40 Jahre UNESCO-Weltkulturerbe

"Geschäfte machen" auf der Toilette: Was man in Triers Welterbestätten lernt

Vor 40 Jahren nahm die UNESCO die Porta Nigra, Kaiserthermen und andere antike Bauten ins Weltkulturerbe auf. Die Geschichten der Orte faszinieren immer wieder tausende Besucher.

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Von Autor/in Ludger Peters

"Wie das als Trierer so ist. Früher kannte ich die Kaiserthermen vor allem von der roten Ampel, an der ich warten musste", gibt Stadtführer Stephan Kraemer mit einem Grinsen zu. Mittlerweile gehören Triers Baudenkmäler zu seinem Leben.

Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut in den römischen Gemäuern.

Kraemer führt regelmäßig Gruppen durch den Trierer Dom, die Kaiserthermen oder andere Sehenswürdigkeiten. Wer mit ihm unterwegs ist, spürt seine Leidenschaft für Triers alte Geschichte. "Manchmal bekomme ich eine Gänsehaut in den römischen Gemäuern. Die Baukunst der Römer finde ich atemberaubend."

Der Trierer Stadtführer Stephan Kraemer ist selbst auch immer wieder begeistert von den Trierer Welterbestätten
Stadtführer Stephan Kraemer ist ein Fan der Trierer Geschichte.

Stephan Kraemer liebt Vergleiche des antiken Lebens mit unserer heutigen Zeit. Und die kleinen Geschichten am Rande, die selbst Trierer nicht immer parat haben.

Die römische Toilettenkultur

Für die Gäste seien es die kleinen Aha-Effekte, die nach einer Tour im Gedächtnis bleiben. Wenn es zum Beispiel um die römische Toilettenkultur geht. Die Toilette als "stilles Örtchen" - bei den Römern undenkbar, sagt Krämer.

Eine öffentliche römische Toilettenanlage im italienische Ostia. Solche Anlagen gab es auch in Trier.
Ohne Trennwände, dich an dicht: eine antike öffentliche Toilette im italienischen Ostia. Dort wurde geredet und diskutiert. Aber auch Geschäfte abgeschlossen.

"In unserer heutigen Kultur fühlt man sich ja eher gestört, wenn einem jemand auf der Toilette zu nahe kommt. Nicht vorstellbar für den Römer. Der hätte einen eher zum gemeinsamen Toilettengang eingeladen", erzählt der Stadtführer. Da in römischen Toiletten alle ohne Trennwände dicht nebeneinandersaßen, wurde geredet, über Politik diskutiert und eben auch Geschäfte gemacht, erzählt der Stadtführer. So sei dann die Redewendung "ein Geschäft machen" über den Gang zur Toilette entstanden.

Trier feiert das 40-jährige Jubiläum seiner Welterbestätten
Das berühmte antike Trierer Stadttor Porta Nigra. Erbaut im zweiten Jahrhundert n. Chr. Die 7.200 Steine kamen aus einem Steinbruch bei Butzweiler. Die schwersten wiegen bis zu sechs Tonnen. Bild in Detailansicht öffnen
Trier feiert das 40-jährige Jubiläum seiner Welterbestätten
So kennen Autofahrer die Kaiserthermen. Eine Führung durch die Reste des römischen Badehauses lohnt sich. Gerade unter der Erde gibt es vieles zu entdecken. Bild in Detailansicht öffnen
Trier feiert das 40-jährige Jubiläum seiner Welterbestätten
Die Trierer Liebfrauenkirche gilt als eine der ersten Kirchen der Gotik in Deutschland. Bild in Detailansicht öffnen

Bedeutung der Welterbestätten für Trier

1986 vergab die UNESCO an Trier den Titel "Welterbestätte Dom und Liebfrauenkirche". Dazu gehören auch Basilika, Porta Nigra, Amphitheater, Römerbrücke, Kaiser- und Barbarathermen sowie die Igeler Säule. Neun Weltkulturerbe-Bauten auf engstem Raum.

Dieses Siegel ist heute ein Qualitätsmerkmal für Touristen

Für die Stadt Trier seien die neun Welterbestätten ein wichtiger Faktor, sagt Kulturdezernent Markus Nöhl. Und das Siegel UNESCO-Welterbe sei ein Qualitätsmerkmal für Touristen: "Die UNESCO sagt, diese Bauwerke sind nicht nur bedeutend, sondern die kümmern sich in Trier auch gut darum und die erklären euch die Geschichte. Und das überprüft die Unesco auch."

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Autor/in
Ludger Peters
Foto von Ludger Peters, Multimedia-Redakteur SWR Aktuell Rheinland-Pfalz

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