Ein Glas Rotwein, dazu ein Sonnenuntergang und in einer klaren Augustnacht der Blick auf die Sternschnuppen. Johannes Hill setzt sich mit seiner Frau manchmal einfach nur auf sein Dach, genießt den Blick und lässt es sich gut gehen. Wer Hill dort oben besucht, der vergisst schnell, dass er auf einem Dach steht.
Ein begrüntes Dach sieht nicht nur schön aus, sondern kann das Haus auch dämmen. Gegen Kälte im Winter und Hitze im Sommer. Hill wollte zukunftsorientiert bauen. Seine grüne Oase hat der Trierer fast komplett in Eigenarbeit aufgebaut. Damals vor 30 Jahren gab es kaum Vorbilder.
Spezialisten für Dachbegrünung waren 1995 noch rar gesät, galten den meisten mehr als Träumer denn als Vorreiter. Und nach diesen Träumern suchte Hill damals.
Wenn ich ein neues Handy kaufe, frage ich auch nicht meinen Opa nach Rat.
Der Trierer ließ sich von Visionären beraten, die ihrer Zeit voraus waren, erzählt er. "Und dann habe ich geschaut, welche Ideen ich an meinem Haus übernehmen kann. Beim Hausbau wird bei einigen Dingen zu oft an Altbewährtem festgehalten. Wenn ich mir ein Handy kaufen will, dann frage ich ja auch nicht meinen Opa nach Rat", sagt Hill.
Kosten für Dachbegrünung
Die neue Idee sei auch bezahlbar gewesen. "Ein Schieferdach ist nicht so viel billiger", schätzt Hill. Er habe viel selber gemacht und so damals zusätzlich gespart. Heute gibt es Förderprogramme für Dachbegrünung.
Begrüntes Dach kühlt die Umgebung ab
Im Jahresmittel kann ein begrüntes Dach bis zu 70 Prozent des Regens speichern, sagt Johannes Hill, der jahrelang als Umweltberater bei der Stadt Trier gearbeitet hat. Im Sommer hilft das Dach gegen die Hitze. Denn wenn Wasser verdunstet, kühlt die Luft in der Umgebung ab. Das Dach als Wasserspeicher kann bei starken Regenfällen auch die Kanalisation entlasten.
Restliches Regenwasser spült die Toilette
Wasser, das nicht vom Gründach gespeichert wird, fängt Johannes Hill auf. Über die Regenrinnen fließt es in große unterirdische Tanks in seinem Garten.
Dass Regenwasser durch meine Toiletten fließt, hat noch kein Gast bemerkt.
Das Regenwasser wird gefiltert und dann im Haus weiter genutzt. Zum Beispiel in der Toilettenspülung, zum Händewaschen und in der Waschmaschine. "Das Regenwasser durch meine Toiletten fließt, hat noch kein Gast bemerkt", sagt Hill. Und damit spart er Trinkwasser und mittlerweile Geld. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wird in deutschen Haushalten im Schnitt über ein Viertel des Trinkwassers in der Toilettenspülung verwendet.
Hausbau nie ganz beendet
Johannes Hill ist mittlerweile im Ruhestand. "Da habe ich den ganzen Tag Zeit, neue Projekte rund um das Haus umzusetzen, bis meine Frau abends von der Arbeit kommt." Und dann bleibt für die beiden noch genug Zeit, den Tag mit einem Sundowner zwischen Hauswurz und Mauerpfeffer auf dem begrünten Hausdach ausklingen zu lassen.