Der Kampf um den Namen der berühmten Weinlage "Zeller Schwarze Katz" ist noch nicht ganz verloren. Aber Stadtbürgermeister Hans-Peter Döpgen (FWG) klingt nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Koblenz auch nicht gerade optimistisch.
Die Stadt ist mit ihrer Klage erneut gescheitert. Und ob es sich lohnt, den Fall noch ans Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heranzutragen ist fraglich, findet Döpgen: "Das müssen wir noch klären, ob es da rechtlich eine Möglichkeit gibt. Aber, ob die Aussicht auf Erfolg besteht - da möchte ich mal ein dickes Fragezeichen dahinter setzen."
Klar: Begeistert ist der Stadtbürgermeister nicht darüber, dass die Winzer ihre Flaschen künftig mit dem Etikett "Region Schwarze Katz" beziehungsweise "Zeller Region Schwarze Katz" bekleben müssen. "Aber wir müssen das wahrscheinlich hinnehmen, dass sich das Weinbezeichnungsrecht geändert hat", sagt Döpgen.
Ein Markenname in Gefahr
Die Stadt hatte gegen das Land geklagt, um den Namen "Zeller Schwarze Katz" für die Weinlage eintragen zu lassen. Nun muss aber doch das Wort "Region" in den Namen. Ein klarer Nachteil bei der Vermarktung des weltberühmten Weins, finden Winzer. Die Richter am Oberverwaltungsgericht hat dieses Argument allerdings nicht überzeugt.
Sie urteilten, wie auch schon ihre Kollegen am Verwaltungsgericht Koblenz zuvor. Demnach hätten die Weinbauern genug Zeit gehabt, ihre Werbung anzupassen. Außerdem sei der Name "Zeller Schwarze Katz" nach dem geänderten Recht irreführend. Kunden könnten annehmen, dass die "Schwarze Katz" eine Einzellage sei - dabei sei sie eine Großlage.
Für Karlheinz Weis ist das Urteil enttäuschend. Der Winzer aus Zell weiß schon gar nicht mehr, wie oft er die Geschichte von der "Schwarzen Katz" erzählt hat. Fast täglich wird er von seinen Gästen im Weingut darauf angesprochen, woher der Name der bekannten Weinlage stammt.
Der Legende nach geht die Bezeichnung auf Weinhändler zurück, die die Stadt 1863 besucht haben sollen. Nach einer Weinprobe hätten sie entscheiden müssen, welches Fass sie mitnehmen wollen. Da sei "Mori", die schwarze Katze des Winzers ", auf eines der Gebinde gesprungen und habe mit Fauchen und Kratzen versucht, es zu verteidigen.
Die Händler folgerten daraus, dass dieser Wein dann wohl etwas ganz Besonderes sein müsse und kauften ihn. Seitdem wird er unter dem Namen "Zeller Schwarze Katz" verkauft. "Die Gäste finden diese Geschichte spannend und das hilft uns natürlich, den Wein zu vermarkten", sagt Winzer Weis, der in diesem Jahr den Zeller Stadtwein gekeltert hat.
Winzer hält neuen Wein-Namen für "Wortmonster"
Doch mit dem althergebrachten Namen und der Geschichte wird dann wohl bald Schluss sein. Um das zu verstehen, muss man etwas tiefer ins Europäische Weinbezeichnungsrecht einsteigen. Denn das Gesetz, das ab dem Jahrgang 2026 in Kraft tritt, sieht vor, dass Großlagen wie die "Zeller Schwarze Katz" künftig das Wort "Region" im Namen führen müssen.
Das soll die Herkunft der Reben deutlicher machen. Für die Winzer in Zell bedeutet das aber auch, dass sie die bekannte Marke aufgeben müssen, sagt Karlheinz Weis: "Das ist ein Wortmonster - das hat mit dem ursprünglichen Namen gar nichts mehr zu tun."
Stadtbürgermeister: "Schwarze Katz ist Wahrzeichen wie der Eiffelturm"
Stadtbürgermeister Hans-Peter Döpgen (FWG) geht mit seiner Kritik sogar noch weiter: "Die Schwarze Katz ist das Wahrzeichen unserer Stadt. Das wäre so, als ob man Paris den Eiffelturm wegnehmen würde." Tatsächlich begegnet der schwarze Stubentiger dem Besucher in Zell auf Schritt und Tritt - ob als Figur im Kreisverkehr, als Comiczeichnung in einem Schaufenster oder in den Vitrinen im Heimatmuseum.
"Die Stadt lebt die Schwarze Katz seit mehr als 160 Jahren", sagt Döpgen, der in Zell aufgewachsen ist. Doch nicht nur die Tradition spricht aus Sicht des Stadtbürgermeisters für den alten Namen, sondern auch die Wirtschaft: "Eine Marke ist das Wesen eines wirtschaftlichen Erfolges. Mit einem neuen Namen haben wir ein neues Produkt, mit dem unsere internationalen Kunden in China oder Südkorea nichts anfangen können."
Bernkasteler Winzer kämpfen um guten Namen der "Badstube"
Deswegen hatte die Stadt Zell zunächst vor dem Verwaltungsgericht Koblenz gegen das Land geklagt, verloren und dann Berufung eingelegt. Und jetzt wieder verloren. Doch es gibt noch einen ganz anderen Weg, der den Zellern offen steht, um ihre Weinmarke zu schützen: Sie könnten den Namen "Zeller Schwarze Katz" als geschützte Ursprungsbezeichnung auf EU-Ebene eintragen lassen. Damit könnte er weiterhin prominent genutzt werden. "Das erwägen wir auf jeden Fall auch", sagt Döpgen.
Der Prozess wurde von der Weinszene genau beobachtet. Denn die "Zeller Schwarze Katz" könnte jetzt zum Präzedenzfall werden. Auch in anderen Moselorten kämpfen Winzer für die alten Namen ihrer Weinberge - zum Beispiel in Bernkastel-Kues.
Dort haben sich mehrere renommierte Weingüter zusammengetan und beim rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium beantragt, die Großlage "Badstube" aufzulösen, um daraus eine Einzellage zu machen. Denn dann müsste die "Badstube" künftig nicht "Region Badstube" heißen. Man wollte aber erst abwarten, wie der Rechtsstreit der Stadt Zell ausgeht.