Zwischen Tradition und Zeitgeist

Mit Krone, Kleid und Kelch: Passen Weinköniginnen an der Mosel noch in die Zeit?

Jährlich bewerben sich junge Frauen in den Orten entlang der Mosel als Weinkönigin oder Weinprinzessin. Die Ämter sind offenbar begehrt. Doch passt das noch in unsere Zeit?

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Stand

Wenn Maja-Jolie Reis von ihrer Krönung spricht, strahlt sie bis über beide Ohren. Etwa eine Woche ist es her, dass sie in ihrem Heimatort Neef an der Mosel (Kreis Cochem-Zell) zur Ortsweinkönigin gekrönt wurde. Weinproben abhalten, Grußworte auf Festen sprechen, mit Menschen ins Gespräch kommen: In den kommenden zwei Jahren wird die junge Frau ihren Heimatort und den Moselwein in der Region und darüber hinaus repräsentieren.

Die frisch gekrönte Weinkönigin Maja-Jolie I. vor der Vinothek in St. Aldegund
Maja-Jolie I. wurde beim 75. Wein- und Heimatfest in Neef zur neuen Weinkönigin des Ortes gekrönt.

Amt der Weinkönigin und Prinzessin ist an der Mosel populär

Mit ihrer Begeisterung ist Maja-Jolie nicht allein. Sie teilt sie mit vielen jungen Frauen. Ob in Trier, Longuich, Klüsserath, Mehring, Trittenheim oder St. Aldegund: In vielen Orten an der Mosel wird die Tradition der Weinkönigin und Prinzessin hochgehalten. Jedes Jahr aufs Neue.

Es ist ein Brauchtum, das den meisten in den Orten bekannt ist und auch bei Touristen an der Mosel in St. Aldegund Anklang findet:

Nach einer Amtszeit im Mosel-Weinort ist für viele Weinköniginnen aber noch nicht Schluss. Sie entscheiden sich für den nächsten Schritt und bewerben sich als Mosel-Gebietsweinkönigin. Ein Amt, das nach Angaben des Geschäftsführers von Moselwein e.V. Ansgar Schmitz, immer noch sehr beliebt ist.

Während sich im Weinanbaugebiet Nahe für das kommende Amtsjahr keine Interessenten auf das Amt der Naheweinkönigin beworben haben, gibt es an der Mosel anscheinend kein Problem mit dem Nachwuchs.

Leiwen

Wahl um die Krone Teresa Oster ist die neue Mosel-Weinkönigin

Am Freitagabend sind Teresa Oster, Annalena Niedersberg, Vanessa Herges und Nele Kuhnen gegeneinander angetreten, um das Amt der Weinkönigin an der Mosel zu übernehmen.

In den vergangenen Jahren habe es mindestens vier Bewerberinnen, meistens auch fünf bis sieben und einmal sogar neun Bewerberinnen gegeben, so der Geschäftsführer. In diesem Jahr seien es sieben gewesen. Das liege unter anderem an der Größe des Anbaugebietes mit vielen kleinen Weinorten, in denen Winzerfamilien leben.

Auch die lebendige Weinkultur vor allem an der Mittel- und Terrassenmosel mit vielen Weinfesten, bei denen die Weinköniginnen auch dabei sind, sei ein Faktor. Hier habe man im Vergleich zu kleineren Anbaugebieten wie der Nahe oder dem Mittelrhein, wo Winzerbetriebe immer weniger werden, einen Vorteil.

Weinkönigin: Ist die Tradition nicht längst überholt? | SWR Aktuell 360 Grad

Nicht nur lächeln und winken

Eine von den Bewerberinnen der vergangenen Jahre war Maja Treis aus Zell. Sie ist eine der aktuell amtierenden Mosel-Weinprinzessinnen. In zwei Wochen übergibt sie ihre Krone. Auch ihr geht es um den Erhalt der Tradition, Repräsentation und die Verbundenheit zur Heimat: "Es steckt aber auch so viel mehr dahinter", findet Maja Treis. Und das werde nicht immer wahrgenommen, sondern eine Weinkönigin und die Prinzessinnen schnell mal unterschätzt.

Eine der aktuell amtierenden Moselweinprinzessinen
Maja Treis übergibt Anfang September die Krone der Mosel-Weinprinzessin an ihre Nachfolgerin. Bevor sie das Amt der Mosel-Weinprinzessin inne hatte, war sie auch Ortsweinprinzessin und Ortsweinkönigin.

