Schwarzwild in Wohngebieten

Verwüstete Gärten: Idar-Oberstein ruft Wildschwein-Taskforce ins Leben

Immer häufiger stehen Wildschweine direkt vor Haustüren in Idar-Oberstein und suchen nach Nahrung. Anwohner sind verunsichert. Doch wie lässt sich das Problem lösen?

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Von Autor/in Maximilian Storr

Bei Roman Schmitgal sind die Wildschweine in den vergangenen Wochen zu Stammgästen geworden. Der Idar-Obersteiner zeigt ein Video. Darin ist zu sehen, wie eine Bache in den Morgenstunden mit ihren Frischlingen direkt vor seiner Haustür nach Nahrung sucht. "Dieses Jahr ist es wirklich viel extremer als letztes Jahr", sagt Schmitgal.

Vom Balkon aus könne er sogar beobachten, wie die Tiere teilweise auf der Straße unterwegs seien. Das bereite ihm Sorgen, vor allem wenn er mit seiner Tochter mit dem Fahrrad unterwegs sei.

Wildschweine in heimischen Gärten in Idar-Oberstein

Auch der Idar-Obersteiner CDU-Kommunalpolitiker und Jäger Frederik Grüneberg kennt die Problematik aus eigener Erfahrung. Immer wieder würden Wildschweine seinen Garten umgraben, erzählt er.

Zuletzt habe seine Frau morgens nur kurz mit dem Hund hinausgehen wollen. "Und dann habe ich nur gehört, wie meine Frau die Terrassentür nochmal schnell zugeschlagen hat und hat gesagt, die Sauen stehen auf der Terrasse." Zwölf Stück seien es gewesen.

Auch CDU-Stadtratsmitglied Frederik Grüneberg hat Probleme mit Wildschweinen, die ihm den Garten umgraben.
Auch CDU-Stadtratsmitglied Frederik Grüneberg hat Probleme mit Wildschweinen, die ihm den Garten umgraben. Max Storr

Gärten in Idar-Oberstein als "Buffet"

Für den Idar-Obersteiner Revierförster Christian Sanders ist es nicht verwunderlich, dass die Tiere in die Siedlungen strömen. In den vergangenen Jahren habe sich die Population stark vergrößert, weil der Wald voll mit Eicheln und Bucheckern war.

Wegen der Dürre in den vergangenen Wochen sei das aktuell nicht mehr so. Viele Gärten würden den Wildschweinen dagegen ein leicht zugängliches Nahrungsangebot bieten. Regenwürmer im Boden oder ein Komposthaufen seien für die Tiere "wie ein Buffet", erzählt er.

In Idar-Oberstein drängen immer mehr Wildschweine in Wohngebiete
Christian Sanders ist Förster in Idar-Oberstein. Er sagt, dass viele Gärten für Wildschweine ein willkommenes Buffet sind. Max Storr

Wie man Gärten besser vor Wildschweinen schützen kann

Ein Lösungsansatz sei, dieses "Buffet" möglichst abräumen, so Sanders. Fallobst solle regelmäßig eingesammelt, Komposthaufen gesichert und Gärten so weniger attraktiv für Wildschweine gestaltet werden.

Jagd in Stadt nur unter strengen Auflagen

Auch die Jagd im Ort kann ein Ansatz sein. Sie ist allerdings nur unter sehr strengen Auflagen und mit einer Sondergenehmigung möglich, sagt der Wildbiologe von der Forschungsanstalt für Waldökologie, Ulf Hohmann. "Das hat dann so einen Verdrängungseffekt, dass die Tiere dann merken, okay, hier werden sie geschossen."

Einzelne Tiere würden entnommen, der Rest der Gruppe meide diese Bereiche dann. "Das geht auch", sagt Hohmann, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. Wildschweine seien sehr intelligent: "Die kommen dann unter Umständen einfach beim Nachbargrundstück vorbei oder einfach fünf Wochen später wieder."

Grundsätzlich seien Wildschweine nicht darauf aus, Menschen anzugreifen, betont der Wildbiologe. Trotzdem müsse das Problem ernsthaft angegangen werden – auch um zu verhindern, dass sich die Tiere immer stärker an den Menschen gewöhnen und ihre Scheu verlieren.

Man sehe in Berlin bereits, wohin die Entwicklung gehen könne: Dort gehören Wildschweine mittlerweile zum Stadtbild und suchten etwa in Parks und Grünanlagen nach Futter.

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Stadt will mit Wildschwein-Taskforce unterstützen

Die Stadt Idar-Oberstein will nun reagieren und eine Taskforce gründen. Dabei sollen Lösungen für das Problem erarbeitet werden. Ziel sei es unter anderem, Anwohner zu beraten, wie sie ihre Grundstücke besser schützen können, sagt Frederik Grüneberg (CDU).

Er will selbst mit gutem Beispiel vorangehen: "Auch ich persönlich hab da noch einiges nachzuholen, was den Zaun rund um mein Grundstück angeht."

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