Nach Dammbruch 2021 in Neustraßburg

Chance nach der Flut: Ein Paradies für Amphibien in der Eifel

Bei der Jahrhundertflut 2021 brach der Damm des Neuenweihers. Danach fand man heraus: Baut man den Damm nicht wieder auf, könnte daraus ein neues Biotop entstehen. Gesagt, getan.

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Von Autor/in Anna-Carina Blessmann

Tagsüber hört man Motorräder, die auf der nahen Landstraße vorbeirasen, nachts quaken die Frösche. Denn wo früher Hecht und Flußbarsch im Wasser des Neuenweihers schwammen, ist jetzt der perfekte Lebensraum für Amphibien entstanden.

Das ist ein sehr schönes Gefühl.

Vom Neuenweiher ist nur noch ein Teich (rechts im Bild) übrig, aus dem anderen sind drei flache Gewässer geworden, den Rest holt sich die Natur zurück.
Vom Neuenweiher ist nur noch ein Teich (rechts im Bild) übrig, aus dem anderen sind drei flache Gewässer geworden, den Rest holt sich die Natur zurück.

Verantwortlich ist die Flut 2021, indirekt. Und Alexander Pick, direkt. Der studierte Forstökologe und Anwärter beim Forstamt Gerolstein hat das Projekt in Neustraßburg betreut. Dass aus so etwas Schrecklichem wie der Flut etwas Gutes, ein neuer Lebensraum, entstanden ist, ist für ihn: "Ein sehr schönes Gefühl. Mir ist der Naturschutz sehr wichtig."

Im Internet ist der Neuenweiher noch so abgebildet, wie er ursprünglich aussah: Aufgeteilt in zwei Teiche, in denen Fische besser überlebten als Amphibien.
Im Internet ist der Neuenweiher noch so abgebildet, wie er ursprünglich aussah: Aufgeteilt in zwei Teiche, in denen Fische besser überlebten als Amphibien.

Lösung für neues Hochwasser gesucht

Schützenswerte Natur gab es hier schon vor 2021. Der Neuenweiher aber wurde einst künstlich angelegt, berichtet Pick. Eigentlich bestand er aus zwei einige Meter tiefen Teichen, die in der Mitte durch einen Deich getrennt und außen von einem Damm geschützt wurden.

Doch beim Starkregen vor vier Jahren lief der Weiher so voll, dass der Damm des unteren Teichs brach. Nach den Aufräumarbeiten musste überprüft werden: "Was können wir machen, damit diese Wassermassen nicht mehr schlagartig ins Tal runterfließen, sollte noch mal der Damm brechen?", erklärt Pick.

Nur einer der beiden tiefen Teiche des Neuenweihers ist übrig geblieben. Dort leben auch noch Fische.
Nur einer der beiden tiefen Teiche des Neuenweihers ist übrig geblieben. Dort leben auch noch Fische.

Das Forstamt hat also die Teiche zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde untersucht. Ein Ergebnis: In einem der Teiche kamen viele Räuber wie Hechte und Barsche und nur wenige Amphibien vor. Weil aber Teichfrosch und Erdkröte in der Umgebung nachgewiesen wurden, hat das Gutachten gesagt, dass für sie ein besserer Lebensraum geschaffen werden sollte.

Teichfrösche wie dieser leben am Neuenweiher und haben jetzt einen geschützten Lebensraum.
Teichfrösche wie dieser leben am Neuenweiher und haben jetzt einen geschützten Lebensraum.

Herausforderungen für den Bagger

Also wurde der gebrochene Damm nicht wieder aufgebaut und so der bei der Flut leer gelaufene Teich auch nicht wieder angestaut. Stattdessen hatte Alexander Pick zusammen mit einem Baggerfahrer freie Hand, etwas Neues zu schaffen. Das Ziel: Flache Gewässer, in denen Fische nicht überleben können, Frösche, Kröten und Molche aber sehr wohl.

Das Wasser in den neuen Teichen ist so flach, dass Fische keine Chance haben und Amphibien gut laichen können.
Das Wasser in den neuen Teichen ist so flach, dass Fische keine Chance haben und Amphibien gut laichen können.

Also machten sie sich ans Werk, drei Löcher auszuheben, kleine Herausforderungen inklusive: "Der Bagger ist an einer Stelle fast abgesackt, weil es so schlickig war. Als er mit der Schaufel getastet hat, wo er fahren kann, hat der ganze Boden gewackelt", erinnert sich Pick lachend.

