Bei Roman Schmitgal sind die Wildschweine in den vergangenen Wochen zu Stammgästen geworden. Der Idar-Obersteiner zeigt ein Video. Darin ist zu sehen, wie eine Bache in den Morgenstunden mit ihren Frischlingen direkt vor seiner Haustür nach Nahrung sucht. "Dieses Jahr ist es wirklich viel extremer als letztes Jahr", sagt Schmitgal.
Vom Balkon aus könne er sogar beobachten, wie die Tiere teilweise auf der Straße unterwegs seien. Das bereite ihm Sorgen, vor allem wenn er mit seiner Tochter mit dem Fahrrad unterwegs sei.
Wildschweine in heimischen Gärten in Idar-Oberstein
Auch der Idar-Obersteiner CDU-Kommunalpolitiker und Jäger Frederik Grüneberg kennt die Problematik aus eigener Erfahrung. Immer wieder würden Wildschweine seinen Garten umgraben, erzählt er.
Zuletzt habe seine Frau morgens nur kurz mit dem Hund hinausgehen wollen. "Und dann habe ich nur gehört, wie meine Frau die Terrassentür nochmal schnell zugeschlagen hat und hat gesagt, die Sauen stehen auf der Terrasse." Zwölf Stück seien es gewesen.
Gärten in Idar-Oberstein als "Buffet"
Für den Idar-Obersteiner Revierförster Christian Sanders ist es nicht verwunderlich, dass die Tiere in die Siedlungen strömen. In den vergangenen Jahren habe sich die Population stark vergrößert, weil der Wald voll mit Eicheln und Bucheckern war.
Wegen der Dürre in den vergangenen Wochen sei das aktuell nicht mehr so. Viele Gärten würden den Wildschweinen dagegen ein leicht zugängliches Nahrungsangebot bieten. Regenwürmer im Boden oder ein Komposthaufen seien für die Tiere "wie ein Buffet", erzählt er.
Wie man Gärten besser vor Wildschweinen schützen kann
Ein Lösungsansatz sei, dieses "Buffet" möglichst abräumen, so Sanders. Fallobst solle regelmäßig eingesammelt, Komposthaufen gesichert und Gärten so weniger attraktiv für Wildschweine gestaltet werden.
Jagd in Stadt nur unter strengen Auflagen
Auch die Jagd im Ort kann ein Ansatz sein. Sie ist allerdings nur unter sehr strengen Auflagen und mit einer Sondergenehmigung möglich, sagt der Wildbiologe von der Forschungsanstalt für Waldökologie, Ulf Hohmann. "Das hat dann so einen Verdrängungseffekt, dass die Tiere dann merken, okay, hier werden sie geschossen."
Einzelne Tiere würden entnommen, der Rest der Gruppe meide diese Bereiche dann. "Das geht auch", sagt Hohmann, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. Wildschweine seien sehr intelligent: "Die kommen dann unter Umständen einfach beim Nachbargrundstück vorbei oder einfach fünf Wochen später wieder."
Grundsätzlich seien Wildschweine nicht darauf aus, Menschen anzugreifen, betont der Wildbiologe. Trotzdem müsse das Problem ernsthaft angegangen werden – auch um zu verhindern, dass sich die Tiere immer stärker an den Menschen gewöhnen und ihre Scheu verlieren.
Man sehe in Berlin bereits, wohin die Entwicklung gehen könne: Dort gehören Wildschweine mittlerweile zum Stadtbild und suchten etwa in Parks und Grünanlagen nach Futter.
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Stadt will mit Wildschwein-Taskforce unterstützen
Die Stadt Idar-Oberstein will nun reagieren und eine Taskforce gründen. Dabei sollen Lösungen für das Problem erarbeitet werden. Ziel sei es unter anderem, Anwohner zu beraten, wie sie ihre Grundstücke besser schützen können, sagt Frederik Grüneberg (CDU).
Er will selbst mit gutem Beispiel vorangehen: "Auch ich persönlich hab da noch einiges nachzuholen, was den Zaun rund um mein Grundstück angeht."