Schwache Nachfrage in der Edelsteinbranche

Diamantenkrise: Wie Idar-Obersteiner Firmen unter Druck geraten

Die Preise für Diamanten sind stark gefallen, es gibt kaum Nachfrage nach den Edelsteinen. In der Schmuckstadt Idar-Oberstein wird das spürbar. Traditionsunternehmen sind besorgt.

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Von Autor/in Maximilian Storr

Seit mehr als 60 Jahren ist der Idar-Obersteiner Dieter Hahn im Diamantengeschäft. Mit seinen 84 Jahren hat der Händler in der Branche schon so einiges gesehen: "Aber so eine Situation, wie wir sie heute im Diamantmarkt haben, habe ich noch nie erlebt." Sein Unternehmen wird im nächsten Jahr 140 Jahre alt. Und das soll nicht das letzte Jubiläum sein. "Eine gewisse Sorge um die Zukunft habe ich schon", sagt Hahn.

Branche spürt schwache Konjunktur

Die Nachfrage nach Diamanten ist in den letzten Jahren eingebrochen, die Preise seit 2022 um fast 30 Prozent gefallen. Es ist eine Entwicklung, die auch den Idar-Obersteiner Diamanthändlern und Schmuckproduzenten Bauchschmerzen bereitet. Doch warum hat die Branche mit sinkenden Preisen und schlechten Verkaufszahlen zu kämpfen?

Die Diamantunternehmen in Idar-Oberstein stehen unter Druck.
Dieter Hahn ist seit mehr als 60 Jahren im Diamantgeschäft. Doch die aktuelle Situation bereitet dem Idar-Obersteiner Diamanthändler Sorgen.

Die Firma Giloy gehört zu den größten Diamantschmuckproduzenten in Europa. Mehr als 200 Mitarbeiter fertigen in Idar-Oberstein in Feinarbeit tausende Armbänder, Ringe oder Colliers.

"Wer in Deutschland durch eine Fußgängerzone spaziert, findet eigentlich immer Waren aus unserem Sortiment", sagt Geschäftsführer Daniel Giloy, "aber die Leute kaufen einfach weniger." Es gebe Regionen in Deutschland, in denen ihm die Juweliere berichten, dass sie schon wochenlang nichts mehr verkauft hätten, so Giloy.

Die Diamantunternehmen in Idar-Oberstein stehen unter Druck.
Daniel Giloy ist Geschäftsführer im gleichnamigen Familienunternehmen. Gerade in Deutschland kauften akutell wenige Menschen Diamantschmuck, sagt er.

Das Problem: Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, spüre das die Schmuckbranche häufig als erstes, sagt auch Diamanthändler Dieter Hahn. "Ein Diamant ist ja nichts, was man zum Leben unbedingt braucht, genauso wie ein teures Auto."

US-Zölle und schwache China-Nachfrage

Der deutsche Markt ist aber nicht die einzige Sorge der Idar-Obersteiner Diamantbranche. Als absehbar war, dass US-Präsident Donald Trump Zölle auf Edelsteine wie z.B. Diamanten erheben würde, hätten die großen Unternehmen in den Diamantzentren in Israel oder Antwerpen ihre Waren in die USA verlagert, um zusätzliche Kosten zu vermeiden. Für die Idar-Obersteiner Unternehmen, die auch Diamanten aus den Schmuckmetroplen beziehen, hat das Folgen. "Das hat dazu geführt, dass bestimmte Diamanten nur noch schwer zu bekommen sind, weil alles in Amerika liegt", sagt Hahn.

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Die schwierige Gesamtsituation in der Branche sieht Daniel Giloy auch in der schwachen Nachfrage in China. "Vor zwei Jahren haben die großen chinesischen Häuser noch sehr viel Diamantschmuck verkauft. Heute ist dort eher Goldschmuck gefragt." Die Konsequenz: Der Goldpreis steigt, während der Preis für Diamanten gesunken ist. 

Konkurrenz durch "Labordiamanten"

Zu Besuch im gemmologischen Institut in Idar-Oberstein. Tom Stephan hält eine UV-Lampe über einen kleinen Diamanten. Der kleine Edelstein leuchtet blau. "Daran erkennt man, dass es sich um einen natürlichen Diamanten handelt", sagt Stephan.

Die Diamantunternehmen in Idar-Oberstein stehen unter Druck.
Tom Stephan ist Geschäftsführer der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft. Er lehrt Diamantkunde.

Er ist Geschäftsführer der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft. In Seminaren erklärt Stephan Juwelieren, Mitarbeitern von Pfandleihhäusern oder angehenden Edelsteinschleifern wie sie einen natürlichen Diamanten von einem synthetischen Diamanten unterscheiden können. "Wenn sich Händler oder Produzenten aber unsicher sind, schicken sie ihre Diamanten in unser Idar-Obersteiner Labor", sagt Stephan. Der Unterschied sei nämlich wichtig.

Synthetische Diamanten werden nicht aus der Erde gegraben, sondern in einem energieaufwändigen Verfahren künstlich hergestellt. Sie sehen genauso aus wie natürliche Diamanten und werden mittlerweile auch in vielen Schmuckstücken verarbeitet.

Darin sieht Händler Dieter Hahn ein Problem für die Branche. "In der jungen Generation gibt es viele, die auf die Natürlichkeit, Seltenheit und Wertbeständigkeit eines echten Diamanten keinen großen Wert mehr legen." 

Preis der Synthesen 90 Prozent gefallen

Die "Labordiamanten" seien mittlerweile fast beliebig oft produzierbar und dadurch praktisch wertlos, sagt Hahn. Der Preis der Synthesen sei in den letzten Jahren um 90 Prozent gefallen. Dennoch gebe es Anbieter, die "sich dazu versteigen, diese Synthesen als echt Diamanten anzubieten." Damit täusche man den Kunden und verzerre den Wettbewerb.

Auch deshalb hat sich die Firma Giloy dagegen entschieden, in ihren Schmuckstücken synthetische Diamanten zu verarbeiten, obwohl sich das der ein oder andere Kunde wünschen würde. "Aber wir sehen in dieser Synthese einfach keine Zukunft. Ein Produkt, dass man immer wieder herstellen kann, hat langfristig keine Chancen am Markt."

Doch auch Giloy muss neue Wege gehen, um sich am Markt zu behaupten. Zum Beispiel mit carbonbeschichteten Ringen, die auf dem US-Markt gefragt sind. "Wir haben vor einem Jahr damit angefangen. Das war für uns komplettes Neuland", sagt Daniel Giloy.

Wir glauben an das Handwerk und den Standort hier

Obwohl ihm die derzeitige Situation Sorgen bereitet, hofft Giloy, dass die Diamantpreise wieder steigen werden und die Nachfrage nach Schmuck wieder anziehen wird. Er setzt auch darauf, dass Kunden in Zukunft verstärkt Schmuck kaufen werden, der unter fairen Bedingungen in Deutschland produziert worden sei: "Wir glauben an das Handwerk und wir glauben an unseren Standort hier in Idar-Oberstein."

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