Turgut Aktas könnte derzeit viel Geld verdienen. Die Sonne scheint und der Wittlicher hat sein ganzes Dach mit Solaranlagen gepflastert. Er speist täglich Strom beim Anbieter Westnetz ein. Doch er bekommt dafür schon ein halbes Jahr kein Geld mehr. So lange wartet er schon auf seine Abschlagszahlungen.
Früher sei das Geld vom Netzbetreiber Westnetz immer pünktlich gekommen, sagt Aktas. Doch seit er sich im vergangenen Jahr einen sogenannten "Smart-Meter", einen digitalen Stromzähler, angeschafft hat, habe er keine Überweisung mehr bekommen. "Es ist, als wäre die Anlage seitdem stillgelegt worden", sagt Aktas.
Frust über Service: "Fühle mich ein bisschen veräppelt"
Für Aktas ist der intelligente Zähler praktisch. Der Wittlicher muss nämlich nicht mehr selbst ablesen, was er einspeist oder verbraucht. Denn diese Daten übermittelt der Zähler im 15-Minuten-Takt automatisch an den Netzbetreiber. Nur sei man bei Westnetz offenbar nicht in der Lage, diese Daten auszulesen und eine Abrechnung zu schreiben. Denn die Jahresendabrechnung für 2024 hat das Unternehmen noch immer nicht vorgelegt. Und diese Rechnung ist die Grundlage für seine monatlichen Abschlagszahlungen.
Nach eigenen Berechnungen entgehen Aktas derzeit jeden Monat 150 Euro. Das wären bislang etwa 750 Euro. Was ihn ärgere, sei in erster Linie nicht das Geld, sondern der Kundenservice bei Westnetz. Seit Wochen herrsche Funkstille. "Ich habe oft angerufen, Mails geschickt – nichts. Keine Reaktion", ärgert sich Aktas: "Langsam fühle ich mich ein bisschen veräppelt."
Westnetz: Neues IT-System bremst Bearbeitung aus
Auf Anfrage schreibt eine Sprecherin von Westnetz, dass man den Unmut des Kunden nachvollziehen könne und, dass Aktas kein Einzelfall sei: "Tatsächlich kommt es für Teile unsere Kunden zu längeren Bearbeitungszeiten. Wir bedauern diese Unannehmlichkeiten ausdrücklich." Ein Grund dafür sei ein neues IT-System, das der Netzbetreiber im Sommer 2024 eingeführt hat. Nach Angaben der Sprecherin habe es Schwierigkeiten gegeben, Daten in das neue Programm zu übertragen.
Rückstau wegen Boom von Solaranlagen
Ein weiterer Faktor: der derzeitige Solar-Boom. Laut Westnetz haben allein 2024 rund 70.000 Kundinnen und Kunden eine Solaranlage neu angemeldet – mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2021. Grund dafür sei unter anderem das sogenannte Osterpaket der Ampelregierung von 2022, das den Ausbau der erneuerbaren Energie fördern soll.
Und das hat auch Auswirkungen auf die Verwaltung bei Westnetz. Weil sich immer mehr Menschen Photovoltaik, Wärmepumpen, Ladesäulen und Hausspeicher anschaffen, sei ein Rückstau bei der Bearbeitung der Rechnungen entstanden. "Selbstverständlich arbeiten wir unter Hochdruck daran, die Probleme so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen", sagt eine Sprecherin.
Heißt: Auch Aktas werde sein Geld bekommen. Die Einspeisevergütungen seien nicht verloren, sie würden nachgezahlt. Der Wittlicher hofft nun, dass er darauf nicht noch ein weiteres halbes Jahr warten muss.