Fünfmal so groß wie die Innenstadt

Wohnungen und viel Grün: Das soll aus der Housing Bitburg werden

Wo einst US-amerikanische Streitkräfte lebten, sollen bald Bitburger wohnen: Nachdem alte Pläne nicht realisiert werden konnten, kaufen Kreis und Stadt jetzt das Areal.

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Von Autor/in Anna-Carina Blessmann

Ein Klima-Boulevard mit viel Grün und eine Seenlandschaft ähnlich dem New Yorker Central Park - das waren einmal die Pläne für die Housing Bitburg. Zumindest, als man sich 2021 damit für die Landesgartenschau beworben hat.

Die US-amerikanischen Streitkräfte haben die Housing in den 2010er Jahren verlassen. Zuvor war das Areal eine eigenständige Stadt in der Stadt Bitburg, inklusive einer Schule.
Die US-amerikanischen Streitkräfte haben die Housing in den 2010er-Jahren verlassen. Zuvor war das Areal eine eigenständige Stadt in der Stadt Bitburg, inklusive einer Schule. Nicole Mertes

Als die Bewerbung abgelehnt wurde, ging es zurück ans Reißbrett: "Nach der Enttäuschung war klar: Dann packen wir es jetzt selbst an", sagt Andreas Kruppert (CDU), Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm.

In der Region würden Wohnungen und Gebäude für Gewerbe gebraucht. Es sei den Kommunen wichtig gewesen, selbst zu entscheiden, was mit dem ehemaligen Wohnareal der US-Streitkräfte geschieht.

Beschluss über gemeinsamen Kauf der Housing

Deshalb haben der Eifelkreis, die Stadt Bitburg und der Zweckverband Flugplatz Bitburg am Montag in einer gemeinsamen Sitzung dem Vertragsentwurf zum Kauf des 57 Hektar großen Geländes der Housing vom Bund zugestimmt.

Wir wollen etwas schaffen, was wir so im ländlichen Raum nicht haben.

"Es geht darum, ein völlig neues Quartier zu kreieren. Wir wollen etwas schaffen, was wir vergleichbar so im ländlichen Raum nicht haben", sagt Landrat Kruppert. Es solle nicht nur das klassische Einfamilienhaus entstehen.

Die Pläne für die Housing Bitburg sind noch in einem frühen Entwurfsstadium, betont Projektentwickler Jan Eitel. Dennoch ist schon zu sehen, dass auf viel Grün gesetzt wird.
Die Pläne für die Housing Bitburg sind noch in einem frühen Entwurfsstadium, betont Projektentwickler Jan Eitel. Dennoch ist schon zu sehen, dass auf viel Grün gesetzt wird. Quartiersmanufaktur

Housing passt ins Beuteschema von Projektentwickler

Und da kommt Jan Eitel ins Spiel: Für den Projektentwickler gehört die Housing zu seinem Beuteschema, sagt er, und sie ist für den Trierer vor der Haustür. Seine Aufgabe war es, zu planen, wie aus der Housing ein Viertel wird, das sich für die Kommunen wirtschaftlich rechnet.

Jan Eitel plant als Teil der Projektgesellschaft seit zwei Jahren, was in Zukunft aus der Housing Bitburg werden kann.
Jan Eitel plant als Teil der Projektgesellschaft seit zwei Jahren, was in Zukunft aus der Housing Bitburg werden kann. Quartiersmanufaktur

Also hat er in den vergangenen zwei Jahren mit Stadtplanern und Fachingenieuren Kosten und mögliche Einnahmen des neuen Viertels errechnet: "Das ist extrem schwierig bei einer so großen Fläche. Für eine Landesgartenschau hätte man aus dem Vollen schöpfen können, man hat mehr Fördermittel."

Geist der Landesgartenschau bleibt

Deshalb sei klar, dass jetzt aus der Housing kein zweiter Central Park mehr mit riesigem See werden kann. Dennoch sollen die guten Ideen, die es damals für die Landesgartenschau gab, in kleinerem Maßstab übersetzt werden: "Wir können die hohe Aufenthaltsqualität, das gute Klima, den Freizeitwert anders bieten. Zum Beispiel durch offene Gewässer und gute Grünflächen."

Viele Grünflächen sind auf der Housing Bitburg schon vorhanden, wie hier auf einem ehemaligen Sportplatz. Mit dem neuen Konzept sollen sie klimaresistent werden und dafür sorgen, dass man sich dort gerne aufhält.
Viele Grünflächen sind auf der Housing Bitburg schon vorhanden, wie hier auf einem ehemaligen Sportplatz. Mit dem neuen Konzept sollen sie klimaresistent werden und dafür sorgen, dass man sich dort gerne aufhält. Nicole Mertes

Auch Landrat Kruppert glaubt, dass viel vom Geist der Landesgartenschau-Bewerbung übrig bleibt. In der Housing soll zum Beispiel kein Regenwasser mehr versickern. Es soll aufgefangen und gehalten werden. "Es ist auch das Gebot der Stunde, dass wir dort viel Bepflanzung haben." So will man auf Klimawandel und Hitze reagieren.

