Große historische Gemälde, glänzende Münzen aus Gold, schimmernde Marmorskulpturen - das sind einige der fast 400 Ausstellungsstücke, die in der Marc-Aurel-Ausstellung zu sehen sein werden. Die Landesausstellung zum römischen Kaiser Marc Aurel bietet viel, um etwas über seine Zeit zu erfahren. Das Rheinische Landesmuseum Trier und das Stadtmuseum Simeonstift wollen die Ausstellung so inklusiv und so barrierefrei wie möglich gestalten.
Auch Menschen, die blind sind, nicht hören können oder im Rollstuhl sitzen, sollen die Ausstellung mit möglichst wenig Einschränkungen erleben können. Deshalb arbeiten vor allem die Museumspädagoginnen an einem Konzept, das alle Sinne anspricht und von dem alle Besucherinnen und Besucher etwas haben und sich wohlfühlen. (Diesen Artikel gibt es auch in leichter Sprache von der Redaktion Tacheles der Lebenshilfe - der link ist unten zu finden)
Angebote sollen allen Menschen Mehrwert bieten
Im Stadtmuseum Simeonstift kümmert sich Dorothée Henschel um das Thema Barrierefreiheit, im Rheinischen Landesmuseum Katharina Ackenheil. Sie haben schon einiges an Erfahrung, was das Thema Barrierefreiheit betrifft, haben sich aber zusätzlich Rat geholt. Im Rheinischen Landesmuseum gab es ein Treffen mit verschiedenen Initiativen und Einrichtungen, unter anderem dem Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Trier und dem Demenzzentrum.
Für uns ist das Mehr-Sinne-Prinzip wichtig.
Schon in den vergangenen beiden Landesausstellungen zu Karl Marx und dem Untergang des Römischen Reiches gab es ganz unterschiedliche Stationen, die verschiedene Sinne angesprochen haben. So soll es auch diesmal in der Marc-Aurel-Ausstellung sein. Zum Beispiel gibt es Hörstationen, auch in leichter Sprache, Videos in Gebärdensprache, Objekte zum Anfassen und Ertasten, Spielstationen nicht nur für Kinder. Texte in leichter Sprache und in Brailleschrift für Blinde und Sehbehinderte gibt es an den Ausstellungsstücken.
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"Für uns ist das Mehr-Sinne-Prinzip wichtig", sagt Museumspädagogin Katharina Ackenheil. "Dass man nicht nur sehen und lesen kann, sondern die Inhalte auch durch Hören oder Ertasten beispielhaft erfahren kann. Diese Angebote sollen möglichst allen Menschen einen Mehrwert bieten, wenn sie die Ausstellung besuchen."
Inklusion und Barrierefreiheit nützt allen
Interessant gestaltete Hörstationen geben allen Menschen, die die Ausstellung besuchen, zusätzliche Eindrücke. Texte oder Audioguides in leichter Sprache sind auch für Menschen hilfreich, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Spielstationen machen nicht nur Kindern Spaß. So spricht die Marc-Aurel-Ausstellung verschiedene Sinne an und der historische Stoff wird auf sehr vielseitige Art und Weise vermittelt.
Für die Marc-Aurel-Ausstellung wird das Leben und Wirken des römischen Kaisers in vielen Ausstellungsräumen wie ein Bühnenbild im Theater inszeniert. Es gibt Licht- und Geräuscheffekte und Videostationen. Manche Menschen fühlen sich damit überfordert, noch dazu, wenn gerade viele Gruppen die Ausstellung besuchen.
Wir wollen zu bestimmten Zeiten eine reizreduzierte Atmosphäre schaffen.
Es gibt Menschen, die fühlen sich von so vielen Eindrücken überfordert. "Das ist für manche Besucherinnen und Besucher eine große Herausforderung", sagt Dorothée Henschel vom Stadtmuseum Simeonstift. "Wir wollen deshalb zu bestimmten Zeiten eine reizreduzierte Atmosphäre schaffen." Als neues Angebot "Silent Museum" bieten die Museen an bestimmten Tagen auch Zeiten an, in denen das Licht etwas gedämpft, Videostationen ausgeschaltet und Geräusche leiser eingestellt sind.
