Nachbarn treffen sich zum "Flutcafé" in Jünkerath

Gute Laune, statt Trauer: Eifeler blicken mit Straßenfest auf Hochwasser zurück

Die Flut im Jahr 2021 hat Jünkerath in der Vulkaneifel schwer getroffen. Danach haben sich viele gegenseitig geholfen. Anwohner erinnern jedes Jahr mit einem Straßenfest daran.

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Von Autor/in Daniel Novickij

Kuchen und Gebäck auf einem gedeckten Tisch. Kaffee wird eingeschenkt, Milch gereicht und mit einem Glas Sekt angestoßen. Es wird viel gelacht und über alles Mögliche gesprochen. So sieht es aus, wenn Ewelina Szczesniewska mit ihrem Ehemann Paul ihre Nachbarn aus der Straße 'Römerwall' in Jünkerath zu sich einlädt.

Anwohner in Jünkerath in der Eifel veranstalten nach Hochwasser im Jahr 2021 ein Straßenfest.
Bis zu 20 Anwohner in Jünkerath kommen jedes Jahr zusammen, um sich gemeinsam an das Hochwasser zu erinnern. Johannes Dreimüller

Was zunächst nach einer Geburtstagsfeier klingt, hat einen tragischen Hintergrund. Die Anwohner erinnern mit ihrem Straßenfest jedes Jahr an das Hochwasser von 2021. "Wir haben es deshalb Flutcafé genannt", sagt Szczesniewska. Sie haben es bisher immer am Jahrestag der Flut veranstaltet. In diesem Jahr wollen sie es im Herbst nachholen. "Dieses Mal sind wir zu diesem Zeitpunkt im Urlaub", so die Eiflerin weiter.

Straßenfest soll an Hochwasser in der Eifel erinnern

Die Idee für das Flutcafé ist nur wenige Stunden zufällig nach der Katastrophe entstanden. "Ein Helfer hatte in unserem Gefrierschrank Fleisch entdeckt und dann vorgeschlagen, das wir grillen sollten. Es wäre schade gewesen, das Fleisch wegzuwerfen", berichtet die 36-Jährige.

Ewelina Szczesniewska lädt ihre Nachbarn in Jünkerath in der Eifel seit dem Hochwasser zum Straßenfest ein.
Ewelina Szczesniewska aus Jünkerath lädt ihre Nachbarn jedes Jahr zum "Flutcafé" zu sich ein.

Sie war davon wenig begeistert: "Ich hatte keine Lust und Kraft dafür. Wir hatten zuvor eine schlaflose Nacht", erinnert sich Szczesniewska. Der Helfer hatte sie aber schließlich überzeugt. Sie hatte daraufhin ihre Nachbarn zu sich eingeladen. Und das kam gut an: "Jeder hat etwas mitgebracht und dann haben wir gegrillt. Das war ein schönes Erlebnis, das uns allen gefallen hat." Das war die Geburtsstunde des Flutcafés in Jünkerath.

Straße in Jünkerath stark vom Hochwasser betroffen

Die Nachbarn schauen dabei immer gemeinsam auf den Tag der Flut zurück. Anwohner Johannes Dreimüller erinnert sich gut daran: "Wir waren auf dem Balkon und haben gesehen, wie Autoreifen, Packungen Zucker und Kaffee durch unseren Garten geschwommen sind". Kein Strom. Das Telefon ging auch nicht. "Wir wussten nicht, was wir machen sollten. Es war zum Heulen", erzählt der 78-Jährige.

Hochwasser überschwemmte in Jünkerath in der Eifel viele Gärten.
Das Hochwasser vor fünf Jahren überschwemmte in Jünkerath viele Grundstücke. Auch die Zugstrecke, die dort vorbeiführt, war betroffen. Johannes Dreimüller Bild in Detailansicht öffnen
In Jünkerath in der Eifel waren viele Häuser vom Hochwasser betroffen.
In Jünkerath in der Eifel waren viele Häuser vom Hochwasser betroffen. Johannes Dreimüller Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Straße "Römerwall" in Jünkerath in der Eifel wurde vom Hochwasser erfasst.
Auch die Straße "Römerwall" in Jünkerath wurde vom Hochwasser erfasst. Johannes Dreimüller Bild in Detailansicht öffnen
Die Feuerwehr pumpt nach dem Hochwasser in Jünkerath in der Eifel Wasser ab.
Die Feuerwehr im Einsatz: Wasser wird aus den Gärten der Anwohner abgepumpt. Johannes Dreimüller Bild in Detailansicht öffnen
Das Hochwasser vor fünf Jahren soll in Erinnerung bleiben: Kleine Schilder erinnern in Jünkerath in der Eifel an die Katastrophe.
Das Hochwasser vor fünf Jahren soll in Erinnerung bleiben: Kleine Schilder erinnern in Jünkerath an die Katastrophe. Johannes Dreimüller Bild in Detailansicht öffnen

Daniela Scheele wohnt und arbeitet in Köln. In Jünkerath hat sie ein Ferienhaus. Das war auch vom Hochwasser betroffen. Die Katastrophe konnte sie nur aus der Ferne verfolgen. "An diesem Zeitpunkt waren wir am Atlantik im Urlaub. Wir haben verzweifelt versucht, herauszufinden, was passiert ist", berichtet Scheele. Schließlich hat sie ihren Urlaub abgebrochen und ist in die Eifel gefahren.

Anwohner Johannes Dreimüller war vom Hochwasser in Jünkerath in der Eifel betroffen.
Anwohner Johannes Dreimüller hat an seinem Gartenhaus markiert, wie hoch das Wasser in Jünkerath stand.

Anwohner in Jünkerath helfen sich nach der Flut

Die Nachbarn haben sich nach dem Hochwasser gegenseitig unterstützt: Schlamm geschippt, Keller ausgepumpt und den angespülten Müll aus den Gärten wegräumt. "Die Nachbarn sind in dieser Zeit näher zusammengerückt", sagt die 80-jährige Anwohnerin Gabriele Schablitzki. Es sind Freundschaften entstanden.

Anwohnerin Gabriele Schablitzki weiß, dass sie sich auf ihre Nachbarn in Jünkerath in der Eifel immer verlassen kann.
Anwohnerin Gabriele Schablitzki weiß, dass sie sich auf ihre Nachbarn in Jünkerath immer verlassen kann.

So hat Anwohnerin Daniela Scheele zum Beispiel ihren Nachbarn Johannes Dreimüller tief ins Herz geschlossen. Er hat ihr nach der Flut geholfen, in ihrem Ferienhaus den Keller zu entfeuchten. Dafür hat er Tag und Nacht ein Gerät entleert. Scheele war in dieser Zeit in Köln. "Er ist nach meinem Ehemann der wichtigste Mann in meinem Leben, manchmal auch der Wichtigste".

Daniela Scheele wohnt mit ihrer Familie eigentlich in Köln. Sie haben aber in Jünkerath ein Haus, in dem sie ihren Urlaub verbringen.
Daniela Scheele wohnt mit ihrer Familie eigentlich in Köln. Sie haben aber in Jünkerath ein Haus, in dem sie ihren Urlaub verbringen.

Flutcafé soll weiter Tradition bleiben

Die Anwohner freut es, dass das Flutcafé in Jünkerath jetzt eine feste Tradition ist. Und das soll auch in Zukunft so bleiben. "Wir sind glücklich, wenn wir unsere Nachbarn sehen", sagt Anwohnerin Gabriele Schablitzki.

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Daniel Novickij
Daniel Novickij arbeitet als Korrespondent im Regionalbüro in Gerolstein in der Vulkaneifel.

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