Trierer fordert 40 Millionen von Oligarch

Staatsanwaltschaft Trier ermittelt gegen Putin-Vertrauten

Ein russischer Oligarch mit dem Hang zu schnellen Autos hat Ärger mit einem ukrainischen Geschäftspartner aus Trier. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Putin-Freund.

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Von Autor/in Eric Beres

Einst hatten sie große Pläne: Der russische Oligarch Boris Rotenberg und der Geschäftsmann Michail Pessis aus Trier wollten einer renommierten Rennsportmarke zu neuem Glanz verhelfen. Es ging um die niederländische Marke  "Spyker.“ 

Ein Trierer Geschäftsmann und ein russischer Oligarch mit Nähe zu Präsident Putin wollten vor Jahren die Rennsportmark Spyker wieder aufleben lassen.
Ein Spyker C 8 Aileron beim Genfer Autosalon 2009. Dieses Modell wollten die beiden Geschäftspartner als erstes Projekt wieder aufleben lassen. Picture Alliance

Der Trierer schloss nach eigenen Angaben 2018 eine Kooperationsvereinbarung mit Rotenberg, wonach 50 Millionen Euro investiert werden sollten. Für einen Teil der Produktion kauften sie ein Grundstück in Longuich bei Trier. "Spyker is back!“ schrieb Anfang 2022 die Zeitschrift "Auto, Motor und Sport“.  

Ein Trierer Geschäftsmann und ein russischer Oligarch mit Nähe zu Präsident Putin wollten vor Jahren die Rennsportmark Spyker wieder aufleben lassen.
Steht nach SWR-Informationen im Blickpunkt der Trierer Staatsanwaltschaft. Der russische Oligarch Boris Rotenberg. Hintergrund sind Vorwürfe eines Geschäftspartners. Itar-Tass

Streit mit Oligarch ums Geld  

Inzwischen sind die beiden ehemaligen Geschäftspartner heillos zerstritten, und der Fall beschäftigt die Staatsanwaltschaft Trier. Diese bestätigte dem SWR, es sei bereits seit Mitte 2024 ein Verfahren "gegen einen russischen Oligarchen anhängig“. Nach SWR-Informationen geht es dabei um Boris Rotenberg. Er gilt als Vertrauter des russischen Machthabers Vladmir Putin und steht seit April 2022 auf der EU-Sanktionsliste. 

Ein Trierer Geschäftsmann und ein russischer Oligarch mit Nähe zu Präsident Putin wollten vor Jahren die Rennsportmark Spyker wieder aufleben lassen.
Boris Rotenberg, gegen den die Trierer Staatsanwaltschaft ermittelt, gilt als Jugendfreund des russischen Präsidenten Putin. Itar-Tass

Auch gegen Pessis selbst wird mutmaßlich ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft sei ebenfalls Mitte 2024 Anzeige gegen einen "privaten Geschäftsmann“ erstattet worden - wegen "finanzieller Streitigkeiten aus einer früheren Geschäftsbeziehung mit einem anderen Geschäftsmann“. Weitere Details, etwa um welche Delikte es genau geht, wollte die Behörde nicht mitteilen. 

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Wie der Oligarch nach Trier kam

Michail Pessis, der in der Ukraine geboren wurde und in Trier mehrere Firmen im
Kfz- und Rennsportbereich aufgebaut hatte, bestätigte dem SWR, dass er sich in einer Auseinandersetzung mit dem Oligarchen befinde. Er schildert die Vorgänge so: Er habe Rotenberg 2009 zunächst auf privater Ebene kennengelernt. 2013, also noch vor der Krim-Annexion, habe er eine Geschäftsbeziehung mit dem Russen begonnen, der ein Bruder von Arkady Rotenberg ist - ebenfalls ein enger Vertrauter Putins.  

Ich habe sein ganzes finanzielles Leben aufrechterhalten

Neben dem Spyker-Projekt habe er weitere geschäftliche Angelegenheiten für Boris Rotenberg in Westeuropa geregelt. "Ich habe sein ganzes privates und finanzielles Leben aufrechterhalten“, sagt Pessis.  

Bedrohte Oligarch Trierer Geschäftsmann?  

Ab 2021 sei es dann zu Verwerfungen gekommen, was unter anderem an Zahlungsunfähigkeiten mehrerer Rotenberg-Firmen gelegen habe. Nach gescheiterten Einigungsversuchen sei die Geschäftsbeziehung eskaliert.   

Er sei unter anderem von Rotenberg oder dessen Mitarbeiter bedroht worden und bei Aufenthalten in Russland vom dortigen Geheimdienst FSB beschattet worden. Erschwerend kam hinzu , dass Boris Rotenberg auf die EU-Sanktionsliste kam. Dadurch konnte der Trierer mit Rotenberg keine Geschäfte mehr abwickeln.  

Russische Justiz ermittelt gegen Pessis

Der SWR hat Boris Rotenberg über eine von ihm gegründete Rennsportfirma und einen Luxemburger Anwalt, der mutmaßlich für den Oligarchen tätig ist, kontaktiert, erhielt jedoch keine Antwort. 

Gegen Pessis selbst laufen Ermittlungen auch in Russland. Einer offiziellen Mitteilung vom Februar 2025 zufolge hat ein Moskauer Gericht gegen ihn zwei Monate Untersuchungshaft wegen eines "groß angelegten Betrugs" angeordnet. Nach russischen Medienberichten stehen die Ermittlungen in Zusammenhang mit der Spyker-Kooperation. 

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Die Rede ist auch von Veruntreuung von 277 Mio. Rubel (knapp 3 Millionen Euro). Nach Angaben eines Anwalts von Michail Pessis geht es dabei um eine Investition Rotenbergs, die von einem mutmaßlichen Strohmann des Oligarchen im Nachhinein als Darlehen deklariert worden sei.  

Trierer fordert 40-Millionen Euro

Im SWR streitet Pessis auch die weiteren Vorwürfe ab. Das Verfahren in Russland nennt er "politisch motiviert“. Er selbst habe Forderungen an Boris Rotenberg in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro. Hinzu kämen wertvolle Fahrzeuge, die ihm gestohlen worden seien. Rückblickend sagt er zu seiner Zusammenarbeit mit Boris Rotenberg: "Ich habe keine Fehler gemacht. Ich wusste nur nicht, dass er ein Mann mit zwei Gesichtern ist.“  

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