Schutzwände und neue Dämme

So schützt sich Rheinhessen vor Starkregen und Überschwemmungen

Vor vier Jahren kam es im Ahrtal zur Flutkatastrophe mit 135 Todesopfern. Seitdem hat sich beim Starkregen- und Hochwasserschutz auch in der Region rund um Mainz einiges getan.

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Stand

Von Autor/in Sarina Fischer

Es sind Bilder, die vielen Menschen ins Gedächtnis gebrannt sind: In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 zerstörten nach extremem Starkregen meterhohe Wassermassen ganze Dörfer.

Sie rissen innerhalb kurzer Zeit Häuser, Brücken, Straßen und Menschen mit sich. 135 von ihnen starben bei der Flutkatastrophe im Ahrtal. Der Wiederaufbau läuft heute noch, vier Jahre danach.

Mehr Hochwasserschutz in der Region Rheinhessen-Nahe

Die Ahrtalflut war auch deswegen ein einschneidendes Ereignis, weil sie große Versäumnisse beim Katastrophenschutz aufgezeigt hat. Seitdem haben auch viele Städte und Gemeinden in der Region Rheinhessen-Nahe nachgerüstet und weitere Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser ergriffen.

So soll eine vergleichbare Naturkatastrophe wie im Ahrtal möglichst nicht mehr passieren. Oder es soll zumindest schneller und besser darauf reagiert werden können.

Mobile Hochwasserschutzwände in Mainz

In Mainz wurden beispielsweise neue mobile Hochwasserschutzwände angeschafft. Diese können unter anderem am Winterhafen und am Zollhafen bei Bedarf innerhalb kurzer Zeit aufgebaut werden.

Sie bestehen aus Metallständern, die in schon verbauten Bodenplatten verschraubt werden, und Dammbalken, die quer dazwischengeschoben werden. Diese Hochwasserschutzwände sollen in Mainz in Zukunft bei extrem hohen Wasserständen des Rheins zum Einsatz kommen.

Außerdem wurden und werden noch zusätzliche Überschwemmungsflächen geschaffen. Das erst im vergangenen Juni eröffnete neue Grünufer an der Mainzer Nordmole gehört dazu. Zudem wurden bereits Teile des früheren Hafenbereichs abgetragen und tiefergelegt, um mehr Raum für Wassermassen zu schaffen.

Der Hochwasserschutz am Zollhafen sei damit fast fertig ausgebaut, so ein Sprecher der Zollhafen GmbH. Es würden aber noch vereinzelte Bausteine fehlen, etwa noch nicht gebaute Gebäude, deren Hauswände Teil des Hochwasserschutzes sein sollen.

Hochwasserpumpwerke am Rhein ausgebaut

Auch mehrere Hochwasserpumpwerke am Rhein wurden in den letzten Jahren erneuert und ausgebaut: etwa das Pumpwerk "Gaßnerallee" in Mainz oder das Pumpwerk "Haderaue" in Budenheim. Der Ausbau des Werks in Budenheim ist nach Angaben der Gemeindewerke fast fertiggestellt.

Man warte allerdings noch auf die Abnahme des Bauvorhabens - diese habe sich zuletzt wegen Versäumnissen einzelner Firmen verzögert. Die Hochwasserpumpwerke sollen Regenwasser in den Rhein pumpen und so Überflutungen der Wohngebiete verhindern.

Starkregen-Konzepte für viele Gemeinden überarbeitet

Viele Gemeinden in der Region Rheinhessen-Nahe haben ihre Starkregen-Konzepte überarbeitet oder neu erstellt. Diese können Bürgerinnen und Bürgern ortsspezifische Tipps und Anweisungen geben, wie sie sich vor Hochwasser und Starkregen schützen können beziehungsweise sich in solchen Fällen verhalten sollten.

Vor Kurzem hat beispielsweise die Verbandsgemeinde Rhein-Selz ihr Starkregen-Konzept vorgestellt. Dazu hatte sich ein Experten-Team einzelne Kommunen in der VG Rhein-Selz angeschaut und untersucht, wo dort potenzielle Gefahrenstellen bei Starkregen oder Hochwasser sein könnten.

Sanierte Deiche und neue Überflutungsräume

In der Region Rheinhessen-Nahe wurden an vielen Stellen Deiche entlang von Flüssen erneuert und saniert. Zum Beispiel der Nahedeich in Bad Kreuznach. Außerdem sind zusätzlich zu den schon bestehenden Poldern, wie beispielsweise im Bereich Mainz-Laubenheim und Bodenheim (Kreis Mainz-Bingen), weitere Überflutungsräume geplant.

Im Altrheingebiet zwischen Eich, Gimbsheim und Guntersblum (alle Kreis Alzey-Worms) soll ein riesiger Reserveraum für Hochwasser entstehen. Hier könnte eine etwa 850 Hektar große Fläche im Katastrophenfall überflutet werden. Dieser Reserveraum ist darauf ausgelegt, bis zu 300.000 Menschen rheinabwärts vor Extrem-Hochwasser des Rheins zu schützen.

Ackerflächen am Rhein bei Gimbsheim
Im Altrheingebiet zwischen Eich, Gimbsheim und Guntersblum soll ein Rückhalteraum für extremes Hochwasser entstehen.

Mehr Informationen und Beratungen zu Hochwasserschutz

Nach der Ahrtalflut 2021 hat zudem das Interesse an Informationsveranstaltungen und Beratungsangeboten zum Thema Starkregen und Hochwasserschutz zugenommen, berichtet unter anderem der Mainzer Wirtschaftsbetrieb.

In der ganzen Region Rheinhessen-Nahe gibt es dazu auch immer wieder Informationsveranstaltungen. Einige Kommunen haben auch Flyer zum Hochwasserschutz gedruckt und an Haushalte verteilt, darunter die Stadt Bingen.

Rettungsorganisationen für Katastrophenschutz aufgerüstet

Auch Rettungsorganisationen haben beim Katastrophenschutz aufgerüstet: Die Malteser in Mainz zum Beispiel haben zum letzten Jahreswechsel einen neuen Katastrophenschutz-Container in Betrieb genommen.

Der "Medextainer" der Malteser ist ein ausziehbarer Container, in dem bis zu zehn Menschen auf einmal medizinisch versorgt werden können. Er steht am Rosenmontag vor dem Eingang des Gutenberg-Museums.
In diesem Container der Malteser kann im Katastrophenfall zum Beispiel eine Krankenstation eingerichtet werden.

In diesem Container kann im Katastrophenfall zum Beispiel eine Krankenstation eingerichtet werden. Er kann ebenso als mobiler Besprechungsraum für Einsatzkräfte dienen.

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