- Überflutung in Jünkerath
- Fluthilfe vom Land kommt nicht an
- Kordel kämpft noch mit den Folgen der Flut
- Psychische Belastung durch die Flut
- Hoffnung und Gasversorgung für Trier-Ehrang
Jünkerath 2021 unter Wasser
Als die Wassermassen am Nachmittag des 14. Juli 2021 über die Region hereinbrechen, ist Jünkerath einer der ersten Orte, die überflutet werden. Der Kreis Vulkaneifel ruft am Abend den Katastrophenfall aus - als erster.
Auch Johannes Dreimüller aus Jünkerath erlebt damals die Flut. Er hat unserer Reporterin in den Regionalnachrichten des Studios Trier vom Schrecken des Hochwassers berichtet, aber auch vom Zusammenhalt, der danach in seiner Straße entstanden ist.
Von den Wassermassen überrascht
So sitzt er, als das Hochwasser in der Flutnacht kommt, gerade mit seiner Frau vor dem Fernseher. Dann fällt der Strom aus, aber: "Ich dachte, das wäre nichts Großes." Als er dann im Keller nach dem Rechten schauen will, steht ihm das Wasser bereits bis zu den Knien, erinnert er sich.
Später vom Balkon aus, sehen er und seine Frau dann, wie viel Wasser wirklich auf den Straßen und rund um ihr Haus steht. Noch in der Nacht ruft er die Versicherung an, um den Schaden zu melden. "Das war ein Glücksfall: Als ich später dort angerufen habe, hieß es immer, sie seien überlastet, hätten zu viel Arbeit und wir müssten uns gedulden."
Froh über schnelle Hilfe
Am nächsten Tag beginnen die Aufräumarbeiten. Die Feuerwehr kümmert sich schnell um die betroffenen Häuser, erzählt Dreimüller. Der Ortsbürgermeister kommt in jedes Haus und kümmert sich, erkundigt sich nach den Bewohnern. "Uns ist sehr viel geholfen worden", erinnert sich Johannes Dreimüller. Auch die Soforthilfe vom Land sei zügig geflossen, im Baumarkt habe es zudem Rabatt für Werkzeuge gegeben.
Doch die Flut bringt für die Dreimüllers nicht nur Zerstörung. Schon immer habe es einen guten Zusammenhalt gegeben und jedes Jahr ein Nachbarschaftstreffen. Durch die Flut lernt er aber auch die neuen Nachbarn besser kennen: "Dadurch, dass das Wasser kam und wir uns einander geholfen haben, sind wir uns näher gekommen".
Ort reagiert schnell, das Land nur schleppend
Weiter geht die Tour in den Üxheimer Ortsteil Niederehe. Denn in der Region Trier gibt es damals nicht das eine Katastrophengebiet an einem Fluss. Sondern viele kleine Orte von Norden bis Süden, an denen Flüsse und Bäche über die Ufer treten oder das Wasser über Hänge kommt.
Wie der Niedereher Bach. Rund eine Stunde bleibt Ralf Hinterkeuser damals, um die Kinder und den Hund aus seinem Haus direkt am Bach in Sicherheit zu bringen. Kurz darauf steht das Wasser auf Brusthöhe.
Hochwasser zerstört das Haus
20 Jahre lang hatte die Familie das Haus zuvor kernsaniert – das Schlafzimmer ist gerade sechs Wochen alt. "Das Schlimmste war das Heizöl, das hat das Haus komplett zerstört", erinnert sich Hinterkeuser. Der Ölgeruch hängt noch heute in den Wänden.
Mittlerweile hat die Familie ein neues Niedrigenergiehaus auf dem Berg gebaut. Das kann nicht mehr überschwemmt werden. Die Gemeinde unterstützte nach eigenen Angaben, indem sie eine Wiese zum Bauland umwidmete.
Fluthilfe vom Land kommt nicht an
Auf finanzielle Unterstützung vom Land wartet Ralf Hinterkeuser bis heute. 2022 habe er einen Antrag für einen Wiederaufbau an anderer Stelle gestellt - bis heute sei das Geld aber nicht da.
Zunächst habe ein Mitarbeiter der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) ihm gesagt, welche Angaben er für den Antrag machen muss. Nachdem dieser versetzt wurde, habe es neue Anweisungen der Bank gegeben.
Heute frage ein Architekt und Gutachter im Auftrag der Familie jeden Monat nach, wann der Antrag bewilligt wird. Die ISB sagt, dass im Kreis Vulkaneifel alle Anträge für Hausrat bewilligt worden seien. Auch die Soforthilfen für Gebäude seien alle geflossen.
Keine Hinweise, wie lang es noch dauert
Hinterkeuser sagt, das betreffe nicht seinen Antrag auf Wiederaufbau an andere Stelle. Er werde von der ISB immer wieder vertröstet, er müsse sich gedulden.
Wir haben auch Angst, dass wir, wie viele andere, in den finanziellen Ruin geraten.
"Wir haben auch Angst, dass wir, wie viele andere, in den finanziellen Ruin geraten", sagt Hinterkeuser. Das neue rheinland-pfälzische Kommunalministerium hat eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich Betroffene wenden können. Ralf Hinterkeuser will das versuchen und jede Möglichkeit wahrnehmen.
