Stolz beobachtet Jürgen Meyer, Leiter des Wildtierzentrums Saarburg, wie der wenige Monate alte Uhu Merlina auf seiner Hand sitzt und frisst. Dass sie heute noch lebt, hat Merlina auch Jürgen und seinem Team zu verdanken.
Nur ein paar Tage war sie alt, als sie verwaist im Wald gefunden und in der Auffangstation abgegeben wurde. "Da sah sie noch aus wie eine Pusteblume", erinnert sich Jürgen schmunzelnd.
Ihre Geschichte ist eine von vielen im Wildtierzentrum. Viel weiter kommt Jürgen nicht, er wird von dem Klingeln seines Handys unterbrochen. Es ist nicht sein erstes Telefonat heute.
Vom gebrochenen Flügel bis zum verwaisten Küken
Etwa 60-mal klingelt Jürgens Handy aktuell am Tag. Am anderen Ende melden sich dann Menschen, die verletzte, kranke oder verwaiste Wildtiere in der Region gefunden haben und sie im Wildtierzentrum abgeben möchten. Denn hier bekommen sie Hilfe, werden gesund gepflegt.
Etwa 75 Prozent der Tiere, die bei uns unterkommen, können wir wieder erfolgreich auswildern.
Bei der Arbeit mit den Tieren geht es Jürgen und seinem Team aus zwölf Ehrenamtlichen vor allem um Eines: Die Tiere wieder so fit zu bekommen, dass sie am Ende auch zurück in die Natur gelassen werden können. Und das klappt bei den meisten. "Etwa 75 Prozent der Tiere, die bei uns unterkommen, können wir wieder erfolgreich auswildern", sagt Jürgen Meyer.
Etwa 300 Tiere in den Auffangstationen
Aktuell in der Hochsaison von Mai bis August kommen im Monat im Schnitt bis an die 350 Tiere in den Stationen und Saarburg und Wiltingen dazu. In einem Jahr kommen da schon einige Tiere zusammen. Bis an die 2.000 Wildtiere werden in den Stationen aufgenommen - und die Tendenz steigt. Vor ein paar Jahren waren es ein paar Hundert Tiere, die abgegeben wurden.
Die Wahrnehmung in der Bevölkerung rund um das Thema Umwelt und Natur hat sich stark verbessert.
Aus Sicht von Jürgen Meyer hat dieser Zuwachs vor allem mit der veränderten Wahrnehmung von Tieren in der Gesellschaft zu tun. So werden heute mehr Tiere abgegeben, weil die Menschen in den letzten Jahren sensibler geworden sind und mehr Hilfsbereitschaft für in Not geratene Tiere zeigen. "Die Wahrnehmung in der Bevölkerung rund um das Thema Umwelt und Natur hat sich stark verbessert." Dass die Menschen nicht mehr alle mit Scheuklappen rumlaufen und Tiere im Straßengraben liegen lassen, sei eine schöne Entwicklung.
Nächste Auffangstationen im Saarland
Was ihm allerdings Sorge bereitet ist, die geringe Zahl an Auffangstationen konkret für Wildtiere in Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern. Bestehende Stationen würden versuchen, alles im Sinne des Tier- und Artenschutzes möglich zu machen. Viele kommen aber auch an ihre Grenzen, das heißt, sie können nicht alle Wildtierarten aufnehmen oder müssen aus Platzgründen einen Aufnahmestopp verhängen.
Nach Dammbruch 2021 in Neustraßburg Chance nach der Flut: Ein Paradies für Amphibien in der Eifel
Bei der Jahrhundertflut 2021 brach der Damm des Neuenweihers. Danach fand man heraus: Baut man den Damm nicht wieder auf, könnte daraus ein neues Biotop entstehen. Gesagt, getan.
In der Region rund um Trier sind die nächstgelegenen Stationen zum Beispiel im Saarland. Und so wird automatisch das Einzugsgebiet größer. Es rufen nicht nur Menschen aus der Region rund um Trier, sondern auch aus Bonn, Köln oder Frankfurt an. Die weiteste Reise, die ein Tier mal zurückgelegt hatte war ein Feldhase, den eine Frau aus Österreich zu ihnen brachte.
Kein Aufnahmestopp: Wildtierzentrum kann weitere Tiere aufnehmen
Dass es im Wildtierzentrum Saarburg zu eng wird, befürchtet Jürgen Meyer nicht. Noch reiche der Platz in der Auffangstation aus und das Team müsse noch nicht über einen Aufnahmestopp nachdenken. Schließlich kommen die Tiere nicht alle auf einmal und werden in der Regel nach ein paar Wochen ausgewildert.
Pfleger im Wildtierzentrum sind am Limit
Was das Team aktuell allerdings sehr zu spüren bekommt sind die eigenen körperlichen Grenzen, denn die Tage sind lang. Von morgens sechs Uhr bis abends um neun ist Jürgen Meyer auf dem Handy erreichbar. Danach meldet sich der Anrufbeantworter. Um zu verhindern, dass auch immer mehr Menschen nachts bei ihm an der Haustür klingeln, steht auch ein Container vor der Auffangstation in Saarburg. Hier können Finder die Tiere rund um die Uhr reinsetzten.
Jürgen Meyer hofft, dass er seiner Arbeit noch viele Jahre nachgehen kann. Denn schließlich hat er sich voll und ganz dem Tierschutz verschrieben und will der Natur und den Wildtieren etwas zurückgeben.