- Neuer Biotech-Campus geplant
- Geld für Laborausstattung fehlt noch
- BioNTech-Erfolg Grund für neuen Campus
- Gemeinsame Produktionsstätte für Start-ups
- Entsteht die Produktionsstätte bis 2030?
- Biotech-Campus wächst in den nächsten Jahren
Neuer Biotech-Campus geplant
Die meisten Laborflächen werden erst noch gebaut, doch nur wenige hundert Meter vom Mainzer Fußballstadion entfernt soll ein neuer Biotech-Campus entstehen: Die Vision: Etablierte Unternehmen und vor allem auch Start-ups aus der Biotechnologie sollen nach Mainz kommen.
Denn Mainz und ganz Rheinland-Pfalz wollen zu einem führenden Biotechnologie-Standort werden - so ist es auch im Koalitionsvertrag der rheinland-pfälzischen Landesregierung festgehalten. Ein zentraler Baustein ist der geplante Biotech-Campus am Stadtrand.
Für die Laborausstattung fehlte erstmal das Geld
Drei Unternehmen arbeiten bereits am geplanten Campus, der derzeit von Baggern und leeren Baufeldern umgeben ist. Das jüngste und kleinste Unternehmen ist LigniLabs. Das Unternehmen entwickelt unter anderem ein umweltfreundliches Pflanzenschutzmittel für Weinreben.
Die Idee: Das Pflanzenschutzmittel wird nach einer Bohrung direkt in den Stamm gespritzt und in kleine Kapseln verpackt, damit es möglichst lange wirkt. Soweit die Vision: genügend Laborflächen hat das Unternehmen. Diese sind jedoch noch komplett leer, da trotz Förderungen lange das Geld für die Laborgeräte gefehlt hat.
Übergangsweise darf die Firma deshalb die Laborflächen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in der Nähe nutzen. Im Laufe des Jahres will sie ihr eigenes Labor fertigstellen.
BioNTech-Erfolg während Corona Grund für neuen Campus
Neben LigniLabs hat auch das norwegische Medizintechnikunternehmen Lifecare eine Laboreinheit am neuen Campus bezogen. Teile von TRON haben zudem das erste fertiggestellte Laborgebäude bezogen. Das Unternehmen forscht zu neuen Krebstherapien, betreibt hier wichtige Grundlagenforschung und arbeitet mit BioNTech zusammen.
Der Erfolg von BioNTech mit den mRNA-Impfungen während der Corona-Pandemie war auch der Grund für den neuen Campus. Mainz und das Land Rheinland-Pfalz wollen seitdem das Momentum nutzen.
Gemeinsame Produktionsstätte für Start-ups
"Wir haben hier das Gefühl, dass aktuell eine starke Dynamik vorherrscht", sagt Justin Grabow von LigniLabs. Gleichzeitig wünscht er sich mehr Mut von anderen Start-ups und politischen Entscheidungsträgern.
Neben den neuen Laborflächen hofft er auf eine kleine Produktionsstätte, die Start-ups aus den Bereichen Biotechnologie und Chemie gemeinsam nutzen könnten. "Natürlich ist der Bau einer solchen Anlage sehr kapitalintensiv", sagt Alexander Throm von LigniLabs.
Es wäre ein echter Standortvorteil, wenn Rheinland-Pfalz eine solche Produktionsstätte mit einem Bioreaktor anbieten könnte. "Natürlich ist es besser, wenn verschiedene Unternehmen über Tage oder Wochen auch Produktionskapazitäten dort buchen können", sagt Alexander Throm.
Entsteht die Produktionsstätte bis 2030?
Auch Rheinland-Pfalz hat das Potenzial erkannt. In einer vom Wissenschaftsministerium beauftragten Studie wird mehrfach die Forderung nach einer solchen Produktionsstätte erhoben. Bis 2025 sollte geprüft werden, wie solch eine Produktionsstätte entstehen kann.
Bis 2030 soll sie geschaffen werden. "Das ist hochattraktiv, das ist auch unser Ziel. Aber wir wollen es mit der Industrie gemeinsam realisieren”, sagt der zuständige Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) und fügt hinzu: "In der Pharmaindustrie müssen Sie so viel Geld in die Hand nehmen, um die zur Anwendung zu bringen. Das wird ohnehin nur mit etablierten Pharmafirmen funktionieren."
Für andere Bereiche der Biotechnologie gebe es beispielsweise seitens der BASF Interesse. Konkrete Ergebnisse sind aber noch nicht bekannt.
LigniLabs wird eine erste kleine Produktionsstätte wahrscheinlich selbst errichten, was aber nur dank vieler Förderungen möglich ist. Diese werden Start-ups in diesem Ausmaß wahrscheinlich nicht erhalten, heißt es von LigniLabs.
Biotech-Campus wächst in den nächsten Jahren
Derzeit wird die erste Reihe von Laborgebäuden fertiggestellt. Das bisher größte Laborgebäude mit 9.000 Quadratmetern ist laut dem Projektentwickler InnovationsLabs bereits zu zwei Dritteln vermarktet. Gerüchten zufolge soll BioNTech die Laborflächen anmieten, was jedoch bisher nicht bestätigt wurde.
Noch deutlich größer soll ein Laborgebäude mit 19.000 Quadratmetern werden, das vom niederländischen Projektentwickler Kadans realisiert werden soll. Auch das Land plant den Bau neuer Gebäude.
Neue Laborkapazitäten entstehen in Zukunft auf jeden Fall, viele Laborflächen sollen vor allem für Start-ups konzipiert sein. Eine gemeinsame Produktionsfläche als Standortvorteil in Rheinland-Pfalz fehlt aber noch.