Kordel wird nie wieder das alte sein
Dass es voran geht, hofft auch der Bürgermeister von Kordel, Medard Roth. Er berichtet dem SWR, dass auch heute noch vieles im Argen liegt. Damals werden unter anderem Bürgerhaus, Jugendvereinshaus, Feuerwehr, Kindergarten und Bahnhof schwer beschädigt. Roth schätzt den Schaden auf 60 Millionen Euro.
Der Wiederaufbau laufe nur schleppend. Medard Roth ist seit 27 Jahren Ortsbürgermeister von Kordel und bekommt die Bilder der Flutnacht nicht mehr aus dem Kopf. Er glaubt, dass nichts mehr so wird, wie es mal war: "Seit Jahren suche ich einen Bäcker für das Dorf, einen Metzger. Hier will niemand mehr hin."
Da komme ich mir ziemlich einsam, verlassen und im Stich gelassen vor.
Resignation in Kordel
Er ist verärgert, vor allem über Entscheidungsträger: "Da komme ich mir ziemlich einsam, verlassen und im Stich gelassen vor." Ein Beispiel sei der Kindergarten. Zwar konnte ein Interims-Kindergarten gebaut werden, aber der richtige Kindergarten wird noch Jahre auf sich warten lassen, glaubt Roth.
"Die Fluthilfe zieht sich da raus, alle ziehen sich raus. Seit vier Jahren prüft das Land hier mit Gutachtern.“ Wirklich getan, habe sich kaum etwas. Bisher sei er mit seinen Anliegen eher vertröstet worden.
Traumatisierte Menschen nach der Flut
Die Flut hat für viele Betroffene auch psychische Folgen, bestätigt Hannah Lenz von der Caritas. Auch heute, fünf Jahre nach der Katastrophe, kommen Menschen in die psychosoziale Beratung der Caritasstellen in der Region, weil sie die Erlebnisse der Flut immer noch schwer belasten.
"Auf einmal ist der Lebensraum zerstört, das Zuhause mit allen Erinnerungen. Und damit sind die Betroffenen tagtäglich konfrontiert." Die Menschen seien danach in eine Art Funktionsmodus verfallen, sagt Hannah Lenz.
Betroffene haben Angst, dass es wieder passieren könnte.
Während sie zahlreiche Herausforderungen meistern mussten, seien Gefühle und Bedürfnisse zurückgestellt worden. Teilweise bis heute. Das sei nicht nur eine enorme psychische Belastung, sondern könne auch zu Depressionen führen.
Dazu komme die Angst der Betroffenen: "Angst, wenn es regnet, wenn Pegelstände steigen. Angst, dass es wieder passieren könnte. Dazu die Erinnerungen von damals. Die Erinnerungen, die bleiben."
Viel Zusammenhalt nach der Flut in Trier-Ehrang
In Trier-Ehrang tritt die Kyll überraschend am 15. Juli 2021 über die Ufer. Der Stadtteil inklusive Krankenhaus muss evakuiert werden, vieles wird zerstört.
In dem Ort ist der Zusammenhalt nach der Flut gewachsen. Das ist vor allem vielen kleineren Projekten zu verdanken, die mit Flutgeldern finanziert werden konnten. Darunter auch ein Plaudercafé, in dem sich die Menschen einmal im Monat zum Kaffeetrinken und Kuchenessen treffen.
Die Einsamkeit ist ein großes Thema, gerade bei den älteren Menschen.
"Die Einsamkeit ist ein großes Thema, gerade bei den älteren Menschen", sagt Melanie Bergweiler von der Gemeinwesenarbeit Ehrang Palais e.V..
Dagegen helfen sollen zahlreiche Angebote wie ein Mittagstisch der Pfarrei, ein Trauercafé der evangelischen Gemeinde und vieles mehr. Auch Sportangebote gibt es auf der nach der Flut errichteten Außenanlage. All das ist nur möglich, weil alle Organisationen im Ort zusammenarbeiten, sagt Bergweiler.
Problematisch ist jedoch, dass die Flutgelder für viele Projekte auslaufen. Bergweiler hofft, dass die Projekte durch Ehrenamtliche weitergeführt werden können.
Biogas-Anlage für Trier-Ehrang
Und noch etwas Neues entsteht in Trier-Ehrang: Aus der ehemaligen Kläranlage soll eine moderne Biogas-Anlage werden. Davon sollen irgendwann die Menschen im Ort profitieren, die neue Gasanschlüsse bekommen haben, nachdem die Flut ihre Ölheizungen zerstört hatte.
Zwar soll das CO2-neutrale Biogas laut Stadtwerken Trier (SWT) in das öffentliche Netz eingespeist werden. Rein rechnerisch könnte die Anlage aber den ganzen Stadtteil versorgen.
Weil die Gaspreise international schwanken und fossiles Gas immer teurer werde, sind sich die Stadtwerke sicher, dass sie mit der Anlage die Preise regional stabil halten können. Wann sie allerdings fertig wird und in Betrieb gehen kann, ist noch unklar.