Broschüre speziell für sehbehinderte Menschen
In der Marc-Aurel-Ausstellung soll es sehr viele Objekte geben, die ertastbar sind. Es wird eine Broschüre speziell für blinde und sehbehinderte Menschen gemacht, mit ertastbaren Motiven und Beschreibungen in Brailleschrift sowie kontrastreicher Großschrift. Auch Markierungen mit einem Leitsystem am Boden soll es an wichtigen Punkten geben. Bei Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen werden Ausstellungsstücke wie größere Gemälde genau beschrieben.
Solche Führungen in den beiden Trierer Museen seien immer sehr gut gemacht, sagt Marion Palm-Stalp vom Verein Pro Retina Trier. Vor allen, wenn es Objekte gebe, die man anfassen dürfe. Man müsse aber bedenken, dass nicht alle Menschen, die sehr schlecht sehen, die Brailleschrift beherrschen. Deshalb sei es notwendig, Nummern für Audioguides an erkennbaren Stellen und möglichst groß und kontrastreich anzubringen. Es gebe auch technische Hilfsmittel, mit denen man sich Texte an Ausstellungsstücken vorlesen lassen könne.
Grenzen der Barrierefreiheit in historischen Gebäuden
Ulrich Strobel engagiert sich im Trierer Beirat für Menschen mit Behinderung. Er macht regelmäßig die Erfahrung, dass ein Museumsbesuch für Rollstuhlfahrer anstrengend werden kann, selbst wenn es im Gebäude Aufzüge gibt. Oft sei die Beleuchtung in Ausstellungsräumen nicht günstig für Rollstuhlfahrer und es gebe dadurch für sie unangenehme Spiegelungen auf Ausstellungsstücken oder den Tafeln mit den Erklärtexten.
Blickwinkel von Rollstuhlfahrern
Rollstuhlfahrer hätten nun mal eine andere Perspektive als Fußgänger, sagt Ulrich Strobel. Auf diese Hinweise will das Ausstellungsteam achten, sagen die Museumspädagoginnen, doch teilweise machten die Museen, die Exponate ausleihen, auch strenge Vorgaben. Dabei geht es zum Beispiel um die Beleuchtung, um Glas vor kostbaren Gemälden oder die Art der Vitrinen für Ausstellungsstücke.
Treppe in der Ausstellung
Im Stadtmuseum Simeonstift in Trier gibt es einen großen Aufzug, der zu den beiden Etagen der Ausstellungsräume führt. Doch Rollstuhlfahrer können die Landesausstellung im Stadtmuseum nicht chronologisch ansehen. Am Ende des ersten Ausstellungssaals gehen Fußgänger über eine ziemlich schmale und steile Treppe in den zweiten Ausstellungssaal. Dort geht die Ausstellung dann weiter.
Rollstuhlfahrer müssen an dieser Stelle gegen den Strom der anderen Besucher zum Eingang zurück, um den Aufzug in die obere Etage zu nehmen. Dann müssen sie vom Ende der Ausstellung wieder durch den ganzen oberen Saal zurück der Stelle fahren, wo die Treppe die Fußgänger hinführt. "Das ist schade", meint Ulrich Strobel vom Beirat für Menschen mit Behinderung. Aber durch die baulichen Gegebenheiten des Stadtmuseums lasse es sich nicht lösen.
Barriere-Check von Tacheles
Die Redaktion Tacheles der Lebenshilfe Trier beschäftigt sich oft mit dem Thema Barrierefreiheit. Sie machen regelmäßig Barriere-Checks, waren schon im Moselstadion und im Nordbad. Gemeinsam mit dem SWR-Studio Trier ist so ein Barriere-Check auch in der Marc-Aurel-Landesausstellung geplant.
Mitte Juni wird die Landesausstellung Marc Aurel in Trier eröffnet. Bis zum 23. November sollen möglichst viele Menschen die Ausstellung ohne Probleme ansehen können. Es gibt auch ein vielseitiges barrierefreies und inklusives Rahmenprogramm, unter anderem mit Führungen in Gebärdensprache oder für sehbehinderte und blinde Menschen.