Gerade noch schönster Sonnenschein, dann platzt auf einmal der Regen herunter, reißt alles mit sich und sorgt für Überschwemmungen – ein Phänomen das wegen des Klimawandels immer wahrscheinlicher und auch intensiver wird. Darauf bereiten sich Kommunen, Feuerwehren und THW in Rheinland-Pfalz mit Konzepten und Einsatzplänen vor. Doch auch jede Bürgerin und jeder Bürger kann was tun.
- Wie schütze ich mich selbst bei Starkregen?
- Wie kann ich kurzfristig mein Zuhause schützen?
- Wie sollte ich mich langfristig auf Starkregen vorbereiten?
- Wie können sich Hausbesitzer beraten lassen?
- Wie kann ich mein Hab und Gut versichern?
- Worauf sollte ich in meinem Umfeld achten?
- Geheimtipp: Was kann ich sonst noch tun?
Wie schütze ich mich selbst bei Starkregen?
Verschlechtert sich das Wetter, wird das meist vorab in der Wettervorhersage – via Radio oder Wetter-App – kommuniziert. Deshalb empfiehlt auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Wettermeldungen zu checken. Für den Fall der Fälle eine Warn-App wie Nina oder KatWarn auf dem Handy zu haben, ist grundsätzlich eine gute Idee. Und nicht zuletzt lohnt: der Blick zum Himmel und außerdem: Warnungen vor Extremwetterereignissen ernstnehmen.
Wenn sich das Wasser bereits staut, sollte man die eigenen vier Wände möglichst nicht mehr verlassen (Ausnahme: Kellerwohnungen). Sobald erstmal der Regen fällt, sind auch Tiefgaragen tabu. "Schalten Sie den Strom für die Gebäudeteile und Räume ab, die vom eindringenden Wasser gefährdet beziehungsweise betroffen sind", empfiehlt das BBK.
Wer sich dabei nicht selbst in Gefahr begibt, sollte außerdem Nachbarn und hilfsbedürftigen Menschen helfen. Um das Telefonnetz nicht zu überlasten, sollte man das Mobiltelefon nur in Notfällen verwenden.
Wer bei Starkregen draußen unterwegs ist, sollte tieferliegende Orte, insbesondere Unterführungen meiden. "Fahren oder gehen Sie nicht durch überflutete Straßen oder Wasser, dessen Tiefe Sie nicht einschätzen können", so der Tipp des BBK.
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Wie kann ich kurzfristig mein Zuhause schützen?
Wenn eine Sturzflut durch Starkregen in Ihrer Gegend zeitnah zu befürchten ist, sollten Sie Fenster, Türen und Abflussöffnungen abdichten. Das BBK rät: "Besorgen Sie wasserfeste Sperrholzplatten, Silikon zum Abdichten von Türen und Fenstern sowie Sandsäcke." Wer gesundheits- oder umweltgefährdende Stoffe zum Beispiel draußen im Garten lagert, sollte diese aus dem Gefahrenbereich räumen.
Wenn noch Zeit ist: Auto aus der Tiefgarage holen und überschwemmungssicher abstellen. Wer befürchtet, dass der eigene Keller volllaufen könnte, kann noch versuchen, Eingelagertes in höher gelegene Räume zu bringen oder in wasserdichte Behälter zu verstauen. Wichtig ist auch der Schutz vor Stromschlägen, daher sollte beispielsweise die Waschmaschine im Keller nicht mehr angestellt werden.
Wie sollte ich mich langfristig auf Starkregen vorbereiten?
Der Deutsche Wetterdienst empfiehlt, einen privaten Notfallplan zu machen. Der sollte unter anderem klären, wer sich im Urlaub um das eigene Haus kümmert, zum Beispiel bei Extremwettern.
Schutz vor Starkregen sollte bereits beim Bau eines Hauses mitgedacht werden, Häuser lassen sich aber auch später auf unterschiedliche Weisen nachrüsten. Um herauszufinden, ob und wenn ja an welchen Stellen das eigenen Wohnhaus gefährdet ist, gibt es heutzutage vielerlei Infoangebote. So lohnt es sich, für die individuelle Simulation Hydro-Zwilling des Landes RLP auszuprobieren.
Laut dem BBK sollten die Eingangsbereiche 15 bis 20 Zentimeter höher liegen, als das Gelände ringsum. Kellertreppen oder Zugänge zu Souterrainwohnungen lassen sich durch Schwellen absichern. Durch breite Abflussmöglichkeiten kann man außerdem verhindern, dass durch Terrassentüren Wasser ins Haus gelangen kann. Lichtschächte lassen sich auch im Nachhinein um 15 Zentimeter aufstocken.
