Auf Schnakenjagd am Rhein

Kampf gegen Mückenplage: KABS sorgt seit 50 Jahren für entspannte Sommer am Rhein

Die KABS - das ist die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage. Seit 50 Jahren bekämpft der Verein Stechmücken.

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Stand

Von Autor/in Stefanie Peyk

Die Stechmückenjäger sind am Oberrhein unterwegs, von Sasbach am Kaiserstuhl rheinabwärts bis Bingen.

An lauen Sommerabenden entspannt draußen sitzen, das war am Oberrhein in den 70er Jahren zeitweise kaum möglich. Wiederholte Hochwasser sorgten für ganze Massen an Stechmücken, erzählt der wissenschaftliche KABS-Direktor Dirk Reichle.

Tausend Stechmücken schwirrten um einen Kopf

Reichle schildert die Situation im Freien in jener Zeit folgendermaßen: "Sie müssen sich vorstellen, wenn Sie so ab Beginn der Dämmerung, 19 Uhr, 19.30 Uhr, sich irgendwo im Freien aufgehalten haben, dann hatten Sie ungefähr mehrere Tausend Anflüge von Stechmücken. Da wird selbst der härteste Stechmücken-Bekämpfer panisch, wenn tausend Mücken um seinen Kopf herumschwirren."

Startschuss für KABS im März 1976

Unter diesem Eindruck wurde am 11. März 1976 in Philippsburg die KABS gegründet, die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage.

Stechmückenbekämpfung auf rund 300 Kilometern

Heute hat die KABS über 90 Mitglieder, vor allem Kommunen entlang des Oberrheins, wie Kehl, Rastatt, Germersheim, Speyer, Mannheim, Biblis, Mainz oder Wiesbaden. Dazu kommen einzelne Landkreise und die Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Insgesamt erstreckt sich das Gebiet der KABS über rund dreihundert Kilometer. Und überall sieht es die KABS als ihre Aufgabe, dass die Anwohner im Sommer abends draußen sein können, ohne gleich von Mückenstichen übersät zu sein.

Ein Helikopter verteilt über einem Stechmückenbrutgebiet Sandgranulat zur Schnackenbekämpfung
KABS-Hubschrauber im Einsatz

Der biologische Wirkstoff Bti tötet Stechmückenlarven

Nachdem zunächst andere Mittel im Einsatz waren, nutzen die KABS-Mitarbeitenden seit Anfang der 80er Jahre den Wirkstoff Bti. Er besteht aus Proteinen, die aus einem Bodenbakterium gewonnen werden. Laut KABS kann man Stechmückenlarven damit deutlich gezielter töten als mit den früher genutzten Mitteln. Meist wird das Bti per Helikopter verteilt, zum Beispiel über ausgewählten Brutstätten in Auwäldern und auf anderen Überschwemmungsflächen. Die Teams gehen aber auch zu Fuß los.

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Zweifel am Einsatz von Bti

An der Arbeit der KABS gibt es auch Kritik. Klara Harres, Naturschutzreferentin beim NABU Rheinland-Pfalz findet es vor allem bedenklich, wenn Bti großflächig mit dem Hubschrauber ausgebracht wird:

"Studien haben gezeigt, dass nicht nur die Stechmücken getötet werden, sondern auch Zuckmücken. Zuckmücken sind ein sehr wichtiger Bestandteil von Ökosystemen, weil sie Nahrungsgrundlage von vielen Tieren sind, wie Fischen, Amphibien, aber auch Vögeln - und wenn die Nahrungsgrundlage hier wegfällt, kann das sehr weitreichende Folgen für die ganze Nahrungskette und somit das ganze Ökosystem haben."

KABS sieht keine Gefahr

KABS-Direktor Reichle bestreitet, dass die KABS die Nahrungsnetze durcheinander bringt. Die Rheinschnaken, die die KABS hauptsächlich bekämpft, brüten nicht an denselben Stellen wie die Zuckmücken, erklärt er. Die KABS setze Bti eben nicht großflächig ein, sondern sehr gezielt und eher mosaikartig - auch mit Hilfe von Satellitendaten und sehr genauen Karten. Außerdem würden die Brutstätten vor Ort mit Schöpfproben kontrolliert - bekämpft werde nur da, wo es nötig sei.

Klimawandel bringt neue Herausforderungen

Immer mehr Extremwetter macht die KABS-Einsätze schwerer planbar. Außerdem bringt der Klimawandel durch wärmere Frühlings- und Herbsttage eine immer längere Stechmückensaison. Und er sorgt dafür, dass sich auch exotische Mückenarten wie die asiatische Tigermücke im Südwesten immer wohler fühlen.

Rheinland-Pfalz

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Einst eingeschleppt, ist die Asiatische Tigermücke seit Jahren sesshaft in Rheinland-Pfalz - und breitet sich aus. Sie kann schwere Infektionskrankheiten übertragen.

Wenn die Tigermücke Menschen sticht, die sich zum Beispiel im Urlaub mit einer Tropenkrankheit infiziert haben, dann kann sie auch bei uns zum Krankheitsüberträger werden. 2025 wurde im Elsass erstmals ein heimisch übertragener Fall von Chikungunya-Fieber registriert, sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier bei uns die ersten lokal erworbenen Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fälle auftreten.

Auch darum sei es wichtig, die asiatische Tigermücke in Siedlungsgebieten zu bekämpfen. Sie kann kleinste Wasseransammlungen als Brutstätte nutzen. Die KABS rät deshalb, Blumentopf-Untersetzer regelmäßig zu leeren und Schubkarren und Gießkannen umgedreht zu lagern. In den KABS-Kommunen können die Anwohnerinnen und Anwohner auch kostenlos Bti-Tabletten für die Regentonne bekommen.

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Stefanie Peyk
Onlinefassung
Astrid Wahl

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