400 Exponate werden ausgestellt

Inklusiv und barrierefrei: Landesausstellung zu Marc Aurel

Die Landesausstellung zum römischen Kaiser Marc Aurel in zwei Trierer Museen soll möglichst barrierefrei sein. Auch wer ein Handicap hat, soll sie ohne Probleme besuchen können.

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Von Autor/in Nicole Mertes

Große historische Gemälde, glänzende Münzen aus Gold, schimmernde Marmorskulpturen - das sind einige der fast 400 Ausstellungsstücke, die in der Marc-Aurel-Ausstellung zu sehen sein werden. Die Landesausstellung zum römischen Kaiser Marc Aurel bietet viel, um etwas über seine Zeit zu erfahren. Das Rheinische Landesmuseum Trier und das Stadtmuseum Simeonstift wollen die Ausstellung so inklusiv und so barrierefrei wie möglich gestalten.

Auch Menschen, die blind sind, nicht hören können oder im Rollstuhl sitzen, sollen die Ausstellung mit möglichst wenig Einschränkungen erleben können. Deshalb arbeiten vor allem die Museumspädagoginnen an einem Konzept, das alle Sinne anspricht und von dem alle Besucherinnen und Besucher etwas haben und sich wohlfühlen. (Diesen Artikel gibt es auch in leichter Sprache von der Redaktion Tacheles der Lebenshilfe - der link ist unten zu finden)

Tragbare Klapphocker als Sitzgelegenheit im Stadtmuseum Simeonstift Trier
In vielen Museen gehören trabgare Sitzgelegenheiten wie diese Klapphocker im Stadtmuseum Trier zum Standard. Bild in Detailansicht öffnen
Spiel- und Kritzelblatt für Kinder im Stadtmuseum Trier
Für viele Ausstellungen entwickelt das Stadtmuseum Trier Spiel- und Kritzelblätter für Kinder. Auch für die Landesausstellung zum römischen Kaiser Marc Aurel sollen solche Blätter entwickelt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Box mit unterschiedlichen Materialien wie Bronze oder Papyrus zum Anfassen
Damit auch sehbehinderte und blinde Menschen Materialien von Ausstellungsstücken ertasten können, hat das Rheinische Landesmuseum Trier verschiedene Stücke zum Anfassen zusammengestellt. Bild in Detailansicht öffnen
Broschüren in leichter Sprache für Trierer Landesausstellungen.
Für Menschen mit kognitiver Einschränkung oder mit geringen Sprachkenntnissen werden für die Landesausstellung zu Marc Aurel in Trier auch Audioguides und Texte in leichter Sprache entwickelt. Bei früheren Trierer Landesausstellungen gab es auch Broschüren in leichter Sprache. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Nachbildung eines römischen Helms zum Anfassen im Stadtmuseum Trier
Ausstellungsstücke, die man anfassen kann, sind in Museen sehr beliebt, nicht nur bei Kindern. Diese Nachbildung eines römischen Helms ist im Stadtmuseum Trier. Auch in der Marc Aurel Landesausstellung soll es solche "Hands on" Objekte geben. Bild in Detailansicht öffnen
Ein ertastbarer Raumplan des Stadtmuseums Trier
Damit auch Menschen mit Sehbehinderung sich im Museum gut zurechtfinden, hat das Stadtmuseum Trier solche ertastbaren Raumpläne entwickelt. Bild in Detailansicht öffnen
Hörstationen in einer Ausstellung des Stadtmusuems Trier
Ein Element in der Landesausstellung Marc Aurel in Trier sind Stationen zum Hören. Wie bei diesem Beispiel aus dem Stadtmuseum sind es kleine atmosphärische Hörstücke, die allen Besuchern zusätzliche Eindrücke zur römischen Geschichte bieten. Bild in Detailansicht öffnen

Angebote sollen allen Menschen Mehrwert bieten

Im Stadtmuseum Simeonstift kümmert sich Dorothée Henschel um das Thema Barrierefreiheit, im Rheinischen Landesmuseum Katharina Ackenheil. Sie haben schon einiges an Erfahrung, was das Thema Barrierefreiheit betrifft, haben sich aber zusätzlich Rat geholt. Im Rheinischen Landesmuseum gab es ein Treffen mit verschiedenen Initiativen und Einrichtungen, unter anderem dem Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Trier und dem Demenzzentrum.

