Stolperfallen und gefährliche Situationen

Blinde Menschen sind am Trierer Bahnhof völlig verloren

Keine Markierung im Boden, keine akustischen Signale: Für blinde und sehbehinderte Menschen ist der Trierer Hauptbahnhof eine einzige Stolperfalle. Verbesserung ist nicht in Sicht.

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Von Autor/in Nicole Mertes

Wer als sehender Mensch am Trierer Busbahnhof unterwegs ist, für den ist es wegen der monatelangen Baustelle und ständig wechselnden Absperrungen schon schwierig genug, sich zurechtzufinden. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist es gefährlich bis unmöglich, zu einer Haltestelle zu kommen. Auch der Hauptbahnhof Trier bietet vor allem Hindernisse und Stolperfallen. Blinde Menschen fordern, dass sich etwas ändert.

Marion Palm-Stalp und Maximilian Staudt in der Eingangshalle des Trierer Hauptbahnhofs. Ein Leitsystem für blinde Menschen fehlt hier.
Marion Palm-Stalp und Maximilian Staudt sind blind und würden gerne daran mitarbeiten, dass der Trierer Hauptbahnhof auch für blinde Menschen barrierefrei wird.

Ein selbstbestimmtes Leben ist hier vollkommen unmöglich

Marion Palm-Stalp kommt trotz starker Sehbehinderung im Alltag gut zurecht. Doch am Busbahnhof und am Hauptbahnhof Trier packt sie ihren Blindenstock aus. Hier ist es für sie gefährlich und sie hat auch Angst.

Sie empfindet die Situation als grauenvoll, sagt sie. "Ein selbstbestimmtes Leben, ohne dass man eine Begleitperson dabei hat, um hier von A nach B zu kommen, wenn man nicht ein gewisses Restsehvermögen hat, ist für einen blinden Menschen vollkommen unmöglich." Es gebe viele Stolperfallen.

Im Trierer Hauptbahnhof ist dieser Strommast für blinde Menschen nicht markiert.
Und plötzlich steht da auf dem Weg zum Gleis ein Strommast - am Hauptbahnhof Trier ist diese gefährliche Stelle für blinde Menschen überhaupt nicht markiert. Bild in Detailansicht öffnen
Die automatische Tür zur Eingangshalle am Hauptbahnhof Trier ist für blinde Menschen gefährlich, denn sie hat kein akustisches Signal.
Wenn man blind ist, kann einem am Hauptbahnhof Trier plötzlich die automatische Tür ins Gesicht schlagen. Sie hat gar kein akustisches Warnsignal für Blinde. Bild in Detailansicht öffnen
Ein weißer Streifen auf dem Plaster am Bahngleis im Bahnhof Trier - blinden Menschen hilft das nicht, denn er ist nicht ertastbar.
Im Trier Bahnhof fehlt fast komplett ein Leitsystem für Blinde. An einem Gleis gibt es nur einen weißen Streifen. Er ist mit dem Blindenstock nicht ertastbar und nur für Sehende erkennbar. Bild in Detailansicht öffnen
Im Hauptbahnhof Trier stehen viele graue Pfeiler - eine schlimme Stolperfalle für blinde Menschen.
Wer im Hauptbahnhof Trier als blinder Mensch unterwegs ist, stößt leicht gegen einen der vielen grauen Pfeiler, die vollkommen unmarkiert im Weg stehen. Bild in Detailansicht öffnen
Im Hauptbahnhof Trier ist das Blindenleitsystem lückenhaft und veraltet.
An einigen Stellen im Hauptbahnhof Trier gibt es ein veraltetes Blindenleitsystem. Es entspricht nicht den aktuellen Anforderungen, ist mit dem Blindenstock kaum zu ertasten und endet plötzlich. Bild in Detailansicht öffnen
Offenstehende Schließfächer am Trierer Hauptbahnhof - eine Gefahrenstelle für blinde Menschen
Achtlos offengelassene Schließfächer am Hauptbahnhof Trier sind für blinde Menschen eine Gefahr. Schnell schlägt man mit dem Kopf dagegen. Bild in Detailansicht öffnen

Viele graue Pfeiler, graue Mülleimer, sogar graue Strommasten stehen auf dem Weg von der Eingangshalle zum Gleis - sie sind nicht kontrastreich markiert, es gibt kein Leitsystem im Boden, das ein blinder Mensch mit dem Stock ertasten könnte. An einer Stelle steht man sogar unvermutet vor dem offenen Gleisbett. Nur an wenigen Stellen gibt es ein veraltetes Blindenleitsystem, das aber kaum zu ertasten ist und nicht dem aktuellen Standard entspricht.

Am Bahngleis ist es im Trierer Hauptbahnhof für blinde Menschen gefährlich. Die Markierung ist veraltet und mit dem Blindenstock kaum wahrnehmbar.
Nur an wenigen Stellen gibt es am Trierer Bahnhof im Pflaster Orientierung für blinde Menschen. Doch die Markierung ist veraltet und entspricht nicht dem aktuellen Standard. Sie ist kaum zu ertasten.

Gefährliche Situationen am Trierer Busbahnhof

Am Trierer Busbahnhof ist es fast noch schlimmer. Maximilian Staudt muss dort täglich umsteigen. Wegen der Großbaustelle am Bahnhof ändere sich ständig die Situation. Absperrungen werden umgestellt, Schilder stehen im Weg, hohe Bordsteinkanten sind Stolperfallen. Einige Bürgersteige enden ohne Vorwarnung und man steht plötzlich auf der Straße, sagt Staudt. Wer zu einer der Ersatzhaltestellen will, muss eine zweispurige Straße überqueren. Lebensgefahr für einen blinden Menschen.

Wer blind ist, hat am Trierer Busbahnhof keine Chance, sich zurechtzufinden.
Seit Monaten laufen am Trierer Busbahnhof Bauarbeiten. Doch es wurde bisher nichts unternommen, um die Situation für blinde Menschen zu verbessern.

Manchmal verlasse ich mich einfach auf mein Glück

Die Stadt müsste schon mal was unternehmen, sagt Maximilian Staudt, sei es nur durch einen Behelfszebrastreifen oder modulare, taktile Steine, akustische Signale. "Manchmal verlasse ich mich einfach auf mein Glück, wenn ich hier am Busbahnhof unterwegs bin", sagt er. Er hat es auch schon erlebt, dass Passanten ihm helfen, wenn sie merken, dass er blind ist. Er trägt eine Anstecknadel mit dem Blindensymbol.

Briefe an Stadtwerke und Deutsche Bahn

Maximilian Staudt engagiert sich im Behindertenbeirat der Stadt Trier. Staudt hat schon viele Briefe geschrieben und die mangelnde Barrierefreiheit kritisiert. Er hat auch Verbesserungsvorschläge gemacht. Jetzt hofft Staudt, dass die bevorstehende Sanierung den Trierer Hauptbahnhof barrierefrei macht, auch für blinde Menschen. Doch in den Antworten werde er von der Bahn nur vertröstet. Die Stadtwerke Trier entschuldigen sich zwar für die Unannehmlichkeiten am Busbahnhof, verbessert werde aber nichts, sagte Maximilian Staudt.

Es ist traurig für diese Stadt, dass bisher nicht reagiert worden ist

Auch Marion Palm-Stalp ärgert sich. Die Bauarbeiten am Trierer Busbahnhof seien sicher langfristig geplant. Der Behindertenbeirat und Pro Retina böten überall ihre Expertise an, würden gerne die Stadt und die Bahn unterstützen. Warum werden blinde Menschen nicht mit einbezogen, fragt sie sich?

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Probleme auch an anderen Bahnhöfen der Region Trier

Dirk Zwang, der Vorsitzende des Verbandes für Blinde und Sehbehinderte Trier, macht auch in Wittlich schlechte Erfahrungen. Das Leitsystem für Blinde hört an mehreren Stellen im Bahnhof Wittlich-Wengerohr plötzlich auf, akustische Signale funktionieren nicht. Auch die Fahrkartenschalter sind nicht blindengerecht, für die Behindertentoilette fehlt der Schlüssel. Er hatte schon mehrere Gespräche mit der Wittlicher Stadtverwaltung und kritisiert auch die Zustände am Busbahnhof Wittlich.

Die Fahrkartenautomaten am Trierer Hauptbahnhof sind für blinde Menschen nicht nutzbar. Sie haben keine akustischen Buchungsvarianten.
Wer blind ist kann an den Automaten am Trierer Bahnhof keine Fahrkarte kaufen. Laut einem neuen Gesetz müssen Dienstleistungen wie Fahrkartenautomaten oder Apps aber barrierefrei sein.

Gesetz für mehr Barrierefreiheit tritt in Kraft

An diesem Wochenende tritt in Deutschland das Gesetz zur Stärkung der Barrierefreiheit in Kraft. Das Gesetz betrifft vor allem digitale Dienstleistungen, Onlineshops, Bankautomaten und auch Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen und Apps zum Fahrkartenverkauf.

Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal

Es komme jetzt darauf an, das Gesetz auch umzusetzen, sagt Christiane Möller vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. "13 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Behinderung und sind auch Kundinnen und Kunden. Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal." Man müsse dabei auch an die ständig wachsende Gruppe der Menschen über 60 denken.

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Bahnhöfe mit mehr Barrierefreiheit

Für den Bahnhof Trier gäbe es genügend Vorbilder, wie man es besser machen könnte, sagt Marion Palm-Stalp. In Nordrhein-Westfalen sei man oft weiter, zum Beispiel am Bahnhof Paderborn. Maximilian Staudt lobt den Bahnhof in Marburg, dort sei auch die ganze Stadt schon weiter mit der Barrierefreiheit. Wenn die bevorstehende Sanierung des Trierer Hauptbahnhofs dazu genutzt würde, ihn zum vorbildlich barrierefreien Bahnhof zu machen, fände er das toll. "Man muss ja auch mal träumen können", sagt er.

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