Amphibien brauchen flaches Wasser

Entstanden sind drei 100, 150 und 200 Quadratmeter große, stehende Gewässer, die so flach sind, dass man leicht auf den Boden schauen kann. "Das Flachwasser erwärmt sich schneller. Steigt die Temperatur für die Amphibien, werden sie auch agiler und laichen schneller."

Die Gewässeranlagen, wie diese größte der drei, haben keine Verbindung mehr zum Katzbach. Der fließt wieder in seinem natürlichen Bett daran vorbei. Dort, wo im Hintergrund Schilf zu sehen ist.
Die Gewässeranlagen, wie diese größte der drei, haben keine Verbindung mehr zum Katzbach. Der fließt wieder in seinem natürlichen Bett daran vorbei. Dort, wo im Hintergrund Schilf zu sehen ist.

Die kleinen Anlagen haben außerdem keine Verbindung mehr zum Katzbach, der vorher durch beide Teiche hindurchfloss, sodass Frösche und Kröten Ruhe vor den Raubfischen haben.

Nicht nur Amphibien, sondern auch Insekten wie diese Libelle haben in den neuen Gewässern ihre Heimat gefunden.
Nicht nur Amphibien, sondern auch Insekten wie diese Libelle haben in den neuen Gewässern ihre Heimat gefunden.

Pflanzen erobern Lebensraum zurück

Und auch für den Hochwasserschutz wurde etwas getan: Die Überläufe des Deiches, der nun den übrig gebliebenen Teich begrenzt, wurden abgesenkt, sodass sich darin bei Starkregen nicht mehr so viel Wasser stauen kann.

Für den Hochwasserschutz ist auch gesorgt: Sollte der übrig gebliebene große Teich rechts sich stark mit Wasser füllen, könnte er über den Überlauf aus Steinen jetzt besser ablaufen.
Für den Hochwasserschutz ist auch gesorgt: Sollte der übrig gebliebene große Teich rechts sich stark mit Wasser füllen, könnte er über den Überlauf aus Steinen jetzt besser ablaufen.

Rund um die Teiche erobert sich die Natur das zurück, was einst von Wasser bedeckt war. Weiden wachsen dort, die zum Beispiel für Bienen wichtig sind. Oder Erlen: "Die sind der Anfang des Lebenskreislaufs im Gewässer", erklärt der Forstökologe.

In den Blättern der Erle legen nämlich der Bachflohkrebs und die Köcherfliegenlarve ihre Eier ab: "Und davon ernähren sich wieder andere Tiere."

Die Erle, der grüne Busch, hat sich selbst angesät und bildet nun die Lebensgrundlage für Insekten.
Die Erle, der grüne Busch, hat sich selbst angesät und bildet nun die Lebensgrundlage für Insekten.

Hoffnung auf noch mehr Amphibien

Im Moment sei nicht die Zeit, in der sich Frösche tagsüber zeigen: "Aber vor drei Wochen war ich hier, da sind hier ganz viele kleine Frösche rumgelaufen."

Auch die Erdkröte wurde im Neuenweiher nachgewiesen und hat jetzt einen neuen, für sie idealen Lebensraum erhalten.
Auch die Erdkröte wurde im Neuenweiher nachgewiesen und hat jetzt einen neuen, für sie idealen Lebensraum erhalten.

Ohne die Gefahr von Räubern in den kleinen Gewässern, hofft das Forstamt Gerolstein, dass bald noch mehr Amphibien dazu kommen.

Wir wollen eine Artenvielfalt haben.

Zum Beispiel Bergmolche und Fadenmolche: "Weil es eine gute Lebensgrundlage für verschiedene Amphibien gibt, ist es möglich, hier in fünf bis zehn Jahren noch mehr Arten zu finden."

Auch diese Plattbauchlibelle hat das Amphibienbiotop als ihren Lebensraum angenommen. In den nächsten Jahren sollen noch Molche dazu kommen.
Auch diese Plattbauchlibelle hat das Amphibienbiotop als ihren Lebensraum angenommen. In den nächsten Jahren sollen noch Molche dazu kommen.

Alexander Pick jedenfalls kann das kaum erwarten: "Wir wollen ja eine Artenvielfalt haben und kein Artensterben. Deswegen ist es einfach wichtig, dass im und am Gewässer viele verschiedene Insekten und Amphibien leben."

Weidenbach

Projekt in der Eifel Wie aus alten Löschteichen Biotope werden können

Frösche und Molche finden immer weniger Lebensraum. Dabei lässt sich günstig neuer schaffen, etwa in den alten Löschteichen der Feuerwehren - so wie in Weidenbach in der Eifel.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz