Das inklusive Ensemble des com.guck Theaters Trier probt gerade im kleinen Saal des Kulturzentrums Tuchfabrik in Trier für die nächste Premiere. Am 25. September ist es so weit. Sie proben das Stück "Heidi".
Die Gruppe spielt einzelne Szenen durch und feilt dabei zusammen am Text. Alle haben viel Freude beim Spiel, experimentieren, wie sie bestimmte Szenen auf der Bühne darstellen. Die Wahl des Stücks "Heidi", über das kleine Mädchen aus der Schweiz, das von ihrer Tante erst zu ihrem Großvater auf eine Alm und dann nach Frankfurt am Main gebracht wird, ist kein Zufall, sagt Regisseurin Monika Kukawka.
"Sie wird versetzt, sie wird gar nicht gefragt, sie ist nicht involviert"
Das Stück "Heidi" ist auch ein klares Statement für Freiheit und Selbstbestimmung, sagt Regisseurin Monika Kukawka. "Sie wird versetzt, sie wird gar nicht gefragt, sie ist nicht involviert. Und das ist so etwas, was Leute, die bei uns spielen, auch kennen. Ungefragt hin und her geschoben zu werden und nicht mitreden zu dürfen."
Junges Schauspieltalent
Matteo Wilbert spielt im Stück die Rolle des Kammerdieners Sebastian und probt auch für ein Gesangssolo. Er ist 18 Jahre alt und gehört schon seit acht Jahren zum Ensemble des com.guck Theaters Trier.
Er liebt das Theater, hat schon viele Musicals gesehen und könnte sich auch vorstellen, Schauspiel zum Beruf zu machen. Doch dafür müsste er allein weit weg in eine Großstadt wie Köln, Stuttgart oder Berlin ziehen. So arbeitet er nach seinem Schulabschluss in einem Lebensmittelmarkt und Schauspiel bleibt sein Hobby. Er sagt, er fühlt sich bei com.guck wohl und gut aufgehoben.
Initiativen für inklusive Schauspielausbildung
Wer sein Schauspielhobby zum Beruf und den Einstieg in eine professionelle Ausbildung finden will, der hat außerhalb von Rheinland-Pfalz mehr Chancen. Der Bühnenkunstsalon Köln ist eine Initiative, die für Menschen mit Behinderung mehr Möglichkeiten einer professionellen Ausbildung im Schauspiel schaffen will. Sie bietet auf ein Jahr angelegte Kurse für junge Talente an.
Junge Autorin aus Koblenz schreibt an Theaterstück mit
Das Programm "Writers Room" des Bühnenkunstsalons in Köln, bietet jungen AutorInnen die Chance zusammen mit Profis ein inklusives Theaterstück entwickeln. Es soll nächstes Jahr am Schauspiel Köln aufgeführt werden. Die junge Autorin Teresa Knopp aus Koblenz wirkt dabei mit. Die 30-Jährige schreibt gern und setzt sich schon seit Jahren für mehr Inklusion ein. Der Bühnenkunstsalon organisiert auch Kooperationen mit großen Theatern wie dem Schauspiel Köln und der Schauspielausbildung der Folkwang Universität in Bochum und Essen.
Inklusive Schauspielagentur
Die Agentur Rollenfang in Berlin sieht sich als Plattform für mehr Inklusion auf Theaterbühnen sowie bei Film und Fernsehen. Sie vermittelt bundesweit Schauspielerinnen und Schauspieler mit Handycap. Der Schauspieler Michael Schleiermacher aus Kaiserslautern hat damit gute Erfahrungen gemacht. Rollenfang berät auch Theater und Filmproduktionen und setzt sich für mehr inklusive Drehbücher ein.
Was Theater in Rheinland-Pfalz für Inklusion machen
Das Theater Trier macht inklusive Angebote vor allem in der Theaterpädagogik. Es gibt Patenschaftsprogramme, bei denen Schulklassen eine Schauspielproduktion begleiten. Im November hat eine Zusammenarbeit mit der inklusiven Trierer Tanzgruppe Beweggrund Premiere. "In Between" heißt das Tanzstück, bei dem Mitglieder des Ensembles Beweggrund und der Ballettcompany des Theaters Trier gemeinsam auf der Bühne stehen. Premiere ist am 13. November in der Tufa Trier.
"Die Gesellschaft behindert, nicht die Person ist behindert"
Maja Hehlen hat das inklusive Tanzensemble Beweggrund vor mehr als 25 Jahren mit begründet. In Sachen Inklusion habe sich in den vergangenen Jahren auf der Bühne einiges getan. Doch es sei auch noch viel Luft nach oben, was die Künstlerischen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung betrifft. "Die Gesellschaft behindert, nicht die Person ist behindert", sagt sie. Wirkliche Inklusion sei erst erreicht, wenn sie selbstverständlich in allen Bereichen gelebt werde.
Inklusive Theaterfestivals
Im Theater Mainz wird am 24. September das Festival "Grenzenlos Kultur" eröffnet. Bis zum 4. Oktober treten viele inklusive Theatergruppen aus verschiedenen Ländern auf. Christine Schelhas ist eine der Leiterinnen des Festivals. Sie findet, wenn Inklusion sichtbar ist, macht das auch Mut. Das Staatstheater Mainz sieht Inklusion als Aufgabe für den gesamten Theaterbetrieb. Inklusive künstlerische Arbeit als Selbstverständlichkeit, dafür stehen auch Inszenierungen wie "Schlagerträume".
Inklusion wird sichtbar gemacht
Das sehe man auch bei Festivals in Kaiserslautern, wie dem von der Lebenshilfe Kunst und Kultur gGmbH auf die Beine gestellten "Alles muss Raus". Drei Tage lang biete es umsonst und draußen ein inklusives Programm. Auch B!nk - Begegnung in der Kunst, das im Juni zusammen mit dem Pfalztheater Kaiserslautern organisiert worden ist, setzt in Sachen Inklusion einiges in Bewegung. Das Pfalztheater Kaiserslautern bietet auch einen inklusiven Spielclub für junge Leute.
Mehr Inklusion für das Theaterpublikum
Viele Theater engagieren sich dafür, dass sie Barrieren für Besucherinnen und Besucher abbauen. Das Staatstheater Mainz zum Beispiel bietet Hörverstärkung, Audiodeskription und Gebärdensprachdolmetscher in den Vorstellungen. Auch das Pfalztheater Kaiserslautern ist dabei engagiert und beschäftigt sich mit einem System für Übertitel in Leichter Sprache oder anderen Sprachen. Theater für alle ist die Devise. Doch Realität ist, dass für viele Menschen der Besuch im Theater schon am Weg von ihrem Zuhause zum Theater und zurück scheitert. Es ist noch viel zu tun.