Nächste Generation im Karneval

Zum ersten Mal in der Bütt: junge Triererin sorgt für frischen Wind

Die 31-jährige Bärbel Ellwanger begeistert bei ihrem Debüt als Büttenrednerin und bringt frischen Wind in den Trierer Karneval. Ein Jahr lang hat sie an ihrer Rede gearbeitet.

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Von Autor/in Jana Hausmann

Mit geflochtenen, zur Seite abstehenden Zöpfen, grünen und orangefarbenen Kniestrümpfen und gelbem Kleid hüpft Bärbel Ellwanger als Pipi Langstrumpf in großen Sprüngen über die Bühne der Trierer Europahalle.

Locker und satirisch spricht sie über bundespolitische Themen wie den Asylgipfel, hohe Grundsteuern oder die Reformpläne der Bundesregierung. Auch Trierer Probleme nimmt sie aufs Korn – etwa mit dem Spruch: "In Trier ist alles römisch, nur die Straßen sind germanisch, weil die Schlaglöcher so tief sind, als ob man auf Hannibals Elefanten reitet."

Bärbel Ellwanger als Pipi Langstrumpf mit ihrer Büttenrede auf der Bühne der KG Heuschreck.
Bärbel Ellwanger als Pipi Langstrumpf mit ihrer Büttenrede auf der Bühne der KG Heuschreck.

Die 31-Jährige steht zum ersten Mal als Büttenrednerin auf der Bühne, doch von Aufregung ist nichts zu spüren. Bereits im vergangenen Jahr fragte der Verein, ob sie sich diesen Schritt zutraut. Für Bärbel, die seit 20 Jahren Mitglied der KG Heuschreck ist und bereits in der Garde sowie der Showtanzgruppe auftrat, war klar: Sie nimmt die Herausforderung an.

Büttenrede schreiben: Keine leichte Sache

Doch anders als beim Tanz in der Gruppe steht man in der Bütt allein im Fokus. Um sich perfekt vorzubereiten, holte sie sich deshalb Unterstützung von einem erfahrenen Heuschreck-Büttenredner, der das Publikum genau kennt und einschätzen kann, was ankommt. "Er konnte drüber lesen und sagen ob der Text zu einfach, zu schwer oder zu trierisch fürs Publikum ist und mir einfach sehr gute Kritik geben", erzählt sie.

Es war schwer, für die Bütt zu schreiben

Ein Jahr lang hat sie an ihrer Rede gearbeitet, die letzten zwei Monate besonders intensiv, um aktuelle Themen einzubinden. "Es war schwer, für die Bütt zu schreiben, weil ich ständig daran dachte, dass es lustig sein muss. Das war meine größte Sorge", gibt sie offen zu.

Vor dem Auftritt war die Aufregung groß. Nach dem Bütt-Debüt ist Bärbel stolz und erleichtert.
Vor dem Auftritt war die Aufregung groß. Nach dem Bütt-Debüt ist Bärbel stolz und erleichtert.

Das ist durchaus nachvollziehbar. In Zeiten, in denen auf verschiedensten Social-Media-Kanälen lustige Inhalte am laufenden Band über die Bildschirme von Smartphones flimmern, kann es durchaus eine Herausforderung sein, selbst Witze oder humorvolle Texte zu schreiben. Das könnte vor allem viele junge Leute abhalten, den Schritt in die Bütt zu wagen, glaubt Bärbel Ellwanger.

Anspruchsvolles Publikum

Denn das Publikum ist anspruchsvoll. Zünden die Gags nicht, besteht die Gefahr die Aufmerksamkeit des Publikums zu verlieren. Dann wird es unruhig im Saal. Dagegen anzureden und mit der Bütt zu zeigen, dass Karneval weit mehr zu bieten hat als Musik, Schunkel- und Tanzeinlagen ist nicht einfach.

Die Bütt ist wie ein Sprung ins kalte Wasser.

Nachwuchs zu finden, ist deshalb schwierig, sagt Sitzungspräsident Alexander Houben: "Die Bütt ist wie ein Sprung ins kalte Wasser – ganz oder gar nicht. Fehler kann man sich kaum leisten." Bärbel Ellwanger war sich dessen bewusst. Ihr Fazit aus der Vorbereitung: "Man muss hinter dem stehen, was man sagt. Der Rest kommt von allein."

Gelungene Premiere in der Trierer Bütt

Bei ihrem Premierenauftritt meisterte sie kleine Texthänger souverän und genoss den Moment vor hunderten Karnevalisten in vollen Zügen. Ihr Tipp für Neulinge: "Einfach mal ausprobieren! Als letztes Jahr jemand ausfiel, bin ich spontan eingesprungen und habe ein paar Sätze gesagt. Das hat mir den Kick gegeben."

Bereut hat sie diesen Schritt nicht. Zwei weitere Auftritte als satirische Pippi Langstrumpf stehen bei den nächsten Heuschreck-Sitzungen an. Bis dahin will sie ihren Auftritt analysieren, Kritik einholen und sich weiter verbessern.

Der tollste Moment war, dass von Anfang an das Publikum dabei war.

Auf ihren gelungenen Einstand in der Bütt ist sie dennoch stolz: "Der tollste Moment war, dass von Anfang an das Publikum dabei war und mitgemacht hat. Ich dachte: 'Oh Gott, die machen ja mit, damit habe ich gar nicht gerechnet' und das war wirklich so der schönste Moment."

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Autor/in
Jana Hausmann
Jana Hausmann ist multimediale Reporterin im SWR Studio Trier

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