Forschung in Rheinland-Pfalz

Wie Mainz neue Biotech-Start-ups anlocken will

Rheinland-Pfalz will führender Biotechnologie-Standort werden. In Mainz soll ein Biotech-Campus entstehen. Wie weit ist das Projekt und was wünschen sich Start-ups für die Zukunft?

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Von Autor/in Pascal Kiss

Neuer Biotech-Campus geplant

Die meisten Laborflächen werden erst noch gebaut, doch nur wenige hundert Meter vom Mainzer Fußballstadion entfernt soll ein neuer Biotech-Campus entstehen: Die Vision: Etablierte Unternehmen und vor allem auch Start-ups aus der Biotechnologie sollen nach Mainz kommen.

Denn Mainz und ganz Rheinland-Pfalz wollen zu einem führenden Biotechnologie-Standort werden - so ist es auch im Koalitionsvertrag der rheinland-pfälzischen Landesregierung festgehalten. Ein zentraler Baustein ist der geplante Biotech-Campus am Stadtrand.

Für die Laborausstattung fehlte erstmal das Geld

Drei Unternehmen arbeiten bereits am geplanten Campus, der derzeit von Baggern und leeren Baufeldern umgeben ist. Das jüngste und kleinste Unternehmen ist LigniLabs. Das Unternehmen entwickelt unter anderem ein umweltfreundliches Pflanzenschutzmittel für Weinreben.

Die Idee: Das Pflanzenschutzmittel wird nach einer Bohrung direkt in den Stamm gespritzt und in kleine Kapseln verpackt, damit es möglichst lange wirkt. Soweit die Vision: genügend Laborflächen hat das Unternehmen. Diese sind jedoch noch komplett leer, da trotz Förderungen lange das Geld für die Laborgeräte gefehlt hat.

Übergangsweise darf die Firma deshalb die Laborflächen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung in der Nähe nutzen. Im Laufe des Jahres will sie ihr eigenes Labor fertigstellen.

BioNTech-Erfolg während Corona Grund für neuen Campus

Neben LigniLabs hat auch das norwegische Medizintechnikunternehmen Lifecare eine Laboreinheit am neuen Campus bezogen. Teile von TRON haben zudem das erste fertiggestellte Laborgebäude bezogen. Das Unternehmen forscht zu neuen Krebstherapien, betreibt hier wichtige Grundlagenforschung und arbeitet mit BioNTech zusammen.

Der Erfolg von BioNTech mit den mRNA-Impfungen während der Corona-Pandemie war auch der Grund für den neuen Campus. Mainz und das Land Rheinland-Pfalz wollen seitdem das Momentum nutzen. 

Illustration des neuen Campus mit modernen Gebäuden inmitten von Grün
Rheinland-Pfalz und die Stadt Mainz möchten mit einem neuen Campus, ein attraktiver Standort für Start-ups sein. Stadt Mainz

Gemeinsame Produktionsstätte für Start-ups

"Wir haben hier das Gefühl, dass aktuell eine starke Dynamik vorherrscht", sagt Justin Grabow von LigniLabs. Gleichzeitig wünscht er sich mehr Mut von anderen Start-ups und politischen Entscheidungsträgern.

Neben den neuen Laborflächen hofft er auf eine kleine Produktionsstätte, die Start-ups aus den Bereichen Biotechnologie und Chemie gemeinsam nutzen könnten. "Natürlich ist der Bau einer solchen Anlage sehr kapitalintensiv", sagt Alexander Throm von LigniLabs.

Es wäre ein echter Standortvorteil, wenn Rheinland-Pfalz eine solche Produktionsstätte mit einem Bioreaktor anbieten könnte. "Natürlich ist es besser, wenn verschiedene Unternehmen über Tage oder Wochen auch Produktionskapazitäten dort buchen können", sagt Alexander Throm.

Entsteht die Produktionsstätte bis 2030?

Auch Rheinland-Pfalz hat das Potenzial erkannt. In einer vom Wissenschaftsministerium beauftragten Studie wird mehrfach die Forderung nach einer solchen Produktionsstätte erhoben. Bis 2025 sollte geprüft werden, wie solch eine Produktionsstätte entstehen kann.

Illustration einer Straße auf dem neuen Campus, Gebäude, viel Grün, Personen auf dem Fahrrad und Bänken
LigninLabs wünscht sich, dass am Campus nicht nur Büro- und Laborflächen, sondern auch eine Kita sowie Flächen für ein Restaurant oder einen Bäcker geplant werden. Stadt Mainz

Bis 2030 soll sie geschaffen werden. "Das ist hochattraktiv, das ist auch unser Ziel. Aber wir wollen es mit der Industrie gemeinsam realisieren”, sagt der zuständige Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) und fügt hinzu: "In der Pharmaindustrie müssen Sie so viel Geld in die Hand nehmen, um die zur Anwendung zu bringen. Das wird ohnehin nur mit etablierten Pharmafirmen funktionieren."

Für andere Bereiche der Biotechnologie gebe es beispielsweise seitens der BASF Interesse. Konkrete Ergebnisse sind aber noch nicht bekannt.

LigniLabs wird eine erste kleine Produktionsstätte wahrscheinlich selbst errichten, was aber nur dank vieler Förderungen möglich ist. Diese werden Start-ups in diesem Ausmaß wahrscheinlich nicht erhalten, heißt es von LigniLabs.

Baustelle auf dem neuen Campus
Ein paar Gebäude des neuen Campus stehen schon.

Biotech-Campus wächst in den nächsten Jahren

Derzeit wird die erste Reihe von Laborgebäuden fertiggestellt. Das bisher größte Laborgebäude mit 9.000 Quadratmetern ist laut dem Projektentwickler InnovationsLabs bereits zu zwei Dritteln vermarktet. Gerüchten zufolge soll BioNTech die Laborflächen anmieten, was jedoch bisher nicht bestätigt wurde.

Noch deutlich größer soll ein Laborgebäude mit 19.000 Quadratmetern werden, das vom niederländischen Projektentwickler Kadans realisiert werden soll. Auch das Land plant den Bau neuer Gebäude.

Neue Laborkapazitäten entstehen in Zukunft auf jeden Fall, viele Laborflächen sollen vor allem für Start-ups konzipiert sein. Eine gemeinsame Produktionsfläche als Standortvorteil in Rheinland-Pfalz fehlt aber noch.

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Pascal Kiss
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