Mehrere Förderungen möglich

Das sei auch eine Chance, das ganze Projekt fördern zu lassen. Wie teuer es wird, ist geheime Vertragssache. Aber der Kreis spreche schon mit dem Umweltministerium, um das Regenwasserkonzept fördern zu lassen. Und auch eine Städtebauförderung werde es geben.

Zuvor ist es aber noch eine große Herausforderung für Jan Eitel, das brachliegende Areal in einen Ort zu verwandeln, an dem man sich gerne aufhält. Dass dort noch viele Gebäude stehen, mache es nicht einfacher: "Die grüne Wiese, die wir in Ruhe lassen, weil wir nicht noch mehr Fläche versiegeln wollen, ist da deutlich im Vorteil gegenüber einer Konversionsfläche mit Altbestand."

Manche Gebäude der Housing Bitburg können stehen bleiben. Andere entsprechen nicht mehr den Standards und müssen abgerissen werden.
Manche Gebäude der Housing Bitburg können stehen bleiben. Andere entsprechen nicht mehr den Standards und müssen abgerissen werden. Nicole Mertes

Man müsse viel Geld in die Hand nehmen, um etwa die alte Schule und ein Versorgungszentrum für die Zukunft herzurichten und mit neuen Gebäuden zu kombinieren. Es gebe aber auch alte Mannschaftsgebäude der US-Streitkräfte, die sich nicht aufmöbeln lassen und weg müssen.

Nicht aus dem Boden stampfen

Dass auf einem Gebiet, das fünfmal so groß ist wie die Bitburger Innenstadt, nicht mal eben eine Trabantenstadt aus dem Boden gestampft werden kann, ist beiden klar. Andreas Kruppert sagt: "Bei der Größenordnung sprechen wir von einem Zeitraum von mindestens 15 Jahren."

Wir dürfen nicht größenwahnsinnig werden.

Wenn etwa 1.000 Wohnungen neu bezogen werden, würden dann auch neue Kitas und Schulen gebraucht. Das müsse mitgedacht werden, deshalb brauche es lang.

Eitel will bei der Planung auch das Gefüge aus umgebenden Bitburger Stadtteilen und anderen Gemeinden bedenken: "Und natürlich dürfen wir bei der schieren Größe nicht größenwahnsinnig werden, sondern müssen mit Augenmaß planen."

Was auf dem Areal der Housing Bitburg seit über zehn Jahren brach liegt, soll in etwa 15 Jahren wieder mit Wohnungen und Gewerben belebt sein.
Was auf dem Areal der Housing Bitburg seit über zehn Jahren brach liegt, soll in etwa 15 Jahren wieder mit Wohnungen und Gewerben belebt sein. Nicole Mertes

Läuft alles gut, könnte in zwei Jahren ein Bebauungsplan entwickelt werden. Ab 2028 könnten die ersten Bagger rollen. Wenn nicht etwa Bedenken wegen des Artenschutzes oder Probleme wie Krieg und Inflation dazwischen kommen. Deshalb muss man flexibel sein, sagt Eitel.

Frasers-Ansiedlung macht Druck auf Wohnungsmarkt

Für Landrat Kruppert steht fest, dass der Kreis der Wohnungsnachfrage rund um Bitburg Rechnung tragen will. Und beispielsweise auch der Ansiedlung des Sportartikelhändlers Frasers: "Daher gehen diese Entwicklungen ein Stück weit auch Hand in Hand."

Andreas Kruppert (CDU) treibt das Projekt der Housing Bitburg als Landrat des Eifelkreises und als Verbandsvorsteher des Zweckverbands Flugplatz Bitburg voran.
Andreas Kruppert (CDU) treibt das Projekt der Housing Bitburg als Landrat des Eifelkreises und als Verbandsvorsteher des Zweckverbands Flugplatz Bitburg voran. Tautges Marketing

An dem Gerücht, der Kauf der Housing habe sich verzögert, weil man abwarten wollte, dass Frasers tatsächlich in der Nähe baut, sei aber nichts dran: "Es war immer klar, dass die Entwicklung der Housing separat gesehen wird und auch notwendig ist."

Wenn bis zu 800 neue Mitarbeitende von Frasers Wohnungen suchen, erhöhe das den Druck auf den Markt. Aber auch ohne Frasers wären die Pläne für die Housing weiter verfolgt worden.

Kommunen wollen an der Housing verdienen

Auch, dass der Eifelkreis gerade parallel damit beschäftigt ist, das Krankenhaus in Prüm finanziell zu retten, wirke sich nicht aus: "Wir schaffen hier Wohnraum. Das wird Kosten verursachen, aber es wird nachher auch Erlöse bringen."

Zusammenarbeit öffentlicher und privater Player

Damit das letztlich auch klappt, ist es für Jan Eitel wichtig, dass er als privater Projektentwickler mit den öffentlichen Playern gut zusammenarbeitet: "Da bündeln wir Kräfte, die uns enorm helfen werden."

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Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon

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