Beim Rundgang ums eigene Haus sollte man auch einen Augenmerk darauf richten, ob Wasser aus der Dachrinne in einen Lichtschacht gelangen kann. Ein weiterer Tipp der BBK: "Kontrollieren Sie den Abwasserkanal im Haus regelmäßig." Dort lässt sich auch eine Rückstausicherung einbauen.
Wie können sich Hausbesitzer beraten lassen?
Immobilienbesitzer können sich individuell beraten lassen, welche Vorsorge-Maßnahmen ihr Eigenheim im Starkregenfall schützen könnten. Die Preise für eine solche Beratung variieren stark – je nach Umfang der Beratung. Manche Kommunen bieten solche Dienste kostenlos an, unter Umständen inklusive eines Hausbesuchs. Vielerorts gibt es Infoabende, bei denen sich Bürger grundlegend informieren können
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Teurer wird es, wenn man professionelle Ingenieurbüros engagiert. Da liegen die Preise meist zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Viele von ihnen können auch einen sogenannten Hochwasserpass ausstellen. Darin wird die Beratung dokumentiert. Wer die dort empfohlenen Schutzmaßnahmen durchführt, bekommt bei manchen Versicherungen Rabatte.
Wie kann ich mein Hab und Gut versichern?
Gegen Schäden durch Starkregen können sich Hauseigentümer absichern. Vor dem Abschluss einer entsprechenden Versicherung sollten Immobilienbesitzer aber genau hinschauen, rät Ralf Schönfeld, RLP-Verbandsdirektor von Haus und Grund. "Damit man nicht böse auf die Nase fällt, weil man nur gegen Wasserschäden durch Hochwasser, aber nicht durch Starkregen abgesichert ist."
Außerdem lohne es sich, Tarife zu vergleichen, sagt Anna Follmann, Fachberaterin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale RLP.
Elementarschutz ist unheimlich wichtig.
Sie berät in Einzelgesprächen oder auch Webseminaren Hauseigentümer, die häufig fragen würden: "Ich habe die Wohngebäudeversicherung, brauche ich den Elementarschutz denn wirklich?" Follmanns Antwort: "Da sagen wir ganz klar: Das ist unheimlich wichtig." Denn Starkregen könne überall auftreten.
Immobilienbesitzer könnten sich gegen Schäden versichern, die durch Überschwemmung oder Kanal-Rückstau entstehen. "Man kann aber nicht Schäden absichern, die dadurch entstehen, dass Wasser von unten gegen die Bodenplatte des Hauses drückt, also ansteigendes Grundwasser", sagt Follmann.
Ist bereits ein Schaden entstanden und die Versicherung will nicht zahlen, können sich Hauseigentümer auch an die Versicherungs-Ombudsstelle in Berlin wenden.
Worauf sollte ich in meinem Umfeld achten?
Sicher, die eigene Kommune ist selbst dazu verpflichtet, Vorkehrungen zu treffen. Doch auch jeder Einzelne kann mit offenen Augen durch den eigenen Ort gehen. Wo lagert zum Beispiel Brennholz in der Nähe eines Baches, das im Fall von Starkregen mitgerissen werden könnte? Sind Abwasserkanäle in meiner Nachbarschaft verstopft? In solchen Fällen sollten Bürger proaktiv auf die Behörden zugehen.
Wer sein Grundstück in der Nähe eines Baches oder Flusses hat, kann Bäume in der Nähe des Ufers pflanzen, zum Beispiel Erlen. Das fungiert bei Starkregen oder Hochwasser als "natürliche Bremse", so das Landesamt für Umwelt. Schlecht ist es hingegen, wenn Anwohner Gegenstände in Bach- oder Flussnähe lagern, die von einer Sturzflut als Treibgut mitgerissen werden könnten.
Geheimtipp: Was kann ich sonst noch tun?
Damit bei Unwetter, Hochwasser und Co. die Hilfe kommt, die Betroffene brauchen, braucht es nun mal Ehrenamtliche. Feuerwehren und das Technische Hilfswerk (THW) suchen immer nach Freiwilligen, die sich in ihren Zügen ausbilden lassen – und dann im Notfall zur Stelle sind, wenn es darum geht, Menschen aus voll gelaufenen Kellern zu retten.
Sicher, auch das Land und die Kommunen müssen ihren Teil dazu beitragen, damit die Katastrophenhilfe im Ernstfall funktioniert. Doch auch dahinter stehen Menschen, viele von ihnen sind Ehrenamtliche. Doch die werden weniger. Letztlich kann auch, wer sich kommunalpolitisch engagiert, zur Hilfe vor Ort beitragen. Und muss dafür nicht mal im Keller knietief im Wasser stehen und die Pumpe bedienen.