Wer als sehender Mensch am Trierer Busbahnhof unterwegs ist, für den ist es wegen der monatelangen Baustelle und ständig wechselnden Absperrungen schon schwierig genug, sich zurechtzufinden. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist es gefährlich bis unmöglich, zu einer Haltestelle zu kommen. Auch der Hauptbahnhof Trier bietet vor allem Hindernisse und Stolperfallen. Blinde Menschen fordern, dass sich etwas ändert.
Ein selbstbestimmtes Leben ist hier vollkommen unmöglich
Marion Palm-Stalp kommt trotz starker Sehbehinderung im Alltag gut zurecht. Doch am Busbahnhof und am Hauptbahnhof Trier packt sie ihren Blindenstock aus. Hier ist es für sie gefährlich und sie hat auch Angst.
Sie empfindet die Situation als grauenvoll, sagt sie. "Ein selbstbestimmtes Leben, ohne dass man eine Begleitperson dabei hat, um hier von A nach B zu kommen, wenn man nicht ein gewisses Restsehvermögen hat, ist für einen blinden Menschen vollkommen unmöglich." Es gebe viele Stolperfallen.
Viele graue Pfeiler, graue Mülleimer, sogar graue Strommasten stehen auf dem Weg von der Eingangshalle zum Gleis - sie sind nicht kontrastreich markiert, es gibt kein Leitsystem im Boden, das ein blinder Mensch mit dem Stock ertasten könnte. An einer Stelle steht man sogar unvermutet vor dem offenen Gleisbett. Nur an wenigen Stellen gibt es ein veraltetes Blindenleitsystem, das aber kaum zu ertasten ist und nicht dem aktuellen Standard entspricht.
Gefährliche Situationen am Trierer Busbahnhof
Am Trierer Busbahnhof ist es fast noch schlimmer. Maximilian Staudt muss dort täglich umsteigen. Wegen der Großbaustelle am Bahnhof ändere sich ständig die Situation. Absperrungen werden umgestellt, Schilder stehen im Weg, hohe Bordsteinkanten sind Stolperfallen. Einige Bürgersteige enden ohne Vorwarnung und man steht plötzlich auf der Straße, sagt Staudt. Wer zu einer der Ersatzhaltestellen will, muss eine zweispurige Straße überqueren. Lebensgefahr für einen blinden Menschen.
Manchmal verlasse ich mich einfach auf mein Glück
Die Stadt müsste schon mal was unternehmen, sagt Maximilian Staudt, sei es nur durch einen Behelfszebrastreifen oder modulare, taktile Steine, akustische Signale. "Manchmal verlasse ich mich einfach auf mein Glück, wenn ich hier am Busbahnhof unterwegs bin", sagt er. Er hat es auch schon erlebt, dass Passanten ihm helfen, wenn sie merken, dass er blind ist. Er trägt eine Anstecknadel mit dem Blindensymbol.
Briefe an Stadtwerke und Deutsche Bahn
Maximilian Staudt engagiert sich im Behindertenbeirat der Stadt Trier. Staudt hat schon viele Briefe geschrieben und die mangelnde Barrierefreiheit kritisiert. Er hat auch Verbesserungsvorschläge gemacht. Jetzt hofft Staudt, dass die bevorstehende Sanierung den Trierer Hauptbahnhof barrierefrei macht, auch für blinde Menschen. Doch in den Antworten werde er von der Bahn nur vertröstet. Die Stadtwerke Trier entschuldigen sich zwar für die Unannehmlichkeiten am Busbahnhof, verbessert werde aber nichts, sagte Maximilian Staudt.
Es ist traurig für diese Stadt, dass bisher nicht reagiert worden ist
Auch Marion Palm-Stalp ärgert sich. Die Bauarbeiten am Trierer Busbahnhof seien sicher langfristig geplant. Der Behindertenbeirat und Pro Retina böten überall ihre Expertise an, würden gerne die Stadt und die Bahn unterstützen. Warum werden blinde Menschen nicht mit einbezogen, fragt sie sich?
36 Bahnhöfe in Baden-Württemberg umgestaltet Mehr Barrierefreiheit: Stadtbahnhof Friedrichshafen ist nun modernisiert
36 Bahnhöfe in Baden-Württemberg sind in den vergangenen Jahren umgestaltet worden. Am Stadtbahnhof in Friedrichshafen hat dieses erste große Modernisierungsprogramm nun seinen Abschluss gefunden.
Probleme auch an anderen Bahnhöfen der Region Trier
Dirk Zwang, der Vorsitzende des Verbandes für Blinde und Sehbehinderte Trier, macht auch in Wittlich schlechte Erfahrungen. Das Leitsystem für Blinde hört an mehreren Stellen im Bahnhof Wittlich-Wengerohr plötzlich auf, akustische Signale funktionieren nicht. Auch die Fahrkartenschalter sind nicht blindengerecht, für die Behindertentoilette fehlt der Schlüssel. Er hatte schon mehrere Gespräche mit der Wittlicher Stadtverwaltung und kritisiert auch die Zustände am Busbahnhof Wittlich.
Gesetz für mehr Barrierefreiheit tritt in Kraft
An diesem Wochenende tritt in Deutschland das Gesetz zur Stärkung der Barrierefreiheit in Kraft. Das Gesetz betrifft vor allem digitale Dienstleistungen, Onlineshops, Bankautomaten und auch Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen und Apps zum Fahrkartenverkauf.
Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal
Es komme jetzt darauf an, das Gesetz auch umzusetzen, sagt Christiane Möller vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. "13 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Behinderung und sind auch Kundinnen und Kunden. Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal." Man müsse dabei auch an die ständig wachsende Gruppe der Menschen über 60 denken.
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Bahnhöfe mit mehr Barrierefreiheit
Für den Bahnhof Trier gäbe es genügend Vorbilder, wie man es besser machen könnte, sagt Marion Palm-Stalp. In Nordrhein-Westfalen sei man oft weiter, zum Beispiel am Bahnhof Paderborn. Maximilian Staudt lobt den Bahnhof in Marburg, dort sei auch die ganze Stadt schon weiter mit der Barrierefreiheit. Wenn die bevorstehende Sanierung des Trierer Hauptbahnhofs dazu genutzt würde, ihn zum vorbildlich barrierefreien Bahnhof zu machen, fände er das toll. "Man muss ja auch mal träumen können", sagt er.