Lange wurden sie als unbedenklich eingeschätzt und ihre Verbreitung kaum überwacht: TFA – das ist die Abkürzung für Trifluoracetat/auch Trifluoressigsäure genannt. Eine Chemikalie, die vielerorts im Wasser nachweisbar ist, und sich dort nicht mehr abbaut.
TFA kann aus etwa 2000 Stoffen entstehen, die alle zu den berüchtigten PFAS gehören, auch "Ewigkeitschemikalien" genannt. Sie stecken in vielen Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen oder Outdoor-Kleidung, aber auch in Kältemitteln oder Pflanzenschutzmitteln. Eine österreichische Umweltschutzorganisation hat knapp 50 Weine im Labor untersuchen lassen, und dabei kam raus: Vor allem in den jüngeren Jahrgängen war TFA nachweisbar.
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind eine Gruppe von chemischen Verbindungen, die fett-, schmutz- und wasserabweisende Eigenschaften besitzen.
Fachbehörde sieht keine Gefahr
Sorgen müssen sich Weintrinker derzeit erst mal nicht machen, so die Einschätzung der zuständigen Fachbehörde. Das Bundesamt für Risikobewertung - BfR - sagt, dass die im Wein gefundenen Mengen im Wein keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen erwarten lassen.
In einer Stellungnahme der Behörde heißt es, ein Mensch mit 60 Kilo Körpergewicht müsse jeden Tag neun Liter des Weins mit der höchsten nachgewiesenen TFA-Menge trinken, um den derzeit gültigen gesundheitsbasierten Richtwert zu überschreiten.
Allerdings verweist das BfR auch darauf, dass die Chemikalie TFA als fortpflanzungsgefährdend gilt, und der genannte Richtwert derzeit von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit überprüft wird. Und sollte dabei herauskommen, dass er herabgesetzt wird, dann würde das BfR auch die TFA-Funde im Wein neu bewerten.
Das BfR weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in Wein auch Ethanol, eine neurotoxische und kanzerogene Substanz enthalten ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, auf alkoholische Getränke zu verzichten.
Chemikale kommt über Regen oder Pestizide
Wie die Chemikalie überhaupt in den Wein hinein kommt, lässt sich nicht genau sagen. Klar ist nur, es ist nicht der erste Fund von TFA in Wein. Die Umweltschutzorganisation, die die aktuelle Untersuchung in Auftrag gegeben hat, sieht einen Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln, die im Weinbau verwendet werden, und die PFAS enthalten. Sie verweist da auch auf Aussagen des Umweltbundesamtes aus der Vergangenheit, das ebenfalls Pflanzenschutzmittel als eine wichtige Eintragsquelle von TFA in die Umwelt ansieht.
Entzug, gesellschaftlicher Druck und die neue Lust aufs Leben Daniel Wagner: Leben ohne Alkohol
Alkohol prägte lange sein Leben. Heute ist Daniel Wagner trocken. Im SWR1 Interview spricht er über den Entzug, gesellschaftlichen Druck und die Lust aufs Leben ohne Rausch.
Das Bundesamt für Risikobewertung sagt aber, ihm würden aktuell keine Erkenntnisse über den Eintragsweg vorliegen. Und das Bundesamt sagt auch, die Untersuchung sei mit weniger als 50 untersuchten Weinen sehr klein ausgefallen. Und genau darauf verweist auch der Deutsche Weinbauverband auf Anfrage. Es heißt, eine solche Untersuchung sei angesichts von 14 Milliarden Liter jährlicher Weinproduktion in der EU nicht repräsentativ.
Der Verband verweist außerdem darauf, dass auch Bio-Weine mit hohen TFA-Gehalten aufgefallen sind, obwohl bei deren Anbau PFAS-haltige Pflanzenschutzmittel nicht zum Einsatz kommen. Heißt im Umkehrschluss: hier hält man es für möglich, dass das TFA über andere Wege, in die Weinberge gekommen sein könnte. Das ist möglich zum Beispiel über Niederschlag.