Für uns ist das Mehr-Sinne-Prinzip wichtig.

Schon in den vergangenen beiden Landesausstellungen zu Karl Marx und dem Untergang des Römischen Reiches gab es ganz unterschiedliche Stationen, die verschiedene Sinne angesprochen haben. So soll es auch diesmal in der Marc-Aurel-Ausstellung sein. Zum Beispiel gibt es Hörstationen, auch in leichter Sprache, Videos in Gebärdensprache, Objekte zum Anfassen und Ertasten, Spielstationen nicht nur für Kinder. Texte in leichter Sprache und in Brailleschrift für Blinde und Sehbehinderte gibt es an den Ausstellungsstücken.

Eifel/Mosel/Hunsrück

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"Für uns ist das Mehr-Sinne-Prinzip wichtig", sagt Museumspädagogin Katharina Ackenheil. "Dass man nicht nur sehen und lesen kann, sondern die Inhalte auch durch Hören oder Ertasten beispielhaft erfahren kann. Diese Angebote sollen möglichst allen Menschen einen Mehrwert bieten, wenn sie die Ausstellung besuchen."

Inklusion und Barrierefreiheit nützt allen

Interessant gestaltete Hörstationen geben allen Menschen, die die Ausstellung besuchen, zusätzliche Eindrücke. Texte oder Audioguides in leichter Sprache sind auch für Menschen hilfreich, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Spielstationen machen nicht nur Kindern Spaß. So spricht die Marc-Aurel-Ausstellung verschiedene Sinne an und der historische Stoff wird auf sehr vielseitige Art und Weise vermittelt.

Eine Spielstation als Puzzle im Stadtmuseum Simeionstift Trier
Eine Spielstation im Stadtmuseum Simeonstift in Trier in der Ausstellung zur Geschichte der Stadtmauer. Solche Spielstationen nicht nur für Kinder soll es auch in der Landesausstellung zum römischen Kaiser Marc Aurel in Trier geben.

Für die Marc-Aurel-Ausstellung wird das Leben und Wirken des römischen Kaisers in vielen Ausstellungsräumen wie ein Bühnenbild im Theater inszeniert. Es gibt Licht- und Geräuscheffekte und Videostationen. Manche Menschen fühlen sich damit überfordert, noch dazu, wenn gerade viele Gruppen die Ausstellung besuchen.

Der Raum zur Plünderung Roms in der Landesausstellung 2022
In der Landesausstellung "Der Untergang des Römischen Reichs" 2022 war der Raum über die Plünderung Roms mit Ton- und Lichtelementen sehr eindrucksvoll gestaltet. Solche Ausstellungsräume soll es auch in der Marc Aurel Landesausstellung geben. Nicole Mertes

Wir wollen zu bestimmten Zeiten eine reizreduzierte Atmosphäre schaffen.

Es gibt Menschen, die fühlen sich von so vielen Eindrücken überfordert. "Das ist für manche Besucherinnen und Besucher eine große Herausforderung", sagt Dorothée Henschel vom Stadtmuseum Simeonstift. "Wir wollen deshalb zu bestimmten Zeiten eine reizreduzierte Atmosphäre schaffen." Als neues Angebot "Silent Museum" bieten die Museen an bestimmten Tagen auch Zeiten an, in denen das Licht etwas gedämpft, Videostationen ausgeschaltet und Geräusche leiser eingestellt sind.

Broschüre speziell für sehbehinderte Menschen

In der Marc-Aurel-Ausstellung soll es sehr viele Objekte geben, die ertastbar sind. Es wird eine Broschüre speziell für blinde und sehbehinderte Menschen gemacht, mit ertastbaren Motiven und Beschreibungen in Brailleschrift sowie kontrastreicher Großschrift. Auch Markierungen mit einem Leitsystem am Boden soll es an wichtigen Punkten geben. Bei Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen werden Ausstellungsstücke wie größere Gemälde genau beschrieben.

Eine Broschüre für sehbehinderte und blinde Menschen des Rheinischen Landesmuseums Trier
In der Landesausstellung zum römischen Kaiser Marc Aurel in Trier soll es auch eine Broschüre für sehbehinderte und blinde Menschen geben, so wie dieses Beispiel aus einer früheren Ausstellung.

