Seltene Berufe

Edelsteinfasserin: Feinste Handwerkskunst unter dem Mikroskop

Sie arbeitet bis zu acht Stunden täglich am Mikroskop: Maren Baum ist Edelsteinfasserin. In 40-facher Vergrößerung setzt sie Edelsteine in Schmuckstücke ein. Ein seltener Beruf.

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Von Autor/in Judith Hüwelmeier

Ihre Handwerkskunst ist Millimeter-Arbeit: In 40-facher Vergrößerung setzt Maren Baum in ihrem Tübinger Atelier Edelsteine in Schmuckstücke ein. Hoch konzentriert muss sie dafür sein und Geduld haben. "Ich hab mit meiner Oma viel gebastelt und ich mochte das tatsächlich von klein auf, so detaillierte Sachen zu machen", sagt die 35-Jährige. Dabei arbeitet sie bis zu acht Stunden täglich am Mikroskop. Wenn sie sich nicht mehr konzentrieren kann, hört sie klassische Musik.

Der Job der Edelsteinfasserin ist selten und gefragt: Zwischen Tübingen und Pforzheim ist sie die einzige, schätzt Baum. Wie in vielen Handwerken fehlt auch hier der Nachwuchs. Baums Kunden sind Juweliere und Goldschmiede. Diese bringen Schmuckstücke und die passenden Edelsteine zu ihr, Maren Baum fasst sie ein. Kleben ist dabei verboten. Das wäre gepfuscht und würde nicht lange halten, sagt Baum.

Edelsteine in Millimetergröße

Stattdessen gibt es verschiedene andere Techniken: Bei der Krappenfassung, dem klassischen Verlobungsring, wird der Edelstein etwa von mehreren kleinen Metallstegen gehalten. So kann er nahezu von jeder Perspektive funkeln und strahlen. "Wie Krabbenarme, die sich um den Stein legen", erklärt Baum.

Ein funkelnder Verlobungsring im Tübinger Atelier der Edelsteinfasserin Maren Baum. Ihr Handwerk ist ein seltener Beruf.
Ein Verlobungsring in klassischer Krappenfassung: Kleine Stotzen (auch Krappen oder Krallen) halten den Ring an mehreren Stellen fest.

Die Zargenfassung dagegen umschließt den Edelstein komplett. "Ein bisschen alltagstauglicher, das kann man immer tragen", sagt Baum. Bei der Fadenfassung werden mehrere Edelsteine, teils nur einen Millimeter groß, so dicht wie möglich aneinandergereiht. "Das trägt man gerne zu einem Ehering dazu, das ist quasi ein Ansteckring", so Baum. Gehalten werden die Steinchen durch Körnchen aus Edelmetall, die nur unter dem Mikroskop sichtbar werden.

Bei einem Fehler sind tausende Euro weg

Was für andere Luxus ist, sind für Maren Baum gewöhnliche Arbeitsmaterialien. Rubine, Smaragde, Diamanten, Edelmetalle - die Liste an wertvollen Materialien ist lang. Einen Fehler darf sie sich nicht erlauben, sonst sind gleich mehrere tausend Euro weg. "Das ist die Schwierigkeit an dem Beruf, dass man nichts zerstören darf, aber wir auch nur Menschen sind", sagt Baum.

Edelsteinfasserin Maren Baum präsentiert einen Silberring in ihrem Atelier in Tübingen.
In diesen Silberring fasst Edelsteinfasserin Maren Baum 1,5 Millimeter große Zirkonia-Steine ein.

Maren Baum hat zuerst eine Ausbildung zur Grafikdesignerin gemacht, aber der Job am Computer hat sie nicht glücklich gemacht. Deshalb sattelte sie eine Ausbildung zur Goldschmiedin drauf, später dann auch noch eine Weiterbildung zur Edelsteinfasserin. Mittlerweile ist sie selbstständig und nimmt Aufträge von Schmuckfirmen an. Als Goldschmiedin arbeitet sie auch für Privatkunden.

Trauringe überreichen: "Wunderschöner Moment"

Der Moment, wenn sie nach mehreren Stunden feinster Handwerkskunst die Reaktionen der Kunden sieht, ist wunderschön, erzählt sie. Erst vor kurzem habe sie einem Paar die Trauringe übergeben, die sie selbst geschmiedet und eingefasst hat. "Wenn sich das Paar freut und dann kommen diese Emotion hoch, dass sie bald heiraten und sich das Ja-Wort geben, ist das wunderschön", sagt Maren Baum.

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Autor/in
Judith Hüwelmeier
Judith Hüwelmeier ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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