Tagsüber hört man Motorräder, die auf der nahen Landstraße vorbeirasen, nachts quaken die Frösche. Denn wo früher Hecht und Flußbarsch im Wasser des Neuenweihers schwammen, ist jetzt der perfekte Lebensraum für Amphibien entstanden.
Das ist ein sehr schönes Gefühl.
Verantwortlich ist die Flut 2021, indirekt. Und Alexander Pick, direkt. Der studierte Forstökologe und Anwärter beim Forstamt Gerolstein hat das Projekt in Neustraßburg betreut. Dass aus so etwas Schrecklichem wie der Flut etwas Gutes, ein neuer Lebensraum, entstanden ist, ist für ihn: "Ein sehr schönes Gefühl. Mir ist der Naturschutz sehr wichtig."
Lösung für neues Hochwasser gesucht
Schützenswerte Natur gab es hier schon vor 2021. Der Neuenweiher aber wurde einst künstlich angelegt, berichtet Pick. Eigentlich bestand er aus zwei einige Meter tiefen Teichen, die in der Mitte durch einen Deich getrennt und außen von einem Damm geschützt wurden.
Doch beim Starkregen vor vier Jahren lief der Weiher so voll, dass der Damm des unteren Teichs brach. Nach den Aufräumarbeiten musste überprüft werden: "Was können wir machen, damit diese Wassermassen nicht mehr schlagartig ins Tal runterfließen, sollte noch mal der Damm brechen?", erklärt Pick.
Das Forstamt hat also die Teiche zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde untersucht. Ein Ergebnis: In einem der Teiche kamen viele Räuber wie Hechte und Barsche und nur wenige Amphibien vor. Weil aber Teichfrosch und Erdkröte in der Umgebung nachgewiesen wurden, hat das Gutachten gesagt, dass für sie ein besserer Lebensraum geschaffen werden sollte.
Herausforderungen für den Bagger
Also wurde der gebrochene Damm nicht wieder aufgebaut und so der bei der Flut leer gelaufene Teich auch nicht wieder angestaut. Stattdessen hatte Alexander Pick zusammen mit einem Baggerfahrer freie Hand, etwas Neues zu schaffen. Das Ziel: Flache Gewässer, in denen Fische nicht überleben können, Frösche, Kröten und Molche aber sehr wohl.
Also machten sie sich ans Werk, drei Löcher auszuheben, kleine Herausforderungen inklusive: "Der Bagger ist an einer Stelle fast abgesackt, weil es so schlickig war. Als er mit der Schaufel getastet hat, wo er fahren kann, hat der ganze Boden gewackelt", erinnert sich Pick lachend.
Amphibien brauchen flaches Wasser
Entstanden sind drei 100, 150 und 200 Quadratmeter große, stehende Gewässer, die so flach sind, dass man leicht auf den Boden schauen kann. "Das Flachwasser erwärmt sich schneller. Steigt die Temperatur für die Amphibien, werden sie auch agiler und laichen schneller."
Die kleinen Anlagen haben außerdem keine Verbindung mehr zum Katzbach, der vorher durch beide Teiche hindurchfloss, sodass Frösche und Kröten Ruhe vor den Raubfischen haben.
Pflanzen erobern Lebensraum zurück
Und auch für den Hochwasserschutz wurde etwas getan: Die Überläufe des Deiches, der nun den übrig gebliebenen Teich begrenzt, wurden abgesenkt, sodass sich darin bei Starkregen nicht mehr so viel Wasser stauen kann.
Rund um die Teiche erobert sich die Natur das zurück, was einst von Wasser bedeckt war. Weiden wachsen dort, die zum Beispiel für Bienen wichtig sind. Oder Erlen: "Die sind der Anfang des Lebenskreislaufs im Gewässer", erklärt der Forstökologe.
In den Blättern der Erle legen nämlich der Bachflohkrebs und die Köcherfliegenlarve ihre Eier ab: "Und davon ernähren sich wieder andere Tiere."
Hoffnung auf noch mehr Amphibien
Im Moment sei nicht die Zeit, in der sich Frösche tagsüber zeigen: "Aber vor drei Wochen war ich hier, da sind hier ganz viele kleine Frösche rumgelaufen."
Ohne die Gefahr von Räubern in den kleinen Gewässern, hofft das Forstamt Gerolstein, dass bald noch mehr Amphibien dazu kommen.
Wir wollen eine Artenvielfalt haben.
Zum Beispiel Bergmolche und Fadenmolche: "Weil es eine gute Lebensgrundlage für verschiedene Amphibien gibt, ist es möglich, hier in fünf bis zehn Jahren noch mehr Arten zu finden."
Alexander Pick jedenfalls kann das kaum erwarten: "Wir wollen ja eine Artenvielfalt haben und kein Artensterben. Deswegen ist es einfach wichtig, dass im und am Gewässer viele verschiedene Insekten und Amphibien leben."