Solche Führungen in den beiden Trierer Museen seien immer sehr gut gemacht, sagt Marion Palm-Stalp vom Verein Pro Retina Trier. Vor allen, wenn es Objekte gebe, die man anfassen dürfe. Man müsse aber bedenken, dass nicht alle Menschen, die sehr schlecht sehen, die Brailleschrift beherrschen. Deshalb sei es notwendig, Nummern für Audioguides an erkennbaren Stellen und möglichst groß und kontrastreich anzubringen. Es gebe auch technische Hilfsmittel, mit denen man sich Texte an Ausstellungsstücken vorlesen lassen könne.

Grenzen der Barrierefreiheit in historischen Gebäuden

Ulrich Strobel engagiert sich im Trierer Beirat für Menschen mit Behinderung. Er macht regelmäßig die Erfahrung, dass ein Museumsbesuch für Rollstuhlfahrer anstrengend werden kann, selbst wenn es im Gebäude Aufzüge gibt. Oft sei die Beleuchtung in Ausstellungsräumen nicht günstig für Rollstuhlfahrer und es gebe dadurch für sie unangenehme Spiegelungen auf Ausstellungsstücken oder den Tafeln mit den Erklärtexten.

Blickwinkel von Rollstuhlfahrern

Rollstuhlfahrer hätten nun mal eine andere Perspektive als Fußgänger, sagt Ulrich Strobel. Auf diese Hinweise will das Ausstellungsteam achten, sagen die Museumspädagoginnen, doch teilweise machten die Museen, die Exponate ausleihen, auch strenge Vorgaben. Dabei geht es zum Beispiel um die Beleuchtung, um Glas vor kostbaren Gemälden oder die Art der Vitrinen für Ausstellungsstücke.

Treppe in der Ausstellung

Im Stadtmuseum Simeonstift in Trier gibt es einen großen Aufzug, der zu den beiden Etagen der Ausstellungsräume führt. Doch Rollstuhlfahrer können die Landesausstellung im Stadtmuseum nicht chronologisch ansehen. Am Ende des ersten Ausstellungssaals gehen Fußgänger über eine ziemlich schmale und steile Treppe in den zweiten Ausstellungssaal. Dort geht die Ausstellung dann weiter.

Treppe zwischen den Ausstellungsräumen im Stadtmuseum Trier
Diese Treppe verbindet im Stadtmuseum Trier die beiden Ausstellungsräume der Landesausstellung, auch in der Schau zum römischen Kaiser Marc Aurel. Wer im Rollstuhl sitzt, kann die Ausstellung deshalb nicht chronologisch ansehen, sondern muss zurück zum Aufzug. Nicole Mertes

Rollstuhlfahrer müssen an dieser Stelle gegen den Strom der anderen Besucher zum Eingang zurück, um den Aufzug in die obere Etage zu nehmen. Dann müssen sie vom Ende der Ausstellung wieder durch den ganzen oberen Saal zurück der Stelle fahren, wo die Treppe die Fußgänger hinführt. "Das ist schade", meint Ulrich Strobel vom Beirat für Menschen mit Behinderung. Aber durch die baulichen Gegebenheiten des Stadtmuseums lasse es sich nicht lösen.

Barriere-Check von Tacheles

Die Redaktion Tacheles der Lebenshilfe Trier beschäftigt sich oft mit dem Thema Barrierefreiheit. Sie machen regelmäßig Barriere-Checks, waren schon im Moselstadion und im Nordbad. Gemeinsam mit dem SWR-Studio Trier ist so ein Barriere-Check auch in der Marc-Aurel-Landesausstellung geplant.

Mitte Juni wird die Landesausstellung Marc Aurel in Trier eröffnet. Bis zum 23. November sollen möglichst viele Menschen die Ausstellung ohne Probleme ansehen können. Es gibt auch ein vielseitiges barrierefreies und inklusives Rahmenprogramm, unter anderem mit Führungen in Gebärdensprache oder für sehbehinderte und blinde Menschen.

Trier

So wird die Ausstellung gemacht Hinter den Kulissen: Römischer Kaiser Marc Aurel in Trier

Die Landesausstellung zum Römischen Kaiser Marc Aurel in Trier soll eine glanzvolle Schau werden. Hinter den Kulissen arbeiten in den Trierer Museen viele Menschen daran mit.