Ein Klima-Boulevard mit viel Grün und eine Seenlandschaft ähnlich dem New Yorker Central Park - das waren einmal die Pläne für die Housing Bitburg. Zumindest, als man sich 2021 damit für die Landesgartenschau beworben hat.
Als die Bewerbung abgelehnt wurde, ging es zurück ans Reißbrett: "Nach der Enttäuschung war klar: Dann packen wir es jetzt selbst an", sagt Andreas Kruppert (CDU), Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm.
In der Region würden Wohnungen und Gebäude für Gewerbe gebraucht. Es sei den Kommunen wichtig gewesen, selbst zu entscheiden, was mit dem ehemaligen Wohnareal der US-Streitkräfte geschieht.
Beschluss über gemeinsamen Kauf der Housing
Deshalb haben der Eifelkreis, die Stadt Bitburg und der Zweckverband Flugplatz Bitburg am Montag in einer gemeinsamen Sitzung dem Vertragsentwurf zum Kauf des 57 Hektar großen Geländes der Housing vom Bund zugestimmt.
Wir wollen etwas schaffen, was wir so im ländlichen Raum nicht haben.
"Es geht darum, ein völlig neues Quartier zu kreieren. Wir wollen etwas schaffen, was wir vergleichbar so im ländlichen Raum nicht haben", sagt Landrat Kruppert. Es solle nicht nur das klassische Einfamilienhaus entstehen.
Housing passt ins Beuteschema von Projektentwickler
Und da kommt Jan Eitel ins Spiel: Für den Projektentwickler gehört die Housing zu seinem Beuteschema, sagt er, und sie ist für den Trierer vor der Haustür. Seine Aufgabe war es, zu planen, wie aus der Housing ein Viertel wird, das sich für die Kommunen wirtschaftlich rechnet.
Also hat er in den vergangenen zwei Jahren mit Stadtplanern und Fachingenieuren Kosten und mögliche Einnahmen des neuen Viertels errechnet: "Das ist extrem schwierig bei einer so großen Fläche. Für eine Landesgartenschau hätte man aus dem Vollen schöpfen können, man hat mehr Fördermittel."
Geist der Landesgartenschau bleibt
Deshalb sei klar, dass jetzt aus der Housing kein zweiter Central Park mehr mit riesigem See werden kann. Dennoch sollen die guten Ideen, die es damals für die Landesgartenschau gab, in kleinerem Maßstab übersetzt werden: "Wir können die hohe Aufenthaltsqualität, das gute Klima, den Freizeitwert anders bieten. Zum Beispiel durch offene Gewässer und gute Grünflächen."
Auch Landrat Kruppert glaubt, dass viel vom Geist der Landesgartenschau-Bewerbung übrig bleibt. In der Housing soll zum Beispiel kein Regenwasser mehr versickern. Es soll aufgefangen und gehalten werden. "Es ist auch das Gebot der Stunde, dass wir dort viel Bepflanzung haben." So will man auf Klimawandel und Hitze reagieren.
Mehrere Förderungen möglich
Das sei auch eine Chance, das ganze Projekt fördern zu lassen. Wie teuer es wird, ist geheime Vertragssache. Aber der Kreis spreche schon mit dem Umweltministerium, um das Regenwasserkonzept fördern zu lassen. Und auch eine Städtebauförderung werde es geben.
Zuvor ist es aber noch eine große Herausforderung für Jan Eitel, das brachliegende Areal in einen Ort zu verwandeln, an dem man sich gerne aufhält. Dass dort noch viele Gebäude stehen, mache es nicht einfacher: "Die grüne Wiese, die wir in Ruhe lassen, weil wir nicht noch mehr Fläche versiegeln wollen, ist da deutlich im Vorteil gegenüber einer Konversionsfläche mit Altbestand."
Man müsse viel Geld in die Hand nehmen, um etwa die alte Schule und ein Versorgungszentrum für die Zukunft herzurichten und mit neuen Gebäuden zu kombinieren. Es gebe aber auch alte Mannschaftsgebäude der US-Streitkräfte, die sich nicht aufmöbeln lassen und weg müssen.
Nicht aus dem Boden stampfen
Dass auf einem Gebiet, das fünfmal so groß ist wie die Bitburger Innenstadt, nicht mal eben eine Trabantenstadt aus dem Boden gestampft werden kann, ist beiden klar. Andreas Kruppert sagt: "Bei der Größenordnung sprechen wir von einem Zeitraum von mindestens 15 Jahren."
Wir dürfen nicht größenwahnsinnig werden.
Wenn etwa 1.000 Wohnungen neu bezogen werden, würden dann auch neue Kitas und Schulen gebraucht. Das müsse mitgedacht werden, deshalb brauche es lang.
Eitel will bei der Planung auch das Gefüge aus umgebenden Bitburger Stadtteilen und anderen Gemeinden bedenken: "Und natürlich dürfen wir bei der schieren Größe nicht größenwahnsinnig werden, sondern müssen mit Augenmaß planen."
Läuft alles gut, könnte in zwei Jahren ein Bebauungsplan entwickelt werden. Ab 2028 könnten die ersten Bagger rollen. Wenn nicht etwa Bedenken wegen des Artenschutzes oder Probleme wie Krieg und Inflation dazwischen kommen. Deshalb muss man flexibel sein, sagt Eitel.
Frasers-Ansiedlung macht Druck auf Wohnungsmarkt
Für Landrat Kruppert steht fest, dass der Kreis der Wohnungsnachfrage rund um Bitburg Rechnung tragen will. Und beispielsweise auch der Ansiedlung des Sportartikelhändlers Frasers: "Daher gehen diese Entwicklungen ein Stück weit auch Hand in Hand."
An dem Gerücht, der Kauf der Housing habe sich verzögert, weil man abwarten wollte, dass Frasers tatsächlich in der Nähe baut, sei aber nichts dran: "Es war immer klar, dass die Entwicklung der Housing separat gesehen wird und auch notwendig ist."
Wenn bis zu 800 neue Mitarbeitende von Frasers Wohnungen suchen, erhöhe das den Druck auf den Markt. Aber auch ohne Frasers wären die Pläne für die Housing weiter verfolgt worden.
Kommunen wollen an der Housing verdienen
Auch, dass der Eifelkreis gerade parallel damit beschäftigt ist, das Krankenhaus in Prüm finanziell zu retten, wirke sich nicht aus: "Wir schaffen hier Wohnraum. Das wird Kosten verursachen, aber es wird nachher auch Erlöse bringen."
Zusammenarbeit öffentlicher und privater Player
Damit das letztlich auch klappt, ist es für Jan Eitel wichtig, dass er als privater Projektentwickler mit den öffentlichen Playern gut zusammenarbeitet: "Da bündeln wir Kräfte, die uns enorm helfen werden."