Auf einer Wiese am Waldrand stehen fünf Blockhütten aus massiven Baumstämmen. Gelbe Blechschilder warnen vor Bären und Elchen, die sich hier herumtreiben sollen. Doch wir sind nicht in den Rocky Mountains, sondern in Langweiler: einem kleinen Ort mit 250 Einwohnern in der Nähe von Idar-Oberstein.
Stefan Rüter hat das kanadische Feriendorf aufgebaut und Millionen investiert. Dabei war der Investor aus Marl in Nordrhein-Westfalen nicht immer ein Hunsrück-Fan, wie er einräumt: "Bis meine Frau mich zu einem Urlaub im Hunsrück überredet hat, hab ich gedacht, hier liegt der Hund begraben."
Langweiler hat Seeblick und liegt im Nationalpark
Doch bei diesem Trip nach Langweiler kam dann eins zum anderen. Die Rüters lernten die Ehefrau des Ortsbürgermeisters kennen und die machte ihnen ein Grundstück mit Blick auf die Steinbachtalsperre schmackhaft.
Dass Rüter sein Feriendorf ausgerechnet in Langweiler gebaut hat, einem Ort mit etwas mehr als 200 Einwohnern, war also Zufall. Dennoch sieht er gerade hier Potenzial: "Wir haben Seeblick, wir haben Blick auf den Nationalpark, wir sind umgeben vom Wald und die Wanderwege liegen hier vor der Haustür."
Tourismus im Hunsrück hat noch Luft nach oben
Für Touristen ist der Hunsrück trotzdem eher ein Geheimtipp. Das benachbarte Moseltal oder die Vulkaneifel sind bei Feriengästen schon immer beliebter gewesen. Auch weil man sich dort stärker auf Gäste eingestellt hat: Es gibt mehr Hotels und Restaurants, die Rad- und Wanderwege sind besser ausgebaut.
"Während Mosel und Eifel schon früh als touristische Marken sichtbar wurden, musste der Hunsrück erst in den letzten Jahren gezielt nachziehen", sagt Iris Müller von der Hunsrück Tourismus GmbH. Und eine wirkliche Trendwende ist nicht erkennbar.
Im Hunsrück und an der Nahe haben bis zum Mai etwas mehr als 225.000 Gäste übernachtet. Und somit nur etwa ein Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2024 - trotz Attraktionen wie dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald und der Geierlay-Hängeseilbrücke.
Klosterhotel "Marienhöh" als Zugpferd
Es wäre also Luft nach oben. Die Erfolgsgeschichte von Langweiler ist eher die Ausnahme. Und die hat schon lange vor dem kanadischen Dorf begonnen, als Investoren das frühere Kloster "Marienhöh" zu einem Hotel umgebaut haben.
Dort sei es gelungen, Geschichte mit Wellness zu verbinden, meint Iris Müller von der Tourismus-GmbH: "Andere Dörfer können daraus lernen, eigene Besonderheiten wie historische Gebäude als Alleinstellungsmerkmal touristisch zu entwickeln." Ein normales Hotel oder eine Ferienwohnung ziehen nicht unbedingt, verkauft werden müsse ein Erlebnis.
Hotel und Feriendorf werben mit regionalem Charakter
Das Hotel gehört zwar zu einem Unternehmen aus Bonn. Felix und Marleen Heylmann, die selbst aus dem Nachbarort Leisel stammen, ist es aber wichtig, dass sich im Hotel auch der Charakter des Hunsrücks widerspiegelt. Auf der Speisekarte stehen daher auch viele Produkte aus der Region.
Auch in dem kanadischen Feriendorf von Stefan Rüter steckt Lokalkolorit. Die Blockhütten hat Charlie Manz aus Morbach gebaut. Die Tier-Skulpturen vor den Hütten stammen von dem Kettensägen-Künstler Jonas Hermann aus Allenbach. Und die Bücher in den Regalen handeln vom Schinderhannes und dem Nationalpark.
Hotelier: "Hunsrück gehört zu den schönsten Regionen"
Felix Heylmann ist sich sicher, dass das "Marienhöh" und das kanadische Dorf nicht erfolgreich sind, obwohl sie im Hunsrück liegen, sondern gerade deswegen: "Ich finde, der Hunsrück ist mit eine der schönsten Regionen, die es gibt."
Er würde sich daher wünschen, dass seine Landsleute bei der Werbung für ihre Heimat etwas selbstbewusster auftreten: "Ich glaube, wir können wirklich mithalten mit anderen Tourismusregionen und uns stolz präsentieren.“
Ortsbürgermeister: Gemeinde profitiert von Hotel und Hütten
Auch Ortsbürgermeister Alfred Reicherts (CDU) ist stolz darauf, dass sich seine Gemeinde in den vergangenen Jahren zum Tourismusmagneten entwickelt hat. In der Hauptsaison schlafen dort mehr Feriengäste als das Dorf Einwohner hat.
"Natürlich gibt es Menschen, die sich daran stören", gibt Reicherts zu: "Aber die sind in der Minderheit." Weil der Tourismus eine Einnahmequelle für den finanziell klammen Ort ist: "Wir brauchen wirklich jeden Pfennig."
Die Gewerbesteuer aus dem "Marienhöh" fließt zwar nicht in die Gemeindekasse. Indirekt profitiere Langweiler aber von dem Hotel und dem kanadischen Dorf. Die Unternehmen würden vor Ort Arbeitsplätze schaffen und Aufträge an Firmen aus der Region vergeben, so Reicherts.
Gemeinde will Sicht nicht durch Windräder stören
Um das zu ermöglichen, setzte die Gemeinde voll auf den Tourismus und verzichtet zum Beispiel auf Windräder. "Es würde sich auch irgendwo beißen, wenn wir jetzt in die direkte Sichtschneise zur Steinbachtalsperre eine Windkraftanlage hinstellen würden", meint der Ortsbürgermeister.
Stattdessen schafft die Gemeinde lieber Platz für weitere Blockhütten. Vier Stück will Stefan Rüter noch in seinem kanadischen Dorf bauen. Damit noch mehr Touristen den kleinen Ort und so auch den Hunsrück kennenlernen.