Woche der Inklusion

Blind-Cooking in Trier: Menschen mit und ohne Sehbehinderung kochen zusammen

Zum ersten Mal veranstaltet das Bistum Trier eine Woche der Inklusion. Am 2. Mai gibt es eine inklusive Blind-Cooking-Aktion. Menschen mit und ohne Behinderung kochen gemeinsam.

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Von Autor/in Nicole Mertes

Für viele Menschen, die sehen können, ist es schwer vorstellbar: blind sein und kochen. Für Dirk Zwang ist es inzwischen ganz normal. Der gelernte Koch wurde im Alter von 36 Jahren blind. Anfangs stürzte ihn das in eine tiefe Krise, sagt er. Doch er habe gelernt, damit klar zu kommen. Er engagiert sich im Verband für Blinde und Sehbehinderte und möchte auch beim Blind-Cooking mitmachen.

Beim Kochen geht ganz viel übers Fühlen

Auch Marion Palm-Stalp kocht gerne und freut sich schon auf das Blind-Cooking. Sie engagiert sich beim Verein Pro Retina und kann selbst nur noch wenig sehen. Sie sagt, sie kann beim Kochen gut entspannen. In der Küche müsse natürlich alles an seinem Ort stehen, zum Beispiel im Gewürzregal. Es gebe auch Hilfsmittel wie eine sprechende Waage. Meist koche sie aber gar nicht nach Rezepten, sondern spontan. "Beim Kochen geht ganz viel übers Fühlen", sagt sie. Beim Blind-Cooking könnten das Sehende auch mal ganz gut ausprobieren.

Marion Palm-Stalp und Kathrin Schmitt im Studio der Trierer Tonpost.
Marion Palm-Stalp und Kathrin Schmitt im Studio der Trierer Tonpost. Hier kam die Idee auf, zusammen mit Foodsharing ein Blind Cooking für sehende und blinde Menschen während der Woche der Inklusion zu veranstalten. Nicole Mertes

Wie die Idee zum Blind Cooking entstanden ist

Die Trierer Tonpost ist für viele Menschen mit Sehbehinderung eine gute Möglichkeit, auf dem Laufenden zu bleiben. Eine beliebte Rubrik in der akustischen Zeitung sind die Rezepte. Im Tonstudio des Bistums Trier wird auch die Zeitung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes vertont. Mitarbeitende der Tonpost sind auch bei der Initiative "Foodsharing" gegen die Verschwendung von Lebensmitteln aktiv. So kam die Idee auf, gemeinsam mit geretteten Lebensmitteln zu kochen. Während der ersten Woche der Inklusion des Bistums Trier hat das "Blind Cooking" Premiere.

Zu Hause in seiner Küche hat Dirk Zwang die Gefäße für die Gewürze mit Blindenschrift markiert. Er kocht gerne. "Was man einmal gelernt hat, verlernt man ja nicht, wenn man blind wird", sagt er. Zum Beispiel schneiden. Er zeigt, wie er mit einer Hand ein Gemüsestück hält, und mit der anderen mit dem Messer Stücke abschneidet. Früher, in seiner Kochausbildung, habe er auch gelernt, zu schneiden, ohne hingucken zu müssen. Auf das Blind-Cooking freut er sich. "Ich war direkt Feuer und Flamme", sagt er.

Wenn man erblindet, entwickeln sich ganz andere Sinne

Nach seiner Erblindung musste er erst wieder lernen, in der Küche zurechtzukommen. Er sagt, er habe während der Umschulung gelernt, sich wieder selbst ein Brot zu schmieren. Doch dann habe ihn der Ehrgeiz gepackt und er habe ganz allein eine Schwarzwälderkirschtorte gebacken. Eines seiner Lieblingsgerichte sind Kartoffelpuffer, schwärmt er. Seine Mutter, von der er viel übers Kochen und Würzen mit frischen Kräutern gelernt habe, habe das Rezept verfeinert. "Wenn man erblindet, entwickeln sich ganz andere Sinne", sagt er. Sein Geruchs- und Geschmackssinn seien stärker geworden.

