Neue Möglichkeiten für Schwangere

Selbstbestimmte Geburten: Hebammen eröffnen Geburtshaus in Trier

Frauen, die ihr Kind nicht im Krankenhaus zur Welt bringen möchten, haben nun eine Alternative: Das neue Geburtshaus in Trier. Ein Herzensprojekt von Hebammen aus der Region Trier.

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Stand

Von Autor/in Andrea Meisberger

Der 9. Juli war ein ganz besonderer Tag für das neue Geburtshaus in Trier: Zum ersten Mal kam dort ein Baby zur Welt - nur neun Tage nach der offiziellen Eröffnung. "Ein ganz besonderer Moment - willkommen, kleines Wunder!", schreiben die Hebammen auf Instagram.

Sarah Wolff ist eine der fünf Hebammen, die das Geburtshaus in Trier betreiben.
Sarah Wolff ist eine der fünf Hebammen, die das Geburtshaus in Trier betreiben. Andrea Meisberger

Langer Weg bis zum Start des Geburtshauses in Trier

Doch bis zu diesem magischen Moment sind viele Jahre ins Land gegangen. Schon 2020 starteten die Planungen für das Geburtshaus. Denn es sei gar nicht so leicht gewesen, eine geeignete Immobilie zu finden, erzählt Sarah Wolff. Sie ist eine der Hebammen, die das Geburtshaus aufgebaut haben.

Hinzu sei der Verwaltungsaufwand gekommen. Es habe sehr lange gedauert, bis der Nutzungsänderungsantrag für das Geburtshaus genehmigt war. Und all das haben die Frauen neben ihrer regulären Arbeit als Hebammen gestemmt.

Geburtshaus in Trier
Das Geburtshaus wurde mit Hilfe von Spenden finanziert. Neben Geld gab es auch Sachspenden. Geburtshaus Trier

Aber auch die Finanzierung war für die Frauen eine Herausforderung. Startkapital für das Geburtshaus gab es kaum. Von Anfang an waren sie auf Spenden angewiesen, erzählt Sarah Wolff. Es habe viele Spenden gegeben - Geld, aber auch Sachspenden.

Klinik, Hausgeburt oder Geburtshaus: Frauen sollen die Wahl haben

In der Region Trier gibt es nur noch vier Krankenhäuser, in denen werdende Mütter entbinden können: Das Mutterhaus in Trier sowie die Krankenhäuser in Wittlich, Idar-Oberstein und Bitburg.

Wir möchten den Frauen eine selbstbestimmte Geburt ermöglichen.

Wie die Krankenhäuser auf SWR-Anfrage mitteilten, kamen in den vergangenen Jahren immer mehr Kinder auf die Welt. Sarah Wolff und die anderen Hebammen wollen mit dem Geburtshaus erreichen, dass sich die Frauen aussuchen können, ob sie ihr Kind in einer Klinik, zu Hause oder im Geburtshaus zur Welt bringen möchten.

"Wir möchten den Frauen eine selbstbestimmte Geburt ermöglichen. In einem Raum, den sie sich aussuchen können", sagt Hebamme Wolff. Jede Frau habe eine Eins-zu-eins-Betreuung - von der Schwangerschaft über die Geburt bis zur Nachsorge. Bis zu 14 Frauen können im Geburtshaus pro Monat begleitet werden.

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Nicht jede Frau kann im Geburtshaus entbinden

Wer in einem Geburtshaus entbinden kann, regelt ein Katalog mit Ausschlusskriterien. Frauen in einer Risikoschwangerschaft werden beispielsweise nicht aufgenommen. Auch Frauen, deren Kind in Beckenendlage liegt, können nicht betreut werden. Genauso sind Zwillingsgeburten nicht möglich.

Um das alles abzuklären, ist es den Hebammen auch wichtig, dass sich die Frauen frühzeitig bei ihnen melden.

Ärztliche Meinungen zu Geburtshäusern gehen auseinander

Ob Geburtshäuser eine sinnvolle Alternative zur Klinikgeburt sind, darüber gehen die Meinungen unter Ärztinnen und Ärzten auseinander. Andrea Daus, Chefärztin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich, sieht Geburtshäuser dann als sinnvoll an, wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft.

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Doch Geburtshäuser stoßen auch an ihre Grenzen, betont Andrea Daus. Unvorhergesehene Komplikationen wie starke Blutungen nach der Geburt oder eine vorzeitige Plazentalösung könnten für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden. Selbst bei einer guten Zusammenarbeit mit umliegenden Kliniken und kurzen Wegen entstehe eine Verzögerung. Allerdings kämen solche Notfälle nur sehr selten vor.

Auf Risiken vorbereitet: Krankenhaus in unmittelbarer Nähe

Sarah Wolff ist von dem Konzept überzeugt. Es gebe klare Standards, die das Geburtshaus erfüllen müsse - etwa bei der Überwachung der Herztöne, die genauso wie in einer Klinik durchgeführt werde.

Für Notfälle wie starke Blutungen nach der Geburt gibt es klare Abläufe. Auch Medikamente stünden vor Ort bereit. Zudem werde jede Frau im Vorfeld über mögliche Risiken aufgeklärt.

Wir warten da nicht, bis der Notfall eintritt, sondern wir verlegen frühzeitig.

Bahnen sich Komplikationen bei einer Geburt an, würden die Mütter schnellstmöglich ins Krankenhaus verlegt. "Wir warten da nicht, bis der Notfall eintritt, sondern wir verlegen frühzeitig", stellt Wolff klar. Deshalb sei es den Hebammen auch wichtig gewesen, dass das Geburtshaus in unmittelbarer Nähe zum Klinikum Mutterhaus liegt.

Geburtshaus Trier könnte noch größer werden

Die Nachfrage ist jetzt schon sehr hoch, sagt Wolff. Mehr als 100 Frauen haben sich bereits gemeldet. Bis Januar sind alle Plätze vergeben. Langfristig betrachtet könnte das Geburtshaus auch noch größer werden. "Wir haben alles so geplant, dass wir noch weiter ausbauen können", so Wolff.

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