Als die Eltern der Trierer Schülerin Anna die Rechnung der Fahrschule bekamen, staunten sie nicht schlecht. Fast 3.500 Euro mussten sie zahlen. "Ich frage mich, wie das Menschen zahlen sollen, die das nicht mal eben auf der hohen Kante liegen haben", sagt die Mutter.
Niedrigere Führerschein-Kosten im Ausland
Eine halbe Stunde Autofahrt entfernt, in Luxemburg wohnt Schülerin Maya. Auch sie hat den Führerschein. Kosten: Rund 1.500 Euro. In Belgien zahlen Fahrschüler im Schnitt 2.000 Euro. In Deutschland 3.400 Euro. Wie kann das sein, fragen sich Eltern jenseits der Grenze in Deutschland.
Europas Fahrausbildungen unterschiedlich
Viele Wege führen nach Rom und so ist es auch mit dem Führerschein innerhalb der EU. Es gibt zwar den einheitlichen EU-Führerschein, doch die Ausbildungswege sind sehr unterschiedlich. So setzen einige unserer Nachbarn unter anderem auf die sogenannte "Laienausbildung". Ein Aspekt, den CDU-Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder in seine Vorschläge zur Führerscheinreform aufgenommen hat.
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Der Führerschein soll billiger werden. Bundesverkehrsminister Schnieder (CDU) will die Ausbildung verändern. Unter anderem sollen mehr Fahrsimulatoren eingesetzt werden.
Einige Nachbarländer setzen auf "Laienausbildung"
Zurück zu Maya aus Luxemburg. Sie hat ihren Führerschein mit dem Modell der sogenannten "Laienausbildung" gemacht. Nach bestandener Theorie und 12 Praxisstunden kann mit einer Begleitperson im normalen Verkehr weiter geübt werden. Die Begleitperson muss bestimmte Bedingungen erfüllen und bei zwei Fahrstunden des Lehrers mit im Auto sitzen.
Anmeldung zur Praxisprüfung in Luxemburg
Die Schülerin kann solange mit der Begleitperson im normalen Verkehr üben, bis sie sich fit für die Prüfung fühlt. Bei Maya waren das 10 Stunden mit ihrem Vater.
Bevor es zur Prüfung geht, sind noch vier Stunden mit dem Fahrlehrer Pflicht. Insgesamt also 16 Fahrstunden. Die Mindestanforderung in Luxemburg. Die Prüfung hat Maya direkt bestanden. Innerhalb von 24 Monaten nach der erfolgreichen Prüfung müssen luxemburgische Fahrschüler noch an einem Sicherheitstraining teilnehmen.
Schüler mit Begleitperson schaffen die Fahrprüfung häufiger im ersten Anlauf
Die 16 Fahrstunden kosteten vor zwei Jahren rund 1.200 Euro. Plus Prüfung und Theorie kommt sie auf rund 1.400 Euro. "Schüler, die den Führerschein mit Begleitperson machen, schaffen die Fahrprüfung häufiger im ersten Anlauf als Prüflinge, die nicht das begleitete Fahren nutzen", sagt Elke Hartmann vom Luxemburger Automobilclub ACL.
Am Ende ist der Führerschein in Luxemburg billiger als in Deutschland, weil weniger Fahrstunden mit Lehrer benötigt werden.
Durchfallquoten in Luxemburg höher als in Deutschland
Maya gehört zu den Fahrschülerinnen, die die Prüfung auf Anhieb geschafft haben. So wie in Deutschland fallen auch in Luxemburg immer mehr Schüler durch die erste Prüfung. Daher wird laut ACL über Änderungen diskutiert.
Laienausbildung in Deutschland umstritten
Das deutsche System sieht kein "Begleitetes Fahren" als Übung vor der Prüfung vor. Erst nach bestandener Prüfung können Jugendliche mit Begleitperson ins Auto. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und auch der Verband der Fahrlehrer lehnen Ausbildungen mit Laien ab. Begleiter könnten den Fahrlehrer nicht ersetzen, argumentieren sie.
Fahranfänger brauchen mehr Fahrpraxis, bevor sie alleine unterwegs sind
Was vielen Jugendlichen fehle, sei Erfahrung, sagt Ralph Schoppet von der Polizei Trier: "Fahranfänger brauchen mehr Fahrpraxis, bevor sie allein unterwegs sind." So viel "begleitetes Fahren" wie möglich, fordert Schoppet. "Da sollten schon ein paar Kilometer zusammenkommen", sagt der Polizist und lobt das österreichische Modell.
In seinem Eckpunktepapier zur Führerschein-Reform hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ausdrücklich das Beispiel Österreichs als Vorbild genannt. Doch bis dahin wird es noch ein weiter Weg. Der Minister rechnet frühestens im kommenden Jahr mit einer Reform.
Das EU-Ausland ist für deutsche Fahrschüler übrigens keine Alternative. Wer dort den Führerschein machen will, muss seit mindestens sechs Monaten in dem Land leben, um zugelassen zu werden.