Aktion für mehr Inklusion

Das Blind-Cooking soll Spaß machen, Menschen zusammenbringen und auch auf die Situation von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen, sagt Dirk Zwang. Er wünsche sich, dass die Bevölkerung sensibilisiert werde und erkenne, was Menschen mit Behinderung bewerkstelligen könnten, wenn man ihnen nur die Möglichkeit dazu gebe. Beim Thema Inklusion sei noch ganz viel Luft nach oben, sagt Marion Palm-Stalp von Pro Retina, sie wünscht sich mehr solche Aktionen wie das Blind Cooking.

Wie das Blind Cooking abläuft

Foodsharing-Aktivisten aus Trier retten für das Blind-Cooking Lebensmittel, die Supermärkte sonst wegwerfen würden. Das könne zum Beispiel ein Sack Kartoffeln sein, in dem zwei Kartoffeln nicht mehr gut waren. Einige Betriebe arbeiten dabei mit der Initiative Foodsharing zusammen.

In solchen Fairteilerschränken werden frische Lebensmittel deponiert, die Foodsharing zuvor gerettet hat.
Solche Fairteilerschränke stehen an mehreren Stellen in Trier, wie hier an der Herz-Jesu-Kirche in Trier-Süd. Foodsharing verteilt darin Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden. Spender sind Betriebe wie Supermärkte in der Stadt.

"Es wird eine Überraschungskiste", sagt Kathrin Schmitt, die bei der Trierer Tonpost arbeitet und auch Foodsharing-Botschafterin ist. Was dann gemeinsam in der Küche der Herz-Jesu Kirche gekocht wird, stellt sich an dem Abend spontan heraus. Jeder, der mitmacht, kann sich mit seinen Fähigkeiten einbringen. Am Ende wird gemeinsam gegessen.

Es geht um mehr als eine Aktion

Das Blind-Cooking ist nur ein Mosaikstein des vielseitigen Engagements für mehr Inklusion von Dirk Zwang. Im Verband der Blinden und Sehbehinderten setzt er sich dafür ein, Barrieren im Alltag abzubauen. Denn in ihrer Freizeit hätten viele Menschen mit Behinderung vor allem das Problem, wie sie hinkämen und wieder zurück nachhause. Meist sei man darauf angewiesen, dass einen jemand begleite, sagt er. Auch im Berufsleben hätten es Menschen mit Behinderung noch immer schwerer als andere, weil man voreingenommen sei und ihnen oft keine Chance gebe. Dazu kämen oft bürokratische Hürden.

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Beispiele für Inklusion im Alltag

Voller Begeisterung erzählt Dirk Zwang von Bushaltestellen nach dem drei Sinne Prinzip, die es zum Beispiel in der Stadt Soest gibt. Die Haltestelle ist akustisch, taktil und visuell, also für Ohren, Hände und Augen ausgestattet. Die Stadt Soest habe auch ihren gesamten Stadtplan für eine App kartieren lassen, bis auf 15 Zentimeter genau könne man sich im öffentlichen Raum mit dem Smartphone leiten lassen, auch in Behörden. Im öffentlichen Nahverkehr werde einem akustisch die Haltestelle angesagt, an der man aussteigen wolle. Er ist im Gespräch mit Kommunalpolitikern der Region Trier, um so etwas auch hier umzusetzen.

Wie man beim Blind-Cooking mitmachen kann

Das Blind Cooking, zu dem Trierische Tonpost, der Verband der Blinden und Sehbehinderten Trier und Foodsharing Trier einladen, findet am 2. Mai ab 18 Uhr in der Küche der Kirche Herz-Jesu in der Friedrich-Wilhelm-Straße in Trier statt. Die Aktion ist für Teilnehmende kostenlos. Anmelden kann man sich bis zum 30. April unter tonpost@bistum-trier.de oder unter der Telefonnummer 0651-7105430.