Während ihrer Amtszeit hat sich Maja nach eigenen Angaben vieles an Fachwissen angeeignet und Erfahrungen gesammelt. Dabei hilft auch Janine Reichert mit ihrem Seminar für Weinhoheiten in St. Aldegund. Hier lernen amtierende und künftige Weinmajestäten zum Beispiel wie sie sich auf einer Bühne präsentieren, eine Rede halten oder auch Wissenswertes über Böden und Anbau von Wein an der Mosel. In diesem Jahr waren 70 Teilnehmerinnen bei Janine Reichert in St. Aldegund beim Seminar.

Auch Maja hat das Seminar besucht, denn den Aufstieg von der Ortsweinkönigin zur Mosel-Gebietsweinprinzessin bekam sie zu spüren. Die Veranstaltungen und Events wurden anspruchsvoller, schnell war sie nicht mehr nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche unterwegs, es wurde auch schnell mal Englisch gesprochen und auf politischer Ebene mitdiskutiert.

Janine Reichert und die Teilnehmerinnen beim Seminar in St. Aldegund
Fit für die Amtszeit: Bei einem Seminar von Janine Reichert (rechts im Bild) in St. Aldegund werden amtierende und künftige Weinprinzessinen und Weinköniginnen geschult. Janine Reichert war selbst Mosel-Gebietsweinkönigin.

Etwa 200 Termine kamen in diesem Jahr für Maja zusammen, was erst einmal mit dem Job oder der Uni koordiniert werden müsse. Ihrer Ansicht nach würden viele nicht den Zeitaufwand sehen, der hinter dem Amt steckt, sondern oft nur die Frau in einem schönen Kleid mit Krönchen.

Auf Orts- und Gebietsebene könne man seinen normalen Alltagsjob noch durchaus machen, sofern man einen Arbeitgeber habe, der das ganze unterstützt. Als deutsche Weinmajstät werde es dann aber zeitlich schwierig, sagt sie. Viele müssten ihre Arbeitsstelle aufgeben. Auf Gebietsebene gibt es für die Weinhoheiten immerhin eine Aufwandsentschädigung. Das heißt sie bekommen etwas Geld dafür.

Von Krone und Kleid bis hin zur Businessfrau sind wir alles.

"Von Krone und Kleid bis hin zur Businessfrau sind wir alles. Das Amt hat sich weiterentwickelt", sagt Maja Treis. Das sehe man im Übrigen auch daran, dass bei der Wahl zur deutschen Weinmajestät in diesem Jahr das erste Mal auch zwei Männer dabei sind.

Amt ist wichtig für das Weinmarketing

Ähnlich sieht das Ansgar Schmitz, Geschäftsführers von Moselwein e.V. und spricht von der Weinkönigin als wichtige Wein-Marketing-Frau. Vor allem in Regionen, in denen kein Wein angebaut wird oder im Ausland wie in Japan oder Südkorea brachten diese Ämter mit Krone und Titel viel Aufmerksamkeit.

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Vergleichbare Überlegungen habe man an der Mosel nicht, so Ansgar Schmitz. Dadurch würde man dem Amt einen gewissen Glanz nehmen, würde es beliebiger machen. Und auch die Krone, die bei Veranstaltungen oft als eine Art Eisbrecher hilft und zu Gesprächen führt, soll bleiben.

Mehrere Weinprinzessinen und Weinköniginnen stehen an einem Tisch in der Vinothek von Janine Reichert in St. Aldegund
Die Weinprinzessinnen aus St. Aldegund Emma und Henrike, die Weinprinzessin aus Neef Anna-Lena und ihre Ortsweinkönigin Maja-Jolie I. (von links). Sie freuen sich auf ihre Amtszeit.

Maja-Jolie aus Neef hofft darauf, in ihrem laufenden Amtsjahr viele neue Kontakte knüpfen zu können. Noch ist alles neu und aufregend. Vor allem ist sie aber stolz. "Meine Mama war vor vielen Jahren selbst Weinkönigin und jetzt darf ich das Amt weiterführen. Der Apfel fällt nun mal nicht weit vom Stamm und so ist es bei der Rebe auch."

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