Ein Landhaus von Wald umgeben. Ziegen grasen auf einer umzäunten Wiese. Andrea Thome aus Birresborn füttert die Tiere mit trockenem Brot. Sie kümmert sich seit Jahren um die Ziegen. Das Grundstück gehört ihren Freunden, die aber in Nordrhein-Westfalen wohnen und nur im Urlaub in die Eifel kommen.
Vor einigen Jahren hatte sie unerwartet einen tierischen Mitbewohner mehr, um den sie sich kümmern musste. "Eines Tages lag ein schwarzes Damhirsch-Kalb auf der Wiese. Ich weiß bis heute nicht, wo es herkam", erzählt die 65-Jährige.
Frau aus Birresborn zieht Hirsch groß
Sie schloss das Tier in ihr Herz. "Er war so klein und unschuldig, da habe ich ihn Bambi genannt", so Thome weiter. Sie hat den Hirsch zusammen mit den Ziegen mit Äpfeln, Kastanien und Brot gefüttert. Auch "Bambi" gewöhnte sich an seine menschliche Ziehmutter und wurde immer zutraulicher.
Nach einigen Monaten verließ "Bambi" immer wieder sein Gehege und folgte der 65-Jährigen bis nach Hause, das nur wenige hundert Meter vom Gehege entfernt liegt. "Ich war mit meinen Hund im Ort spazieren, als plötzlich "Bambi" vor mir stand. Er wollte mit mir frühstücken gehen. Ich ging vor und er trabte hinterher", berichtet Thome.
Auf der Suche nach Futter schaute der Hirsch auch bei anderen Anwohnern in Birresborn vorbei: "Er hat bei den Nachbarn auch die Gärten leer gefuttert. Bambi hat sich im Ort wohlgefühlt", erinnert sich Thome.
Hirsch im Nachbarort Büdesheim aufgetaucht
Vor zwei Jahren war "Bambi" plötzlich verschwunden. Es fehlte jede Spur von ihm. Andrea Thome hatte sich schon damit abgefunden, dass sie das Tier nicht mehr wiedersieht.
Vor wenigen Wochen dann tauchte acht Kilometer weiter in Büdesheim ein großer schwarzer Damhirsch auf, der dort durch die Gärten der Anwohner läuft.
Die Büdesheimer verliebten sich sofort in den Hirsch und gaben ihm den Namen "Henry". Andrea Thome ist sich sicher, dass "Hirsch Henry" eigentlich ihr "Bambi" ist. "Kein Hirsch ist so zahm wie er. Ich habe ihn am Fell und an einer Markierung an seinem Geweih erkannt", so die 65-Jährige.
Damwild kommt in der Region nicht vor
Doch ist "Hirsch Henry" aus Büdesheim wirklich "Bambi" aus Birresborn? Gerd Grebener ist Jagdkreismeister im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Er kennt sich mit Wildtieren aus und berät dazu die Untere Jagdbehörde des Kreises. Der Experte vergleicht auf dem Smartphone die beiden Hirsche aus Birresborn und Büdesheim. Auch er geht davon aus, dass es sich um das selbe Tier handelt.
"Der Hirsch in Büdesheim ist sehr zutraulich. Er wurde wahrscheinlich von Menschen aufgezogen. Das würde passen", so der Jagdkreismeister. Sollte es sich tatsächlich um das identische Tier handeln, dann wäre es eine kleine Sensation. Damwild kommt in der Region nicht vor und darf sich laut Gesetz auch nicht verbreiten. Das heißt, sie müssen von Jägern eigentlich geschossen werden.
Jagdkreismeister warnt vor Hirschen
Andrea Thome kann den Hirschen nicht mehr bei sich aufnehmen. Sie hofft, dass er in Büdesheim bleibt und sich dort weiter wohlfühlt. Jagdkreismeister Gerd Grebener warnt aber davor, den Hirsch wie ein Haustier zu behandeln. Das könnte gefährlich werden, so der Experte.
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"Im Oktober beginnt beim Damwild die Brunftzeit. Er könnte den Menschen bei der Suche nach einer Partnerin als Konkurrenz sehen und diesen angreifen. Er hat keine Angst mehr vor Menschen, weil er so zutraulich ist", so Grebener weiter.