Ali Anvari hat den Iran 1998 verlassen um in Trier zu studieren und in Freiheit zu leben. Noch immer hat er Familie in seinem Heimatland. Der Kontakt zu seinen Liebsten ist nahezu unmöglich. Die Nachrichten von der Gewalt und der brutalen Unterdrückung der Protestbewegung im Iran machen ihm große Sorgen.
SWR Aktuell: Seitdem das Internet abgeschaltet wurde dringen kaum noch Informationen über die Situation im Iran nach draußen. Was hören Sie aus Ihrem Heimatland?
Ali Anvari: Ja, das ist genau so, wie sie es beschrieben haben. Dieses Regime hat gar keine Gnade. Die gehen sogar mit Maschinengewehren in Krankenhäuser. So weit geht die Brutalität. Das höre ich aus dem Iran jeden Tag.
SWR Aktuell: Haben Sie denn noch Kontakt zu Ihrer Familie?
Anvari: Seitdem das Internet ausgeschaltet ist, habe ich gar keinen Kontakt. Aber ich bin in verschiedenen Kanälen, die Nachrichten aus dem Land rausschicken. Damit sind wir alle rund um die Uhr beschäftigt.
SWR Aktuell: Was erwarten Ihre Landsleute? Was muss da jetzt passieren? Wie muss die Weltgemeinschaft reagieren?
Anvari: Ja, einfach Solidarität. Das ist eine Revolution, die am Anfang ist. Das kommt aus der tiefsten Bevölkerung des Landes. Menschenrechte werden extrem verletzt. Und da muss jeder einzelne von uns, auch die Menschen in Deutschland mitfühlen und einen Schritt machen.
SWR Aktuell: Es gab ja auch in den vergangenen Jahren immer wieder Proteste in der Bevölkerung, die brutal niedergeschlagen wurden. Waren die Massenproteste jemals so stark, wie sie es jetzt sind?
Anvari: Nein, die Massenproteste waren nie so organisiert wie jetzt. Es ist jetzt so in dieser Form tatsächlich erst seit vier Tagen, wegen diesem Aufruf, den Reza Pahlavi (Anm. der Red: Der Sohn des 1979 abgesetzten Schahs) aufgesetzt hat. Die Leute, die jetzt auf die Straße gehen, sind keine bestimmte Gruppierung, sondern das ist die gesamte Bevölkerung. Das sind Alt, Jung, Studenten, Rentner, alle sind gemeinsam jetzt auf der Straße.
SWR Aktuell: Würden Sie Donald Trump, dem amerikanischen Präsidenten, raten, jetzt einzugreifen?
Anvari: Absolut. Nicht nur Donald Trump, sondern jeder andere Mensch, der auf der Welt politisch etwas zu sagen hat. Weil das muss man sich vorstellen: Ohne Waffe gegen Panzer - hat die normale Bevölkerung da eine Chance? Die haben die Fundamentalisten vor sich, die denken, ja, wenn ich die Leute hier umbringe, dann komme ich irgendwie in ein Paradies oder so etwas in der Richtung. Dabei geht es nur um den Glauben und die schießen einfach auf die Menschen, die sich nicht verteidigen können. Und dann kann man nur militärisch oder mit Unterstützung aus dem Ausland Hilfe leisten.