Einst hatten sie große Pläne: Der russische Oligarch Boris Rotenberg und der Geschäftsmann Michail Pessis aus Trier wollten einer renommierten Rennsportmarke zu neuem Glanz verhelfen. Es ging um die niederländische Marke "Spyker.“
Der Trierer schloss nach eigenen Angaben 2018 eine Kooperationsvereinbarung mit Rotenberg, wonach 50 Millionen Euro investiert werden sollten. Für einen Teil der Produktion kauften sie ein Grundstück in Longuich bei Trier. "Spyker is back!“ schrieb Anfang 2022 die Zeitschrift "Auto, Motor und Sport“.
Streit mit Oligarch ums Geld
Inzwischen sind die beiden ehemaligen Geschäftspartner heillos zerstritten, und der Fall beschäftigt die Staatsanwaltschaft Trier. Diese bestätigte dem SWR, es sei bereits seit Mitte 2024 ein Verfahren "gegen einen russischen Oligarchen anhängig“. Nach SWR-Informationen geht es dabei um Boris Rotenberg. Er gilt als Vertrauter des russischen Machthabers Vladmir Putin und steht seit April 2022 auf der EU-Sanktionsliste.
Auch gegen Pessis selbst wird mutmaßlich ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft sei ebenfalls Mitte 2024 Anzeige gegen einen "privaten Geschäftsmann“ erstattet worden - wegen "finanzieller Streitigkeiten aus einer früheren Geschäftsbeziehung mit einem anderen Geschäftsmann“. Weitere Details, etwa um welche Delikte es genau geht, wollte die Behörde nicht mitteilen.
Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt Illegale Hilfe aus der Eifel für russischen Oligarchen-Rennstall?
Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall einer Eifeler Rennsportfirma, die ein russisches Team unterstützt hat. Nach SWR-Informationen geht es um mögliche Verstöße gegen EU-Sanktionen.
Wie der Oligarch nach Trier kam
Michail Pessis, der in der Ukraine geboren wurde und in Trier mehrere Firmen im
Kfz- und Rennsportbereich aufgebaut hatte, bestätigte dem SWR, dass er sich in einer Auseinandersetzung mit dem Oligarchen befinde. Er schildert die Vorgänge so: Er habe Rotenberg 2009 zunächst auf privater Ebene kennengelernt. 2013, also noch vor der Krim-Annexion, habe er eine Geschäftsbeziehung mit dem Russen begonnen, der ein Bruder von Arkady Rotenberg ist - ebenfalls ein enger Vertrauter Putins.
Ich habe sein ganzes finanzielles Leben aufrechterhalten
Neben dem Spyker-Projekt habe er weitere geschäftliche Angelegenheiten für Boris Rotenberg in Westeuropa geregelt. "Ich habe sein ganzes privates und finanzielles Leben aufrechterhalten“, sagt Pessis.
Bedrohte Oligarch Trierer Geschäftsmann?
Ab 2021 sei es dann zu Verwerfungen gekommen, was unter anderem an Zahlungsunfähigkeiten mehrerer Rotenberg-Firmen gelegen habe. Nach gescheiterten Einigungsversuchen sei die Geschäftsbeziehung eskaliert.
Er sei unter anderem von Rotenberg oder dessen Mitarbeiter bedroht worden und bei Aufenthalten in Russland vom dortigen Geheimdienst FSB beschattet worden. Erschwerend kam hinzu , dass Boris Rotenberg auf die EU-Sanktionsliste kam. Dadurch konnte der Trierer mit Rotenberg keine Geschäfte mehr abwickeln.
Russische Justiz ermittelt gegen Pessis
Der SWR hat Boris Rotenberg über eine von ihm gegründete Rennsportfirma und einen Luxemburger Anwalt, der mutmaßlich für den Oligarchen tätig ist, kontaktiert, erhielt jedoch keine Antwort.
Gegen Pessis selbst laufen Ermittlungen auch in Russland. Einer offiziellen Mitteilung vom Februar 2025 zufolge hat ein Moskauer Gericht gegen ihn zwei Monate Untersuchungshaft wegen eines "groß angelegten Betrugs" angeordnet. Nach russischen Medienberichten stehen die Ermittlungen in Zusammenhang mit der Spyker-Kooperation.
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Die Rede ist auch von Veruntreuung von 277 Mio. Rubel (knapp 3 Millionen Euro). Nach Angaben eines Anwalts von Michail Pessis geht es dabei um eine Investition Rotenbergs, die von einem mutmaßlichen Strohmann des Oligarchen im Nachhinein als Darlehen deklariert worden sei.
Trierer fordert 40-Millionen Euro
Im SWR streitet Pessis auch die weiteren Vorwürfe ab. Das Verfahren in Russland nennt er "politisch motiviert“. Er selbst habe Forderungen an Boris Rotenberg in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro. Hinzu kämen wertvolle Fahrzeuge, die ihm gestohlen worden seien. Rückblickend sagt er zu seiner Zusammenarbeit mit Boris Rotenberg: "Ich habe keine Fehler gemacht. Ich wusste nur nicht, dass er ein Mann mit zwei Gesichtern ist.“