Kuchen und Gebäck auf einem gedeckten Tisch. Kaffee wird eingeschenkt, Milch gereicht und mit einem Glas Sekt angestoßen. Es wird viel gelacht und über alles Mögliche gesprochen. So sieht es aus, wenn Ewelina Szczesniewska mit ihrem Ehemann Paul ihre Nachbarn aus der Straße 'Römerwall' in Jünkerath zu sich einlädt.
Was zunächst nach einer Geburtstagsfeier klingt, hat einen tragischen Hintergrund. Die Anwohner erinnern mit ihrem Straßenfest jedes Jahr an das Hochwasser von 2021. "Wir haben es deshalb Flutcafé genannt", sagt Szczesniewska. Sie haben es bisher immer am Jahrestag der Flut veranstaltet. In diesem Jahr wollen sie es im Herbst nachholen. "Dieses Mal sind wir zu diesem Zeitpunkt im Urlaub", so die Eiflerin weiter.
Straßenfest soll an Hochwasser in der Eifel erinnern
Die Idee für das Flutcafé ist nur wenige Stunden zufällig nach der Katastrophe entstanden. "Ein Helfer hatte in unserem Gefrierschrank Fleisch entdeckt und dann vorgeschlagen, das wir grillen sollten. Es wäre schade gewesen, das Fleisch wegzuwerfen", berichtet die 36-Jährige.
Sie war davon wenig begeistert: "Ich hatte keine Lust und Kraft dafür. Wir hatten zuvor eine schlaflose Nacht", erinnert sich Szczesniewska. Der Helfer hatte sie aber schließlich überzeugt. Sie hatte daraufhin ihre Nachbarn zu sich eingeladen. Und das kam gut an: "Jeder hat etwas mitgebracht und dann haben wir gegrillt. Das war ein schönes Erlebnis, das uns allen gefallen hat." Das war die Geburtsstunde des Flutcafés in Jünkerath.
Straße in Jünkerath stark vom Hochwasser betroffen
Die Nachbarn schauen dabei immer gemeinsam auf den Tag der Flut zurück. Anwohner Johannes Dreimüller erinnert sich gut daran: "Wir waren auf dem Balkon und haben gesehen, wie Autoreifen, Packungen Zucker und Kaffee durch unseren Garten geschwommen sind". Kein Strom. Das Telefon ging auch nicht. "Wir wussten nicht, was wir machen sollten. Es war zum Heulen", erzählt der 78-Jährige.
Daniela Scheele wohnt und arbeitet in Köln. In Jünkerath hat sie ein Ferienhaus. Das war auch vom Hochwasser betroffen. Die Katastrophe konnte sie nur aus der Ferne verfolgen. "An diesem Zeitpunkt waren wir am Atlantik im Urlaub. Wir haben verzweifelt versucht, herauszufinden, was passiert ist", berichtet Scheele. Schließlich hat sie ihren Urlaub abgebrochen und ist in die Eifel gefahren.
Anwohner in Jünkerath helfen sich nach der Flut
Die Nachbarn haben sich nach dem Hochwasser gegenseitig unterstützt: Schlamm geschippt, Keller ausgepumpt und den angespülten Müll aus den Gärten wegräumt. "Die Nachbarn sind in dieser Zeit näher zusammengerückt", sagt die 80-jährige Anwohnerin Gabriele Schablitzki. Es sind Freundschaften entstanden.
So hat Anwohnerin Daniela Scheele zum Beispiel ihren Nachbarn Johannes Dreimüller tief ins Herz geschlossen. Er hat ihr nach der Flut geholfen, in ihrem Ferienhaus den Keller zu entfeuchten. Dafür hat er Tag und Nacht ein Gerät entleert. Scheele war in dieser Zeit in Köln. "Er ist nach meinem Ehemann der wichtigste Mann in meinem Leben, manchmal auch der Wichtigste".
Flutcafé soll weiter Tradition bleiben
Die Anwohner freut es, dass das Flutcafé in Jünkerath jetzt eine feste Tradition ist. Und das soll auch in Zukunft so bleiben. "Wir sind glücklich, wenn wir unsere Nachbarn sehen", sagt Anwohnerin Gabriele Schablitzki.