Über ein halbes Jahr keine Abrechnung für Solaranlage

Solarstrom rein, kein Geld raus: Warum Westnetz seine Kunden warten lässt

Solarboom trifft auf IT-Chaos: Der Netzbetreiber Westnetz kommt mit seinen Abrechnungen für Solaranlagen nicht hinterher. Ein Kunde aus Wittlich wartet seit Monaten auf Geld.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Altmayer

Turgut Aktas könnte derzeit viel Geld verdienen. Die Sonne scheint und der Wittlicher hat sein ganzes Dach mit Solaranlagen gepflastert. Er speist täglich Strom beim Anbieter Westnetz ein. Doch er bekommt dafür schon ein halbes Jahr kein Geld mehr. So lange wartet er schon auf seine Abschlagszahlungen.

Auf seinem Haus im Wittlicher Stadtteil Wengerohr hat Turgut Aktas jede Menge Solaranlagen installiert.
Auf seinem Haus im Wittlicher Stadtteil Wengerohr hat Turgut Aktas jede Menge Solaranlagen installiert.

Früher sei das Geld vom Netzbetreiber Westnetz immer pünktlich gekommen, sagt Aktas. Doch seit er sich im vergangenen Jahr einen sogenannten "Smart-Meter", einen digitalen Stromzähler, angeschafft hat, habe er keine Überweisung mehr bekommen. "Es ist, als wäre die Anlage seitdem stillgelegt worden", sagt Aktas.

Frust über Service: "Fühle mich ein bisschen veräppelt"

Für Aktas ist der intelligente Zähler praktisch. Der Wittlicher muss nämlich nicht mehr selbst ablesen, was er einspeist oder verbraucht. Denn diese Daten übermittelt der Zähler im 15-Minuten-Takt automatisch an den Netzbetreiber. Nur sei man bei Westnetz offenbar nicht in der Lage, diese Daten auszulesen und eine Abrechnung zu schreiben. Denn die Jahresendabrechnung für 2024 hat das Unternehmen noch immer nicht vorgelegt. Und diese Rechnung ist die Grundlage für seine monatlichen Abschlagszahlungen.

Der Sozialarbeiter Turgut Aktas ärgert sich über den Kundenservice bei Westnetz und fragt sich, warum es mit seiner Abrechnung so lange dauert.
Der Sozialarbeiter Turgut Aktas ärgert sich über den Kundenservice bei Westnetz und fragt sich, warum es mit seiner Abrechnung so lange dauert.

Nach eigenen Berechnungen entgehen Aktas derzeit jeden Monat 150 Euro. Das wären bislang etwa 750 Euro. Was ihn ärgere, sei in erster Linie nicht das Geld, sondern der Kundenservice bei Westnetz. Seit Wochen herrsche Funkstille. "Ich habe oft angerufen, Mails geschickt – nichts. Keine Reaktion", ärgert sich Aktas: "Langsam fühle ich mich ein bisschen veräppelt."

Westnetz: Neues IT-System bremst Bearbeitung aus

Auf Anfrage schreibt eine Sprecherin von Westnetz, dass man den Unmut des Kunden nachvollziehen könne und, dass Aktas kein Einzelfall sei: "Tatsächlich kommt es für Teile unsere Kunden zu längeren Bearbeitungszeiten. Wir bedauern diese Unannehmlichkeiten ausdrücklich." Ein Grund dafür sei ein neues IT-System, das der Netzbetreiber im Sommer 2024 eingeführt hat. Nach Angaben der Sprecherin habe es Schwierigkeiten gegeben, Daten in das neue Programm zu übertragen.

Rückstau wegen Boom von Solaranlagen

Ein weiterer Faktor: der derzeitige Solar-Boom. Laut Westnetz haben allein 2024 rund 70.000 Kundinnen und Kunden eine Solaranlage neu angemeldet – mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2021. Grund dafür sei unter anderem das sogenannte Osterpaket der Ampelregierung von 2022, das den Ausbau der erneuerbaren Energie fördern soll.

Und das hat auch Auswirkungen auf die Verwaltung bei Westnetz. Weil sich immer mehr Menschen Photovoltaik, Wärmepumpen, Ladesäulen und Hausspeicher anschaffen, sei ein Rückstau bei der Bearbeitung der Rechnungen entstanden. "Selbstverständlich arbeiten wir unter Hochdruck daran, die Probleme so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen", sagt eine Sprecherin.

Heißt: Auch Aktas werde sein Geld bekommen. Die Einspeisevergütungen seien nicht verloren, sie würden nachgezahlt. Der Wittlicher hofft nun, dass er darauf nicht noch ein weiteres halbes Jahr warten muss.

Wittlich

Geld kassiert, Arbeit nicht gemacht Betrüger zocken Eifeler mit Solaranlage auf dem Dach ab

Ein Mann aus dem Wittlicher Land investiert viel Geld in eine Solaranlage – und fällt auf eine mutmaßlich betrügerische Firma rein. Wie erkenne ich solche unseriösen Anbieter?

Guten Morgen RLP SWR1 Rheinland-Pfalz

Solarstrom vom eigenen Dach Einspeisevergütung für neue Photovoltaik-Anlagen sinkt

Wer sich eine Solaranlage aufs Dach bauen möchte, für den ist der 1. August ein wichtiger Stichtag. Denn ab dann sinkt die sogenannte Einspeisevergütung für Photovoltaikstrom.

SWR Aktuell am Morgen SWR Aktuell

Hallert

Eifelbauern in Sorge um ihre Ackerflächen Immer mehr Photovoltaikanlagen: Der Kampf um die Flächen beginnt

Der Bau von Photovoltaikanlagen braucht Platz. Der wiederum fehlt Landwirten in der Region Trier für den Ackerbau. In der Eifel hat ein Verteilungskampf um die Flächen begonnen.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz