauf hin, solche Geräte nicht im Hausmüll zu entsorgen.
Großer Schwarzmarkt erschwert Pfandsystem
Ein Pfandsystem sei jedoch nur dann sinnvoll, wenn es flächendeckend greife. Das Problem: Ein großer Teil der Einweg‑E‑Zigaretten werde laut Dobrajc über den Schwarzmarkt vertrieben - illegale Anbieter würden ein Pfandsystem ohnehin umgehen.
Unabhängig davon, ob Pfandsystem oder Rücknahmepflicht: Für den Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier ist vor allem eines entscheidend: Die richtige Entsorgung von Akkus. Denn achtlos in den Restmüll geworfene Lithium‑Ionen‑Akkus bedeuten ein unkalkulierbares Brandrisiko.